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    ARNSTEIN

    Thüringen schlägt alternativen Verlauf für SuedLink vor

    Thüringen hat einen neuen Vorschlag für den Trassenverlauf von SuedLink eingereicht. Laut dem würde die Trasse quer durch den Landkreis Main-Spessart führen.

    „Eine Unverschämtheit“ nennt der Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann den Trassenkorridor-Vorschlag, den die Landesregierung Thüringen im Zuge der SuedLink-Antragskonferenzen in das Verfahren eingebracht hat. Bei dieser Konferenz hatten Regierungen und Betroffene die Möglichkeit, Stellung zu den bereits vorgeschlagenen Korridorverläufen zu nehmen und selbst neue Ideen vorzulegen.

    In Deutschland gibt es das Ziel, bis zum Jahr 2050 mindestens 80 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Dafür braucht es leistungsstarke Gleichstromleitungen, wie SuedLink eine werden soll. Dabei sollen Erdkabel verlegt werden, die zu sogenannten Netzverknüpfungspunkten führen sollen. Solche gibt es etwa in Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) und Großgartach.

    Momentan läuft die Bundesfachplanung für das Projekt. Dabei wird letztlich entschieden, wo die Energieautobahn gebaut wird.

    In den aktuellen Entwürfen wären auch die Gebiete um Arnstein und Zellingen im Osten des Landkreises Main-Spessart von der Trasse betroffen. Nun hat Thüringen jedoch neue Pläne. Laut diesen sollen die Kabel weiter westlich verlaufen als bisher angedacht – und das Bundesland so komplett aussparen. So würden die Leitungen jedoch quer von Norden nach Süden durch den Landkreis Main-Spessart verlaufen und die Regionen um Lohr, Marktheidenfeld und Triefenstein tangieren.

    Dieser Vorschlag muss jetzt in einer ersten Prüfung vom Netzbetreiber Tennet untersucht werden. „Wir wurden von der Bundesnetzagentur mit einer vorläufigen Prüfung beauftragt“, sagt Elisabeth Benecke vom Team SuedLink Tennet. Da der Vorschlag aus Thüringen aber viel umfangreicher sei als etwa ein Umgehungsvorschlag einer kleinen Gemeinde, werde das eine Herausforderung für den Zeitplan des Netzbetreibers bedeuten. Laut Mitteilung von Alexander Hoffmann soll bis zum 20. November eine Stellungnahme von Tennet zu dem neuen Vorschlag vorliegen.

    Wie ernst man den thüringischen Plan nehmen müsse, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, so Benecke. Fakt sei aber, dass die Korridorvorschläge, die Tennet zusammen mit der Bundesnetzagentur und weiteren Experten erarbeitet hat, im Gegensatz zu denen aus Thüringen einer abgeschlossenen Methodik unterlägen und nach fachlichen Kriterien aufgestellt worden seien. „Hätten unsere Untersuchungen noch weitere geeignete Räume ergeben, hätten wir auch weitere Vorschläge gemacht“, erklärt die Mitarbeiterin. Thüringen habe sich bei seinem Verlaufsentwurf methodisch anders genähert und das werde so akzeptiert. Immerhin habe jede Gemeinde und jedes Bundesland das Recht, einen Alternativvorschlag für die Trasse zu unterbreiten. Elisabeth Benecke resümierte jedoch: „Die Fakten werden für sich sprechen.“

    Bisher wurden laut Tennet die betroffenen Gemeinden angeschrieben. So sollen die notwendigen Daten abgefragt werden, mit deren Hilfe „planerisch schwierige Stellen“ in den thüringer Vorschlägen aufgelistet werden können. Das Ergebnis wird dann der Bundesnetzagentur zur Entscheidungsfindung vorgelegt. Alexander Hoffmann ist jedoch sicher, dass die neuen Pläne keinerlei Beachtung in den folgenden vertiefenden Untersuchungen finden werden.

    „Nach dem Sankt-Florians-Prinzip wird da eine Trasse empfohlen, die zufälligerweise Thüringen komplett umgeht, und die im krassen Gegensatz steht zu den von den Netzbetreibern eingebrachten, gründlich geprüften Vorschlägen“, sagt er. Man solle besser an den vorherigen Vorschlägen festhalten.

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