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    GRÜNSFELD

    Diskussionen über den Bildungscampus

    Schule und Kindertagesstätte unter einem Dach – nicht jedem gefällt in Grünsfeld die Idee für diesen „Bildungscampus“. Einige Eltern sind skeptisch.

    Was machen mit einem Schulgebäude, das auf Grund wechselnder politischer Vorgaben und dem demografischen Wandel überdimensioniert ist und mit einer kirchlich getragenen Kindertagesstätte, die marode und höchst sanierungsbedürftig ist? Ganz einfach, dachten sich die Verantwortlichen der Stadt Grünsfeld. Wie legen beide Einrichtungen zusammen zu einem „Bildungscampus“. Einige Eltern sind allerdings skeptisch.

    Dabei liegt man mit der Idee voll im Trend, wie die neueste Schulbauförderrichtlinie in Baden-Württemberg von 2013 beweist. Hier wird geradezu gefordert, neue Wege zu gehen und die schulischen und vorschulischen Bildungseinrichtungen zu verbinden. Bei einem Informationsabend der Stadt in der Turnhalle der Schule wurde nun das Konzept vorgestellt, das im Main-Tauber-Kreis bisher einmalig ist.

    Gemeinsamer Standort macht Sinn

    Bürgermeister Joachim Markert, Schulleiter Uwe Schultheiß, sein Stellvertreter Bernhard Mittnacht, Kita-Leitung Katja Baumann und Pfarrer Oliver Störr legten aus ihrer Sicht dar, warum der gemeinsame Standort Sinn macht. Bereits seit 2014 beschäftigt sich die Stadt Grünsfeld mit den Gebäuden und einem möglichen Umbau. Damals war schon klar, dass die Werkrealschule auf Grund mangelnder Schülerzahlen aufgelöst wird.

    Gleichzeitig nahm die Geburtenzahl in Stadt und Ortsteilen kontinuierlich ab. Waren es 2006 noch 55 Schüler, die ihren ersten Schultag in Grünsfeld hatten, sind es aktuell nur noch 22 bis 25. Dies wird auch in den nächsten Jahren so bleiben.

    Doch wie sollen die frei werdenden Räume genutzt werden? Eine Nachfrage beim Regierungspräsidium in Stuttgart machte deutlich, eine Umnutzung und Vermietung an beispielsweise gewerbliche Nutzer wäre mit der Rückzahlung hoher Zuschüsse verbunden, so Markert. Auch deshalb entstand die Idee des Bildungscampus.

    Um den fast 200 Besuchern der Informationsveranstaltung näher zu bringen, was es bedeutet, wenn Kindergarten und Schule unter einem Dach sind, hatte die Stadt Simon Kuttenkeuler, geschäftsführender Vorstand des Elisabethenheims in Würzburg eingeladen. Hier wird diese Einheit schon seit fast 100 Jahren gelebt.

    In Würzburg ist man sogar noch einen Schritt weiter gegangen. Neben der Bildungseinrichtung für Kinder ist ein Senioren- und Pflegeheim integriert. Auch hier klappe das Miteinander sehr gut, berichtete Kuttenkeuler. Es gebe einen regen Austausch innerhalb der einzelnen Institutionen. So lernen größere Kinder mit kleineren oder man besucht sich gegenseitig. Eine Unterstützung durch Senioren für die Kinder ist ebenfalls vorhanden. Trotz beengter Platzverhältnisse gelinge es täglich, dem Auftrag des Hauses gerecht zu werden, so der Geschäftsführer. Er machte Mut, das Grünsfelder Modell anzugehen und den Bildungscampus zu errichten.

    Bürgermeister Markert hatte sich gut vorbereitet und die Stellungnahmen der Schulbehörde und ein Gutachten des „Schulbaupapstes“ Otto Seydel mitgebracht. Beide kommen zu dem Schluss, dass der Bildungscampus in Grünsfeld ein gangbarer Weg ist.

    Das Problem mit dem Lärm

    Trotzdem regt sich unter der Elternschaft Widerstand. Vor allem das Lärmproblem wird gesehen, wenn „schreiende Kindergartenkinder“ lernende Schulkinder ablenken. „Wie soll ich den Kindern der ersten und zweiten Klasse Ruhe und gewissenhaftes Lernen beibringen, wenn nebenan oder im Freibereich die Kindergartenkinder aktiv sind?“, fragte eine Mutter, die selbst Lehrerin ist. Dieses Problem lasse sich lösen, so der Bürgermeister, als er die Umbaupläne vorstellte.

    Im Vorfeld war ein Fragenkatalog an die Stadt und das Schulamt von besorgten Eltern versandt worden. Diese Fragen wurden bei der Veranstaltung soweit möglich beantwortet. Markert machte aber auch deutlich, dass man sich noch auf einem langen Weg befindet, bis das endgültige Raumkonzept steht.

    Er versprach aber immer wieder die Eltern und Institutionen bei allen Schritten mitzunehmen, beispielsweise bei einem Workshop zur Raumgestaltung und Planung der Abläufe für ein geregeltes Miteinander. Auch wie man in der Umbauphase einen geregelten Unterricht gewährleisten will, wurde gefragt. Da hofft der Rathauschef auf eine intelligente Bauplanung und die Flexibilität der Räumlichkeiten.

    Gutes Lernen für alle

    Den meisten Beifall am Abend erntete die Elternbeiratsvorsitzende des Kindergartens in Zimmern. Sie warb dafür der Verwaltung und den Institutionen einen Vertrauensvorschuss zuzubilligen. Ihr Wunsch ist es, dass „ein gutes Lernen für alle möglich wird“. „Wir alle wollen das Beste für die Kinder“, sagte Bürgermeister Markert zum Abschluss des Abends und hofft weiterhin auf konstruktive Mitarbeit aller Beteiligten.

    Von unserem Mitarbeiter Matthias Ernst

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