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    SULZDORF

    Kinder im Wald: Matschloch mit Pipibaum

    Total spannend ist es über Baumstämme zu balancieren oder Käfer zu beobachten. Das große Wald-Highliht ist für die Kleinen Strolche der Kita aber was ganz anderes.

    Der kleine Nick scheint von der Frage etwas überfordert. „Ich mach alles gern“, sagt der Bub, während er in einem Wirrwarr aus langen Ästen herumklettert, das einmal ein Indianertipi gewesen ist.

    „Alles“, das bedeutet für die rund 40 Buben und Mädchen Naturerlebnis pur. Hier dürfen sie auf Baumstämmen balancieren, Käfer und Würmer entdecken, die sofort mit den Lupengläsern begutachtet werden und natürlich – immer nach dem gemeinsamen Essen – ins Matschloch, das eher ein kleiner Graben ist, der von einem nahe gelegenen Tümpel mit Wasser versorgt wird.

    Zwei Wochen immer am Vormittag im Wald

    Schon lange bevor es losgeht, fiebern die Kinder, die das schon einmal miterlebt haben, den zwei Wochen im Wald entgegen. Auch für Leiterin Elke Schneidawind und ihr Team sind die Vormittage, die mit einer zünftigen Traktorfahrt von Sulzdorf aus starten, etwas besonderes. Der Wald, das Zwitschern der Vögel, das diffuse Licht, das durch die Blätter dringt, das leichte Rauschen des Windes – alles scheint eine ungemein beruhigende Wirkung auszustrahlen.

    „Es ist phänomenal“, sagt die Erzieherin.

    Im Laufe der Zeit gibt es kaum noch Streit unter den Kindern

    Der erste Tag mit Kindern, die das noch nicht kennen, sei zwar anstrengend, aber mit der Zeit würden die Kinder – sie sind zwischen einem und sechs Jahre alt – immer lockerer. „Es gibt ganz wenig Konflikte, kaum Streit.“ Auch die Lautstärke pegelt sich auf ohrenschonende Werte ein. Auch wenn die Freiheit hier deutlich weitere Grenzen hat, einige Regeln gelten natürlich. Damit sie auch niemand vergisst, baumeln die bunten Bilder mit dem Wald-Knigge an einem Faden zwischen zwei Bäumen. Nichts wegwerfen, nichts abreißen und mit den Stöcken vorsichtig umgehen – das war es fast schon.

    Süßigkeiten sind tabu, denn sie locken Ameisen und andere Insekten an

    Süßigkeiten sind im Wald auch tabu. „Damit wir keine Ameisenstraßen bekommen“, schmunzelt Elke Schneidawind. Obwohl die Kinder alle feste Schuhe und lange Hosen tragen, vor Zecken ist niemand gefeit. Deswegen sollen die Eltern am Abend dann auch bei ihren Kindern nachschauen, ob sich eines dieser nicht ungefährlichen Krabbeltierchen eingenistet hat.

    Ein funktionierender Handyempfang ist natürlich auch wichtig

    Wichtig bei der Auswahl der Lagerstätte im Wald ist natürlich auch ein funktionierender Handyempfang. Passiert ist aber in den vergangenen 15 Jahren noch nie etwas so Gravierendes, das einen Notruf notwendig gemacht hätte, aber sicher ist sicher. Stechmücken-Attacken waren die bislang größten Herausforderungen. Sogar eine eigene Waldtoilette wurde zu Beginn des Abenteuers angelegt, mit einem Pipi-Baum für die Buben, die im Wald ausnahmsweise auch im Stehen pinkeln dürfen.

    Und wenn es mal richtig regnet, werden alle halt nass

    Und wenn das Wetter nicht mitspielt? Nur einmal hätten vor ein paar Jahren alle in dem Unimog, den der Ehemann einer der Erziehrinnen zur Verfügung stellt, Schutz suchen müssen, weil ein Gewitter aufgezogen war. Bei Regen hilft dagegen der Unterschlupf unter die Plane am Waldnest, wie das Lager genannt wird, oder das eigene Lied, dass mit der Zeile endet „ dann sind wir eben pitschenass.“

    Mit riesiger Begeistrerung geht es zum Ende des Vormittags ins Matschloch

    Schmutzig wie die Dreckspatzen sind die Kinder eh jeden Tag, denn zum krönenden Abschluss, bevor es zum Essen und Mittagsschläfchen wieder in den Kindergarten geht, dürfen alle Kinder ins Matschloch. Die Begeisterung bei den Kindern ist riesengroß und steckt auch etwas Bürgermeisterin Angelika Götz an, die bald auch schmutzige Hände hat. Sie ist an diesem Vormittag in Waidmannskluft, Fernglas und Schrotbüchse (natürlich ohne Munition) in den Wald zu den Kindern gekommen, was ein Jäger so alles zu tun hat.

    Besuch von der Bürgermeisterin in Jägerkluft

    Die entsprechende Frage zieht eine spontane Antwort nach sich, die zugegebenermaßen die Sicht auf die Dinge etwas verengt. „Die hängen Rehe in ihr Haus“, meint ein kleiner Bub und sorgt damit für allgemeine Heiterkeit. Natürlich haben die Kinder schon im Vorgriff von ihren Erzieherinnen von den vielfältigen Aufgaben einer Jägerin erfahren, die ein Revier gepachtet hat. Und so kann es Angelika Götz bei einem kurzen Überblick belassen. Den Blick durch das Zielfernrohr wollen sich die wenigsten entgehen lassen, bevor es dann endgültig zum Matschloch geht.

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