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    BAD NEUSTADT

    In moderaterem Tempo zur Mittleren Reife

    Viele Wege führen zur Mittleren Reife – auch für Mittelschüler. Ein relativ neues Modell sind die sogenannten Vorbereitungsklassen.

    In zwei Jahren zur Mittleren Reife: Die Schüler der Übergangsklasse der Mittelschule Bad Neustadt mit Klassenlehrerin Si... Foto: Ines Renninger

    Viele Wege führen zur Mittleren Reife – auch für Mittelschüler. Der M-Zug ist das zielgerichtetste Modell, quasi der ICE der Mittelschüler. Aufspringen können entsprechend leistungsstarke, motivierte Schüler ab der siebten bis zur zehnten Jahrgangsstufe. Doch nicht jeder ist der Typ für Hochgeschwindigkeiten: Ein relativ neues Modell, die sogenannten Vorbereitungsklassen, führen geeignete Schüler mit Quali in zwei statt einem Jahr zur Mittleren Reife – eben in moderaterem Tempo.

    In Unterfranken noch relativ unbekannt

    In Unterfranken sind die Vorbereitungsklassen noch relativ unbekannt. Dabei gibt es sie als Regelangebot theoretisch seit dem Schuljahr 2012/2013. Doch neben Aschaffenburg und Amorbach hat bislang in der Region Mainfranken nur die Mittelschule Bad Neustadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) entsprechende Klassen im Portfolio, wie der dortige Schulleiter Walter Rothaug auf Anfrage bestätigt.

    Die ersten Vorbereitungsklässler haben bestanden

    Er selbst habe das Konzept auf einer Fortbildung näher kennen gelernt und vor zwei Jahren entschieden: „Das probieren wir aus.“ Die ersten Vorbereitungsklässler haben in Bad Neustadt nun kürzlich ihre Mittlere-Reife-Prüfung abgelegt. „100 Prozent haben bestanden“, für Schulleiter Rothaug sind die Vorbereitungsklassen damit definitiv ein „Erfolgsmodell“ – auch wenn die Schüler der Vorbereitungsklasse natürlich im Schnitt etwas schlechter abgeschnitten hätten als der reguläre M10-Schüler.

    Intensive Förderung und Wiederholung

    Der Vorteil der Vorbereitungsklasse liegt für Rothaug klar auf der Hand: Der Stoff der M10 werde auf zwei Jahre verteilt, was eine intensive Förderung in den Kernfächern und intensive Wiederholungsphasen ermögliche. Zielgruppe für das Modell seien vor allem die sogenannten „Spätzünder“, die die Lust am Lernen erst in der neunten Klasse entdecken. „Für viele war der Besuch dieser Klasse eine Befreiung und ein Neuanfang“, berichtet Klassenlehrerin Simone Büttner. Aber auch Jugendliche, die längere Übungsphasen brauchen oder einen Migrationshintergrund haben, seien dort gut aufgehoben.

    Über die Vorbereitungsklasse bekämen auch jene Schüler einen Chance auf einen mittleren Schulabschluss, die es mit ihrem Notenschnitt nicht in eine M10-Klasse geschafft haben. Aufgenommen werden in die Vorbereitungsklasse Schüler mit einem Quali von 2,5 oder besser. Bei einem schlechteren Notenschnitt entscheidet ein Aufnahmegespräch über die Eignung.

    Ein Jahr später auf dem Arbeitsmarkt

    Unumstritten sind die Vorbereitungsklassen trotz all der beschriebenen Vorteile nicht – entlassen sie die Mittelschüler doch ein Jahr später als regulär auf den Arbeitsmarkt. Für Schulleiter Rothaug und Klassenlehrerin Büttner ist aber genau das einer der großen Pluspunkte. Aus ihrer Erfahrung wissen sie: Viele Schüler seien heutzutage nach der neunten Klasse den Anforderungen des Arbeitsmarktes noch nicht gewachsen. Vor Augen haben sie dabei auch die hohe Zahl an Ausbildungsabbrechern.

    Enorme Persönlichkeitsentwicklung

    „Viele machen in diesen zwei Jahren Schule noch einmal eine enorme Persönlichkeitsentwicklung durch“, berichtet Klassenlehrerin Büttner. Anschließend stünden die Schüler dem Arbeitsmarkt dann höher qualifiziert und mit der nötigen persönlichen Reife zur Verfügung. Auch durch die Berufsorientierung der Vorbereitungsklassen – die Schüler wählen ein Praxisfach und absolvieren Praktika – würden sie direkt an die Arbeitswelt herangeführt.

    Die Zahlen aus Bad Neustadt sprechen jedenfalls eine ziemlich klare Sprache: Elf der 14 Jugendlichen haben eine Zusage für einen Ausbildungsplatz, zwei planen, auf der Fachoberschule ihren schulischen Weg fortzusetzen.

    Als Klassenbeste abgeschlossen hat die 18-jährige Alina. Mit dem Konzept der Vorbereitungsklasse ist sie mehr als zufrieden. „Ich hatte immer so meine Bedenken bei Mathe“, gesteht sie, „jetzt habe ich meinen Wunsch-Ausbildungsplatz als medizinische Fachangestellte bekommen“.

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