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    MELLRICHSTADT

    Mächtig stolz aufs neue Haus

    Das neue Beschussamt in Mellrichstadt präsentiert sich innen und außen als Topadresse für Waffen- und Materialprüfung. Selbst Ilse Aigner zeigte sich beeindruckt.

    Geprüft in Mellrichstadt ist das höchste Qualitätsmerkmal bei der Materialprüfung – ein Gütesiegel, das international gefragt ist. Mellrichstadt geht um die Welt.“ Wirtschaftsministerin Ilse Aigner blickte nach diesen pathetischen Worten erwartungsvoll in die Runde, und es passierte – nichts. Die vielen Festgäste aus Politik und Wirtschaft, die Behördenvertreter und Mitarbeiter lauschten bei der Einweihung des neuen Beschussamts am Donnerstagnachmittag ergriffen, bis Aigner, leicht verdutzt, nachschob: „Jetzt hätte ich eigentlich etwas mehr Begeisterung erwartet.“ Prompt folgte lautstarker Applaus, und Bürgermeister Eberhard Streit parierte den kleinen Fauxpas anschließend charmant unter Gelächter: „Wenn man in solch eine Liga gehoben wird, bebt die Seele des Franken, aber nach außen merkt's keiner.“

    „Wichtig, hier zu sein“

    So viel Lob, wie den Mellrichstädtern an diesem Tag von allen Seiten zuteil wurde, hat man in der Stadt an der Streu schon lange nicht mehr gehört. Noch dazu von versammelter Politprominenz. Es tat sichtlich wohl, Beschussamtsleiter Horst Willner, seine Mitarbeiter, Eberhard Streit und Landrat Thomas Habermann strahlten in die Runde. Neben „Hausherrin“ Aigner – das Beschussamt Mellrichstadt ist dem Bayerischen Landesamt für Maß und Gewicht unterstellt, welches zum Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gehört – ließen es sich auch Innenstaatssekretär Gerhard Eck und die parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär trotz anderer Termine nicht nehmen, bei der Einweihung Flagge zu zeigen. „Es ist mir wichtig, hier zu sein“, versicherte Bär.

    Nach vier Jahren Bauzeit – am 19. September 2012 war Spatenstich für das neue Amt in der Loh – wurde das topmodern gestaltete Gebäude mit dem Hingucker-Element Rostkubus fertiggestellt. Die Wegfurter Böllerschützen gaben sprichwörtlich den Startschuss für die Feierlichkeiten. Pfarrer Andreas Werner und Gemeindereferentin Ursula Schäfer erteilten dem Haus sogleich den ökumenischen Segen. Das kam gut an bei den Ehrengästen – „hier bei uns in Bayern werden Traditionen eben noch hochgehalten“, bekundeten insbesondere die Politiker aus den Reihen der CSU erfreut.

    „Feuer frei fürs neue Gebäude“, rief Ilse Aigner nach dem Salut der Böllerschützen. „Mellrichstadt spielt in der Champions League bei den Materialprüfungsstandorten“, bekundete die Wirtschaftsministerin in ihrer Festrede, die 18 Millionen Euro, die hier investiert wurden, seien gut angelegt. „Von diesem Neubau profitiert die ganze Region“, ist sich Aigner sicher und lobte das einmalige Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter und die topmodernen Standards. Die Kunden seien die Gewinner, insbesondere die Waffenhersteller in Stadt und Umland – sie haben auf Dauer Zugang zu einer exzellenten Prüfeinrichtung direkt vor der Haustür.

    Der Neubau mit all seinen Möglichkeiten könnte auch dafür sorgen, dass sich weitere Firmen hier ansiedeln.

    Das Mellrichstädter Amt hat seit Jahrzehnten einen ausgezeichneten Ruf, keine Frage, klar ist aber auch: Die allgemeine Sicherheitslage hat sich drastisch geändert, so Aigner. Die Herausforderungen durch den Terror werden wachsen, und die Materialprüfungen in Mellrichstadt, die der öffentlichen Sicherheit dienen, werden zunehmen, so die Ministerin. Mit Blick auf das Attentat in München im Juli merkte Aigner an, dass der Täter eine unbrauchbar gemachte Waffe im Darknet gekauft und reaktiviert hatte – diese habe ein Prüfzeichen aus der Slowakei getragen. „Mit einem Prüfzeichen aus Mellrichstadt wäre das nicht möglich gewesen“, hob sie hervor.

    Gerhard Eck, Staatssekretär im bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr, lobte nicht nur das Staatliche Bauamt Schweinfurt für die hervorragende Planung des Komplexes und die ausführenden Firmen, sondern machte auch deutlich, dass sich sein Vorgänger Bernd Weiß, bekanntlich aus dem Stadtteil Bahra, mit riesigem Engagement für die Einrichtung eingesetzt habe, als es darum ging, den amtlichen Beschuss in Bayern einzustellen und die Materialprüfung an private Investoren zu veräußern.

    Bekanntlich waren die Mühen von Erfolg gekrönt, und der Lohn ist eine knapp 20-Millionen-Euro-Investition in Mellrichstadt, so Eck, der neben den Bau- auch die Planungskosten im Blick hatte.

    Dorothee Bär, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, fand in ihrer Rede einen ganz persönlichen Bezug zu Mellrichstadt. Im Sommer hat die Politikerin ihren Jagdschein gemacht. Beim Lernen der Beschusszeichen habe sie stets an das Amt in Mellrichstadt gedacht – „Mellrichstadt hat mich also den ganzen Sommer lang begleitet“, sagte Bär leutselig. In ihrer launigen Rede dankte sie den Steuerzahlern: „Beim Anblick dieses tollen Hochbaus sieht man, wo die Euros hinkommen“, sagte sie mit einem Schmunzeln. Beim Blick auf ihren Steuerbescheid können die Mellrichstädter heuer sagen: „Das steckt alles im Beschussamt.“ Klar, dass der Satz für Gelächter sorgte.

    Hervorragender Ruf

    Landrat Thomas Habermann würdigte neben Horst Willner seinen Vorgänger Joachim Baumart, der den weltweit hervorragenden Ruf des Beschussamts Mellrichstadt begründet und sich stark dafür eingesetzt hatte, die Beschussverwaltung nicht zu privatisieren. „Ohne ihn wären wir heute nicht hier“, sagte der Kreischef in Richtung des früheren Amtsleiters. Habermann sowie Bürgermeister Streit lobten die bauliche Gestaltung – „topmodern im Innern, das muss auch die äußere Gestaltung widerspiegeln“ und „ein Vorzeigeprojekt“. Streit gab sich am Ende seiner Rede selbstbewusst: „Es freut uns, dass die Regierung an die Qualität des Standorts Mellrichstadt glaubt. Wir vor Ort sind ohnehin davon überzeugt!“

    Holger Bothe, Chef des Staatlichen Bauamts Schweinfurt, übergab symbolisch den Schlüssel für das Gebäude an Ilse Aigner, und Horst Willner zeigte der Ministerin voller Stolz die Prüfeinrichtungen im Haus. Am Freitag durfte dann die Bevölkerung das neue Beschussamt unter die Lupe nehmen.

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