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    HOHENROTH

    Sexuelle Belästigung: „Hau ab!“

    Hohenröther Schüler übten

    Sophie übt mit Dirk Bayer, wie man sich verhält, wenn man belästigt wird. Foto: Silke Hehn

    „Hau ab!“ So schallte es mehrfach laut aus einem Klassenzimmer an der Edmund-Grom-Volksschule in Hohenroth. Nein: Hier wurde nicht etwa ein Konflikt zwischen Schülern ausgetragen. Vielmehr übten die Schülerinnen und Schüler, wie sie sich vor sexuellen Übergriffen schützen können. So der Wortlaut einer Pressemitteilung.

    Am 4. und 5. Dezember fanden an der Edmund-Grom-Grundschule und -Mittelschule Präventionstage zum Thema „Schutz vor sexuellen Übergriffen“ statt. Deren Zielsetzung war es, die Schülerinnen und Schüler zu stärken, damit sie sich im Falle einer sexuellen Belästigung trauen, sich zu wehren und „Nein“ zu sagen und damit sie in der Lage sind, Hilfsmöglichkeiten anzunehmen. Im September hatte das Bayerische Kultusministerium erneut deutlich auf die Notwendigkeit für Schulen hingewiesen, sich vertieft mit der Problematik „Gewalt- und Sexualdelikte“ zu beschäftigen.

    Die Schule lud dazu Dirk Bayer, einen Sozial-, Theater- und Präventionspädagogen aus Bamberg ein, der zusammen mit der Schauspielerin und Studentin Kristina Greif den Schülerinnen und Schülern der Grund- und Mittelschule das Thema in einer eindrucksvollen, auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnittenen, interaktiven Theatervorstellung näher brachte.

    Hau-ab-Rufen war dabei neben Abstand halten, weglaufen und Hilfe holen und sich jemandem anvertrauen ein wichtiger Punkt auf der To-do-Liste, die den Kindern für den Fall einer sexuellen Belästigung als Handlungsschema an die Hand gegeben wurde. Unter der Anleitung von Dirk Bayer und seiner Kollegin wurden die Handlungsschritte mit den Schülerinnen und Schülern in verschiedenen Situationen trainiert. So hieß es für die Kinder, richtig zu reagieren, wenn jemand, der einem fremd und nicht ganz geheuer ist, nach dem Weg fragt oder wenn einem ein Fremder auf der Straße viel zu nahe auf die Pelle rückt. Was tue ich, wenn Onkel Heinz zwar tolle Geschenke mitbringt, diese aber nur gegen einen Kuss oder gar nach einer Kuscheleinheit rausrückt, die ich selbst gar nicht möchte? „Kein Küsschen für Pseudogeschenke“, machte Dirk Bayer klar. Auch für eine solche Situation lernten die Kinder Handlungsmöglichkeiten kennen.

    Wichtig war es für Bayer dabei auch, den Kindern zu klar zu machen, dass ihr Bauchgefühl ein erster, überaus wichtiger Indikator zur Einschätzung einer Situation ist. „Hast du ein schlechtes Gefühl und willst du etwas überhaupt nicht? Dann lass‘ es nicht zu, denn dein Körper gehört dir! Spüre, wann deine persönliche Grenze überschritten wird!“. So lautete seine wichtige Botschaft.

    Dieses Bauchgefühl war auch Thema in einem informativen Elternabend, zu dem die Schule am Montag eingeladen hatte. Dirk Bayer zeigte den Eltern sein Theaterstück und band auch sie aktiv mit ein. Er machte außerdem deutlich, wie wichtig für Kinder ein angemessenes Selbstbewusstsein ist. Selbstbewusst auftretende Kinder kämen viel seltener in eine Situation, in der sie zum Opfer eines Übergriffes würden. Damit sie Selbstbewusstsein entwickeln könnten, müssten die (Bauch-)Gefühle der Kinder von den Erziehenden ernst genommen und respektiert werden, so sein Anliegen.

    Mitgestaltet wurde der Elternabend von Katharina Amon. Sie stellte die „Anlaufstelle sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen“ in Schweinfurt vor und erläuterte, wie man sich dort im Falle eines sexuellen Übergriffs Hilfe holen und beraten lassen kann.

    Im Unterricht werden Bayers Impulse von den Lehrkräften aufgegriffen und weiter vertieft.

    Bearbeitet von Wolfgang Hüßner

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