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    BISCHOFSHEIM

    Stramm-Stehen statt Chill-Modus

    Seit langem fand auf dem Bischofsheimer Marktplatz wieder ein feierliches Gelöbnis der Bundeswehr statt. Zwei Friedensaktivistinnen legten gelbe Blumen auf die Waffen.

    Nach mehr als 20 Jahren fand auf dem Bischofsheimer Marktplatz wieder ein feierliches Gelöbnis der Bundeswehr statt. Bürgermeister Udo Baumann begrüßte Soldaten, Eltern, Angehörige und Ehrengäste. Das Feierliche Gelöbnis wurde jungen Menschen abgenommen, die bisher als Zivilbeschäftigte bei der Bundeswehr tätig waren und nun für soldatische Aufgaben vorgesehen sind.

    Baumann dankte Oberst Michael Uhrig, dem Kommandeur des VN Ausbildungszentrums der Bundeswehr, dass er Bischofsheim als Veranstaltungsort für dieses öffentliche Gelöbnis auswählte. „Wir sind stolz Gastgeber für unsere Bundeswehr sein zu können.“

    Die musikalische Gestaltung der Feierstunde übernahm die Trachtenkapelle Frankenheim, unter der Leitung des Dirigenten Berthold Kessler. „Sie ist ein würdiger Ersatz für das Heeresmusikkorps“, sagte Baumann. Damit es mit dem militärischen Drill auch funktionierte, haben sie am Abend vorher auf dem Kirchenvorplatz in Frankenheim eine Generalprobe absolviert, von der sich Baumann überzeugen konnte. Beim Feierlichen Gelöbnis klappte alles wie am Schnürchen.

    Vor dem Festakt legten zwei junge Damen eine gelbe Blume auf die Waffen, die in der Mitte des Marktplatzes aufgebaut waren. Oberst Uhrig dankte den Friedensaktivistinnen und versicherte ihnen, dass jeder Soldat heilfroh sei um jeden Tag, an dem er keine Waffe benötige.

    Das Gelöbnis der Soldaten der Bundeswehr sei eine feierliche Zeremonie zu Beginn ihrer Dienstzeit, erklärte Oberst Uhrig. „Dieser Eid soll die Integration des Soldaten in die soldatische Gemeinschaft fördern und ihn auf einer emotionalen Ebene an die soldatischen Pflichten binden.“ Bewusst finde das Zeremoniell in der Öffentlichkeit statt.

    Die Ausbildung für die bisherigen Zivilbeschäftigten dauerte neun Wochen. Sie sei vorgeschrieben für Personal, für das im Ausland ein Soldatenstatus vorgesehen sei. Der Dienstplan sei straff, der Ton ein anderer als im Büro. „Das Prinzip Befehl und Gehorsam ist bei der Bundeswehr unverzichtbar. Die Ausbildung wird Sie geistig wie körperlich fordern. Sie grüßen nicht per Handschlag, sondern durch militärischen Gruß. Sie stehen nicht locker im Chill-Modus, wenn Bosse mit Ihnen reden. Sie stehen in Grundstellung!“, umschrieb Uhrig.

    Es gehe darum, grundsätzliches Wissen zu Regeln des militärischen Verhaltens im täglichen Dienst zu vermitteln. Man müsse sich mit Grundwerten und demokratischem Verständnis auseinandersetzen, um erklären zu können, wofür Soldaten einstehen und sich einsetzen. Außerdem werden sie an Waffen und Gerät ausgebildet, lernen sich und andere zu verteidigen.

    „Mit dem Zivilpersonal, hier in Uniform angetreten, wird die Bedeutung der Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft unbestreitbar“, so Uhrig. Er bezeichnete die Vereidigten als Bindeglied zwischen Bundeswehr und Bevölkerung. Ihr Einsatz verdiene Respekt, denn wer sich in der Welt umschaue, der wisse, dass Menschenwürde, Freiheit, Frieden und Sicherheit nicht zum Nulltarif zu bekommen seien. „Auch wenn der Einsatz nicht für jeden in der Kampfzone stattfinden wird, besteht die Gefahr für Leib und Leben.“

    Das eigentliche Gelöbnis sprach eine Gruppe Soldaten als Eid über der Truppenfahne: „Ich gelobe der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

    Bürgermeister Udo Baumann und der stellvertretende Landrat gratulierten. Baumann verwies auf die europäische und transatlantische Bündnispolitik und das Engagement der Bundeswehr, durch das alle Bürger seit 66 Jahren ein Leben in Frieden und Freiheit genießen dürfen. „Ich danke Ihnen, dass sie als bisher ungediente Zivilbeschäftigte der Bundeswehr ihren Beitrag zur Sicherung von Frieden und Freiheit auch in Zukunft leisten und den veränderten Strukturen Rechnung tragen.“ Das Gelöbnis auf dem Marktplatz sei ein „deutliches Bekenntnis zur Demokratie und zur Rechtsstaatlichkeit.“

    ONLINE-TIPP

    Viele Bilder unter www.mainpost.de/rhoen-grabfeld

    Von unserer Mitarbeiterin Marion Eckert

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