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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Nicht jede Wunde ist sichtbar

    Bundeswehrsoldat Alexander Sedlak, der mit traumatischen Erlebnissen aus dem Krieg in Afgahanistan kämpft, will mit seinem Marsch mehr erreichen, als Aufmerksamkeit.

    Es sind meist Erlebnisse schrecklicher Natur, die sich quasi ins Gedächtnis eingraben, immer wieder als so genannte Flashbacks unvermittelt auftauchen und einem Menschen das Leben zur Hölle machen können. In der Fachsprache wird diese Erkrankung Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)genannt. Betroffenen fällt es meist schwer, sich anderen mitzuteilen.

    750 Kilometer zu Fuß von Freiburg nach Berlin

    Alexander Sedlak hat gelernt über jene traumatischen Situationen zu sprechen, denen er 2011 während seines sechsmonatigen Einsatzes mit der Bundeswehr in Afghanistan ausgesetzt war. Der Stabsgefreite geht im wahrsten Sinne des Wortes noch weiter. Am 26. April brach er in seiner Heimatstadt Freiburg auf, um in einem Monat die 750 Kilometer lange Strecke nach Berlin zu laufen, wo er am 27. Mai am Veteranentag teilnehmen will. Mit seiner Aktion, die von einem Team organisiert wird, will er auf die Situation betroffener Einsatzveteranen aufmerksam machen, über Hilfsangebote und Rechtsansprüche informieren und Spenden sammeln.

    Der eineinhalb Jahre alte Rottweilerrüde Bruno ist ein treuer Begleiter

    Am Donnerstagnachmittag traf Sedlak mit seinem eineinhalb Jahre alten Rottweilerrüden Bruno in Bad Königshofen ein. 374 Kilometer hatte er da schon in den Beinen und die Hälfte der Wegstrecke geschafft. Gerne hätte ihn Bürgermeister Thomas Helbling selbst im Rathaussaal Willkommen geheißen, die Teilnahme an einer Sitzung hinderte ihn aber.

    Reservisten bildeten das Empfangkomitee im Rathaus

    So bildeten denn einige Mitglieder der Soldatenkameradschaften aus der Stadt und Merkershausen das Empfangskomitee. Vorsitzender Helmut Luff stellte die hiesige Soldatenkameradschaft kurz vor, beklagte, dass der Nachwuchs fehle und überreichte dem Läufer eine Spende. Bisher sind laut Sedlak 6000 Euro zusammengekommen, die dem verband der Einsatz-Veteranen zugute kommen sollen. Günter Neundorf, der Kreisvorsitzende der Soldaten-und Reservistenkameradschaften, betonte die Aufgaben, das Soldatentum zu pflegen und die Gefallenen zu ehren. Schließlich trug sich Sedlak nach einer kurzen Erläuterung seiner Motive ins Goldene Buch der Stadt ein, die ebenfalls eine Spende beisteuerte.

    Marschieren ist für Alexander Sedlak ein Teil der Therapie

    Für Sedlak ist sein Marsch, zu dem ihm die Bundeswehr Sonderurlaub gewährt, auch ein Stück weit Eigentherapie, die sich in seine Behandlung einfügt. Wobei er sich derzeit in der Stabilisierungsphase befindet, wie er erklärte. Die eigentliche Traumatherapie stehe noch bevor. Dreieinhalb Jahre hatte der jetzt 27 Jahre junge Soldat mit den Folgen der Erlebnisse gekämpft,die ein Anschlag, Bombenangriffe und Raketenbeschuss bei ihm ausgelöst hatten, bevor er sich eingestand, Opfer einer Postraumatischen Belastungsstörung zu sein. Die habe sich bei ihm unter anderem in Schlaflosigkeit, aggressivem Verhalten und zunehmender Desozialisierung geäußert. „Nicht jede Wunde ist eben auch sichtbar“, sagt er dazu im Gespräch mit dieser Redaktion.

    Bis auf das Wetter bisher nur gute Erfahrungen auf der Wegstrecke

    Weil es seiner Erfahrung nach viele ehemalige Soldaten gibt, die fälschlicherweise glauben, dass die Bundeswehr nach Ende ihrer Dienstzeit für sie nicht mehr zuständig sei, will er Mut machen, entsprechende Kontakte aufzunehmen. Er selbst sei nach der Diagnose wieder eingestellt worden, arbeitet jetzt im Büro.

    Nur gute Erfahrungen habe er auf seiner bisherigen Wegstrecke gemacht, die er am Freitag mit der Etappe nach Hildburghausen fortgesetzt hat. Besseres Wetter hätte er sich aber schon gewünscht. Nicht nur einmal war er bis auf die Knochen nass, bevor er seine Unterkunft erreichte. Vier Blasen hat er sich bis jetzt gelaufen und ein Paar Schuhe verschlissen.

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