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    Jobcenter-Angriff: Mitarbeiter haben Schock gut verkraftet

    Bad Neustadt Der Schock saß tief, als Ende Januar ein Mann im Jobcenter in Bad Neustadt mit einer Handgranate auftauchte, auch wenn sich später herausstellte, dass die Waffe nicht funktionsfähig war. Wie haben die Mitarbeiter diesen Vorfall verkraftet und wie steht es allgemein mit dem Verhältnis zwischen Kunden und Mitarbeitern? Fragen, zu denen Mitarbeiter des Jobcenters und auch deren Leiterin keine Stellung nehmen wollten. Stattdessen antwortete Landrat Thomas Habermann in seiner Eigenschaft als Chef des Centers per E-Mail auf die Fragen.

    Thomas Habermann Foto: Kritzer

    Bad Neustadt Der Schock saß tief, als Ende Januar ein Mann im Jobcenter in Bad Neustadt mit einer Handgranate auftauchte, auch wenn sich später herausstellte, dass die Waffe nicht funktionsfähig war. Wie haben die Mitarbeiter diesen Vorfall verkraftet und wie steht es allgemein mit dem Verhältnis zwischen Kunden und Mitarbeitern? Fragen, zu denen Mitarbeiter des Jobcenters und auch deren Leiterin keine Stellung nehmen wollten. Stattdessen antwortete Landrat Thomas Habermann in seiner Eigenschaft als Chef des Centers per E-Mail auf die Fragen.

    Frage: Vor gut fünf Wochen hat ein Mann im Jobcenter mit einer Handgranate gedroht, wenn man ihm kein Geld geben würde. Wie haben die Mitarbeiter dieses Erlebnis verkraftet?

    Thomas Habermann: Erstaunlich gut. Sofort nach dem Ereignis sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gut von den Verantwortlichen betreut worden. Das Erlebnis konnte unverzüglich aufgearbeitet werden. Die Mitarbeiter selbst haben auch sehr professionell reagiert. Dennoch muss natürlich auf Dauer mit umsichtiger Sorge eine Begleitung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stattfinden.

    Stimmt es, dass es in der Folge einen Trittbrettfahrer gegeben hat?

    Habermann: Von einem Trittbrettfahrer in der Folge habe ich keine konkreten Kenntnisse.

    Werden die Beschäftigten psychologisch betreut?

    Habermann: Es sind verschiedene Angebote an die Mitarbeiter gemacht worden, der Punkt ist, es kommt auf jeden Einzelnen an, inwieweit er eine Betreuung im Nachhinein für notwendig erachtet oder nicht. Die Situation ist insgesamt undramatisch.

    Gab es in der Vergangenheit ähnlich gelagerte Vorfälle?

    Habermann: Unzufriedene Kunden gibt es immer wieder. Eine Bedrohung in diesem Ausmaß hat es allerdings bislang noch nicht gegeben.

    Gab es seitens der Jobcenter-Kunden Reaktionen auf das Ereignis? Wie sind die ausgefallen?

    Habermann: Im Kundenverhalten sind keine spürbaren Änderungen erkennbar.

    Bei der Arbeit wird man sicher auch mit Einzelschicksalen konfrontiert, die bisweilen betroffen machen. Wie geht die Behörde damit um?

    Habermann: Die Konfrontation mit Einzelschicksalen gehört zur täglichen Arbeit vieler Beschäftigter. Dies betrifft das Jugendamt, das Sozialamt, das Gesundheitsamt und auch andere Sachgebiete in ähnlicher Weise. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen den Umgang schon in ihrer Ausbildung, dann aber vor allem in der praktischen Berufserfahrung. Selbstverständlich gibt es Supervisionsangebote und entsprechende Fortbildungsmaßnahmen.

    Der sogenannte Ermessensspielraum der einzelnen Jobcenter-Mitarbeiter steht häufig in der Kritik. Wie groß ist der eigentlich? Und: Würden sich die Mitarbeiter klarere Vorgaben wünschen, um nicht persönlich für Entscheidungen verantwortlich gemacht zu werden?

    Habermann: Die Mitarbeiter im Jobcenter vollziehen Gesetze wie in anderen Bereichen der Verwaltung auch. Soweit die gesetzlichen Vorschriften Ermessensspielräume zulassen, werden diese auch genutzt. Letztlich ist entscheidend immer das Wohlwollen dem einzelnen Mitbürger gegenüber. Für eine Akzeptanz der Kunden ist natürlich auch eine ausführliche Darstellung der persönlichen Problemsituation und der Entscheidungsfindung notwendig. Hier bemühen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Erfolg in aller Regel sehr.

    Das Verhältnis zwischen Jobcenter-Mitarbeitern und ihren Kunden gestaltet sich oft schon allein durch die Aufgabenstellung schwierig. Wie lässt es sich verbessern?

    Habermann: Wichtig für ein gutes Verhältnis zwischen Verwaltung und Bürgern ist immer das Verständnis für die Situation des Bürgers, das persönliche Gespräch und die Beratung. Die Kunden verlassen das Jobcenter sicherlich nicht immer mit großer Zufriedenheit, aber in fast allen Fällen zumindest mit Verständnis für die getroffene Entscheidung.

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