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    Für Gott und die Geselligkeit

    Waldbergs Dorfmusikmeister: Simon Söder spielt seit 1951 die Kirchenorgel in Waldberg und ist seit Jahrzehnten bei den Rhönmusikanten aktiv. Nun wurde für ihn die „Kirsche-Simon-Polka“ geschrieben.

    Die Holzbläser schunkeln beschwingt, die Klarinetten treten plötzlich mit Vehemenz hervor, bestimmend und etwas polternd, auf jeden Fall sehr charaktervoll. Dann schwingen sich die Waldberger Rhönmusikanten zum Hauptthema auf, ein einziger Wohlklang wie eine kleine Hymne.

    Simon Söder sitzt auf der Bierbank im Kreise seiner Familie, lauscht den Klängen, die zum ersten Mal die Luft über Waldberg durchschneiden. Das Publikum ist noch ganz hin und weg von der mitreißenden Musik. Simon Söder sagt nach den letzten Takten knapp: „Das Stück ist an und für sich gelungen“. Ein Satz, der in der Rhön so etwas wie ein unumschränktes Lob ist.

    Das Stück, das Simon Söder am Sonntagvormittag beim Sommerfest der Waldberger Rhönmusikanten zu Ohren bekam, ist die „Kirsche-Simon-Polka“. Sie ist ihm selbst gewidmet. „Kirsche-Simon“, also Kirschen-Simon, ist sein Dorfname. Die Polka, die ihm Markus Arnold komponiert hat, ist das Geschenk Waldbergs und der Rhönmusikanten an seinen musikalischen Dorfmeister.

    80 Jahre ist Simon Söder im Januar geworden. Sieben Jahrzehnte seines Lebens widmet er nun schon der Musik. „Mit zehn Jahren habe ich angefangen, Trompete zu spielen“, erzählt der Jubilar. Schon zwei Jahre später begleitete er die Wallfahrt nach Maria Ehrenberg.

    Schnell wurde das musikalische Talent des Buben erkannt und Simon wurde mit 14 Jahren nach Münnerstadt geschickt auf die Kirchenmusikerschule, damit ein ordentlicher Musikant Gottes für die Walddörfer aus ihm würde.

    Zwei Jahre lebte er in Münnerstadt im Internat. „Da hat man mir die Hose gerade gezogen“, formuliert es Simon Söder. Musikalische Disziplin, Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit und immer wieder Probenfleiß, das hat Simon Söder durch sein Musizieren gelernt.

    Mit einer dreistimmigen Fuge von Bach hat er mit tadellosen Noten seinen Abschluss an der Kirchenmusikerschule gemacht. Die Erlebnisse damals sind für den Waldberger unvergessen. „Ich kenne noch jede Straße in Münnerstadt“, sagt Söder. Zurück in Waldberg hat er 1951 das Organistenamt in der Kirche übernommen. Er führt es bis heute gewissenhaft und zuverlässig aus. Und das gilt nicht nur für Waldberg selbst, sondern auch für Nachbarorte wie Schmalwasser.

    Neben der Kirchenmusik hat sich Simon Söder stets auch für die Volksmusik eingesetzt. Sein Wirken für die Waldberger Blaskapelle war immens. „In den Anfangsjahren war Notenmaterial praktisch nicht zu bezahlen für uns. Also habe ich nach der Frühschicht erst einmal vier Stunden täglich Musikstücke für Blasorchester von Hand in Notenpapier gesetzt“, erzählt Söder. Musikverein Cäcilia hießen die Rhönmusikanten damals noch. „Es gab auch Zeiten, da musste ich nach der Frühschicht erst in der Landwirtschaft helfen, dann habe ich halt Abend noch zwei Stunden geprobt“, sagt Söder.

    Immer wieder sagt er beim Erzählen den einen, wichtigen Satz. „Ohne die richtige Frau wäre das nie gegangen“. Maria Söder, mit der Simon Söder zusammen die drei Kinder Georg, Patrizia und Gabriele großgezogen hat, war immer die verständnisvolle Stütze im Leben ihres Mannes.

    Das Kirchenorgelspiel und die Mitwirkung bei den Rhönmusikanten haben dem musikalischen Waldberger aber nicht gereicht. In Hammelburg bildete er sich an verschiedenen Instrumenten fort, um später selbst als Ausbilder tätig sein zu können. Der Einsatz für die Rhönmusikanten machte sich bezahlt. Der diszipliniert aufspielende Klangkörper sicherte sich 1973 die Promusica-Plakette und die Goldmedaille am weißblauen Band. 1983 schließlich wurde Simon Söder von der Gemeinde der Titel „Dorfmusikmeister“ verliehen.

    Simon Söder hat in den sieben Jahrzehnten des Musizierens alles an Titeln und Auszeichnung erreicht, die man bekommen kann. Das stellte Ende letzten Jahres auch den Vorsitzenden der Rhönmusikanten, Edmund Bühner, vor die große Frage: „Was können wir ihm nur schenken?“

    Irgendwann war man sich einig, dass einem derart verdienten Musiker ein Stück gewidmet werden müsste. In Markus Arnold fand Bühner den richtigen Komponisten. Der Vollblutmusiker hat eine Woche lang nach Feierabend jeweils einige Stunden an dem Stück gearbeitet. „Es enthält Zitate von einem Schottisch von Kaspar Keßler aus Waldberg und dem Waldberger Rheinländer 'Kleine Welt'“, erklärt Markus Arnold.

    Und mit den temperamentvollen, fast etwas polternden Klarinetten ist ein wenig auch der fordernde Charakter von Simon Söder verewigt. „Kirsche-Simons-Polka“ heißt das Stück, und es ist auch bei einem Musikverlag verlegt, kann also von Kapellen in aller Welt gespielt werden. Als das Stück am Sonntagmittag seine Weltpremiere hat, ist das Publikum jedenfalls hin und weg. Und unter die Wiederholung eines Teils der Polka als Zugabe mischt sich das Läuten der Waldberger Kirchenglocken, als würde das Stück von höchster Stelle gutgeheißen.

    „Das wird 'Der böhmische Traum' in der Rhön für die nächsten Wochen“, ist sich der schmunzelnde Edmund Bühner über den Erfolg schon sicher. Und auch Bürgermeister Joachim Bühner zeigt sich angetan von der musikalischen Würdigung für den bis ins hohe Alter aktiven Musiker Söder.

    Nicht mal von einem Rippenbruch lässt sich der vom Musizieren abbringen. Bei der diesjährigen Wallfahrt verließ er sogar das Krankenhaus trotz der Verletzung und legte sich erst nach der Wallfahrt wieder ins Krankenhausbett.

    Musik ist nun mal das Leben von Simon Söder. Darum hat er am Morgen der Polka-Premiere auch erst in Waldberg die Kirchenorgel gespielt und am Samstagabend zuvor auch den Gottesdienst in Schmalwasser begleitet. Treu, zuverlässig, ohne große Worte, wie es eben seie Art ist. Über Tugenden macht man in der Rhön keine großen Worte. Sondern lieber schöne Musik.

    ONLINE-TIPP

    Ein Video mit der Polka gibt es hier: http/rhoengrabfeld.mainpost.de

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