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    MELLRICHSTADT

    Massentierhaltung am Hainberg vom Tisch

    Landwirt Robert Mack hat den Passus auf mögliche Tierhaltung am Suhlesturm in seiner Bauvoranfrage herausgenommen. Ob nun wieder Ruhe am Hainberg einkehrt?

    Ein Plakat am Suhlesturm soll deutlich machen, dass Mastschweine und Legehennen in diesem Bereich nicht gewünscht sind. Foto: J. Boxberger

    Mit Applaus quittierten die Mitglieder des Stadtrats am Donnerstagabend die Entscheidung ihres Kollegen Robert Mack: Der Landwirt gab bekannt, den Passus auf mögliche Tierhaltung in seiner Voranfrage zum Bau einer landwirtschaftlichen Lagerhalle im Bereich des Suhlesturms herausgenommen zu haben. Der Applaus, das bekundeten mehrere Bürgervertreter, galt dem Entgegenkommen Macks nach einem Bürgerprotest – rein rechtlich wäre dem nichts entgegenzusetzen gewesen, das wurde nachdrücklich deutlich gemacht.

    Bürgerprotest mit Unterschriftenliste

    Am 11. Mai hatten mehr als 20 Bürger, die am Hainberg leben, eine Liste mit 387 Unterschriften gegen „das Bauvorhaben mit Legehennen in Freilandhaltung beziehungsweise einen Schweinemastzuchtbetrieb“ knapp 1000 Meter vom Wohngebiet entfernt an Bürgermeister Eberhard Streit überreicht. Ihre Sorge: Geruchsbelästigung und Fliegenplage sorgen für eine Beeinträchtigung der Wohnqualität am Hainberg.

    Robert Mack hatte im Gespräch mit den Bürgern versucht, die Gemüter zu beruhigen – er versicherte, dass er mit seiner Standortprüfung auf mögliche Tierhaltung in dem Bereich nur habe abklären wollen, ob eine solche zulässig wäre oder mit anderen Belangen kollidieren würde. Er selbst habe nicht vor, den Stall zu bauen, müsse aber natürlich auf lange Sicht die Zukunft seines Betriebs im Auge haben.

    Familienentscheidung

    In der Stadtratssitzung sagte Robert Mack nun klipp und klar zur Unterschriftenaktion: „So etwas, in solch einem Umfang, schmerzt und verändert nachhaltig.“ Am vergangenen Wochenende habe er sich mit seiner Familie zusammengesetzt und diskutiert, wie es weitergehen solle. Die Familie war in den letzten Wochen Anfeindungen ausgesetzt, die sie sehr belastet haben. „Es lag uns wirklich fern, den ganzen Hainberg gegen uns aufzubringen. Wir wollten die Leute nicht provozieren“, versicherte er.

    Im Laufe der Woche war dann die Entscheidung gefallen: „Ich habe den Antrag auf Standortprüfung für mögliche Tierhaltung am Landratsamt zurückgezogen“, machte der Mellrichstädter am Donnerstag deutlich und zeigte damit große Kompromissbereitschaft. Mack fügte an, dass er die Bauvoranfrage nun um eine Saatgutaufbereitung, auf die sein Hof spezialisiert ist, sowie die Saatgutlagerung erweitert habe. In diesem Punkt gebe es auch nichts mehr zu reden, fügte er an.

    Großes Entgegenkommen

    Bürgermeister Streit bestätigte, dass ihm bereits ein entsprechendes Schreiben des Landratsamts vorliege, dass der Landwirt den Passus Tierhaltung zurückgezogen hat. „Damit kommt Robert Mack den Anwohnern am Hainberg mit ihren Bedenken sehr entgegen“, hob er hervor. Beim neugefassten Antrag werden keine Naturschutzbelange und keine Belange des Wasserschutzgebiets berührt. „Auf Grundlage der landwirtschaftlichen Privilegierung ist dem Vorhaben nichts entgegenzusetzen“, so Streit.

    Zugleich machte der Stadtchef deutlich, dass bei einer Verlagerung des Standorts bei einer möglichen Tierhaltung – wie von den Bewohnern des Hainbergs gefordert – andere Bürger der Stadt betroffen gewesen wären, denen das möglicherweise auch nicht gefallen hätte.

    Amtspflicht einhalten

    Die Forderung aus Bürgerreihen, die Stadt hätte die Bauvoranfrage abschmettern müssen, kam indes im Gremium nicht gut an. „Fakt ist: Wir müssen unsere Amtspflicht einhalten und auf rechtlicher Grundlage entscheiden, nicht nach dem, was wir uns wünschen“, sagte Streit nachdrücklich, um keinen Vorwurf der Willkürlichkeit aufkommen zu lassen.

    „Robert Mack entschärft nun die Situation maßgeblich“, führte Streit unter dem Applaus der Bürgervertreter an. „Ich hoffe, dass nun wieder Ruhe und Frieden einkehrt.“ Klar müsse aber auch sein, dass jeder andere Landwirt erneut einen solchen Antrag stellen könnte. An der Rechtsgrundlage habe sich nichts geändert. „Auch dann bleibt uns nur das Instrument der Verhandlung.“

    Der Stadtrat hatte in der Sitzung am 30. März mit einer Gegenstimme der Bauvoranfrage zugestimmt, was den Hainberg-Bewohnern sauer aufgestoßen war. Helmut Dietz und Christian Herbig machten in der Sitzung klar, dass sie mit dem Antrag keine Probleme gehabt hatten und heute wieder so abstimmen würden.

    Hainberg-Vertreter noch nicht zufrieden

    Ein Vertreter der Hainberg-Initiative hatte die Stadtratssitzung mitverfolgt und seine Mitstreiter über den Verlauf der Dinge informiert. Wie Carmen Betz, Sprecherin der Initiative, auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilte, habe man die Entscheidung von Robert Mack positiv aufgenommen. Dennoch wolle man am Ball bleiben und nun von der Stadt fordern, „dass die Flächen am Hainberg als zukunftsträchtiges Wohngebiet ausgewiesen werden“, so Carmen Betz. Nur so könne Tierhaltung in diesem Gebiet definitiv verhindert werden.

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