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    BAD KÖNIGSHOFEN

    Willkommen in Helotenland!

    Zum Bericht über den Neubau der Sparkasse in Bad Königshofen, vom 11. November:

    Nachdem in unserer kleinen, mit architektonischen Juwelen nicht gerade gesegneten Stadt bereits seit dem ausgehenden letzten Jahrhundert die Genobank ungehindert die kleinteiligen Hausfassaden am Marktplatz mit ihrer klotzigen Filiale beeinträchtigen darf, hat jetzt die Sparkasse in der nördlichen Ausfallstraße mit ihrem megatrendigen (Trend: wie lange?) Container im x-ten „Bauhausrevivalstil” zugeschlagen! Da ist es wohl mehr als nur ein Glücksfall, dass das dritte Bankhaus am Ort vor Jahren seine Pforten schloss.

    In Bad Königshofen wie auch andernorts ist es seit dem Ende des zweiten Weltkrieges Tradition geworden, vorhandene (meist) gute Architektur durch modische und (meist) schlechte zu ersetzen. Die Liste reicht vom völlig unnötigen Abriss von Kapuzinerkloster (für das Kurparkhotel) und Synagoge (für eine Autowerkstatt) weit nach 1950(!) über das alte Gaswerk im Jugendstil nahe der Realschule in den 1970er-Jahren (die darauf folgenden potthässlichen Waschbetonbauten des Überlandwerkes sind 50 Jahre später Gott sei Dank schon wieder Geschichte) und den einst schönen, kopfsteingepflasterten Marktplatz – zur Baderhebung 1974 umgewandelt in ein Meer aus Teer, parkenden Blechs und Betonblumenkübeln – bis zur kürzlich erfolgten Beseitigung eines alten Festungsgebäudes auf dem Hornwerk im Bereich der ehemaligen Brauerei Büttner (die Liste läs sich beliebig fortsetzen).

    Und: was wird aus dem leerstehenden Krankenhaus oder der noch ganz frischen Baulücke in der Schlundstrasse…?

    Die bisherigen Erfahrungen mit Folge- bzw. Neubauten in diesem unseren Lande lassen auch für zukünftige Bebauungen nichts wirklich Gutes erwarten,und so sind wir scheinbar endgültig angekommen im Land der Heloten*!

    Reinhard Mell von Mellenheim

    97631 Bad Königshofen

    *Hel(i)oten: leibeigene Bauern in Sparta, die am Ende mit Gewalt zu Bürgern gemacht wurden. Hier verwendet im kunstgeschichtlichen Sinne von: Nachfahren des Römischen Reiches, die das Colosseum als Steinbruch zum Bau ihrer Hütten missbrauchten. Dass es auch ganz anders geht, zeigt zum Beispiel die städtebauliche Waschbetonbausünde des ehemaligen „Kurparkhotels”, welches als Seniorenwohnsitz in seiner jetzigen Farbgebung ein positiver Beitrag zum Stadtbild geworden ist.

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