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    HERBSTADT

    Sturm schafft Naturwald auf Zeit

    Manchmal kommen wirtschaftliche Erwägungen auch der Natur zugute. Wie in der Waldabteilung Mönchshof.

    Am 18. August hatte Sturm Kolle in der Waldabteilung Mönchshof für schwere Verwüstungen gesorgt. Auf einer Fläche von 2,35 Hektar Fläche blieb kaum ein Baum unbeschädigt. Für die Gemeinde Herbstadt und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt stellte sich die Frage, was künftig in dem Bereich geschehen soll.

    Alles so lassen, wie es ist

    Zwei Möglichkeiten stellten Wilhelm Schmalen von der Forstverwaltung und Revierförster Bernhard Kühnel den Mitgliedern des Gemeinderats bei der jüngsten Sitzung gegenüber. Bis auf einzelne, sichere Bäume die Fläche komplett ausräumen und dort einen neuen Wald begründen – oder alles so belassen, wie es ist, und für einen gewissen Zeitraum den Wald sich selbst überlassen.

    Es ging um wirtschaftliche Fragen und Verantwortlichkeiten

    Eine Entscheidung, mit der sich der Gemeinderat nicht leicht tat, wie stellvertretender Bürgermeister Burkard Bähr jetzt bei einem Pressetermin an der Waldfläche noch einmal deutlich machte. Gut zwei Stunden wurde diskutiert, in der Hauptsache ging es um wirtschaftliche Fragen und Verantwortlichkeiten. Vom Sturm zerzauste Flächen verleiten nämlich manche Zeitgenossen zum Erkunden des Geländes.

    Sollte dabei jemand durch herabfallende Äste oder Ähnliches zu Schaden kommen, könnte die Gemeinde in die Pflicht genommen werden, hieß es immer wieder.

    Neuanpflanzung würde auf dickes Minus hinauslaufen

    Die wirtschaftlichen Fragen waren relativ schnell geklärt. Unter dem Strich würde der Gemeinde ein Minus von 7750 Euro pro Hektar bleiben, wenn sie die Fläche räumen und wieder aufforsten würde, rechnete Kühnel vor. Und das trotz Zuschüsse für die Räumung und Neuanlage der Eichenkultur.

    Ein junger Wald steht in den Startlöchern

    Eichen müssten dort nämlich laut den Natura-2000-Vorgaben auch wieder gepflanzt werden, wie sie auch schon vorher dort am häufigsten vorkamen, wie Wilhelm Schmalen ausführte. Gleichzeitig würden aber durch die Kompletträumung viele jetzt schon zwei, drei Meter hohe Bäumchen von Kirsche, Hainbuche oder Linde verloren gehen, die in nicht allzu ferner Zukunft eine geschlossene Verjüngung nach sich ziehen können. „Hier steht ein junger Wald in den Startlöchern“, betonte Kühnel beim Pressegespräch.

    Außerdem prognostizierten die beiden Forstleute neu gesetzten Eichenpflänzchen wegen der Standortbedingungen mit Gipsplatten im Untergrund und häufiger Trockenheit ein nur sehr langsames Wachstum. Ganz zu schweigen vom Rehwild, für das junge Eichenpflänzchen eine wahre Delikatesse darstellen, wie Schmalen erklärte.

    Fläche soll auf Zeit sich selbst überlassen werden

    Schließlich entschied sich der Gemeinderat in der Sitzung dafür, die Fläche auf Zeit sich selbst zu überlassen, ohne dabei die Verfügungsgewalt über den Wald aus der Hand zu geben. Was sich nicht nur in barer Münze rechnet, sondern auch für die Natur auszahlt.

    Denn Flächen wie diese mit verwundeten Bäumen ziehen seltene Vogel- und Insektenarten an. Ein Gebiet, wie sich zumindest im Kommunalwald im Zuständigkeitsbereich des AELF kein zweites findet. Vor dem Borkenkäfer muss dort übrigens niemand Angst haben, weil es sich eben nicht um einen Nadelwald handelt.

    Trimm-Dich-Pfad geht wieder in Betrieb

    Die Entscheidung ist aber an gewisse Bedingungen geknüpft. So will die Forstverwaltung dafür Sorge tragen, dass Gefahrenpunkte, wie abgenickte und herabhängende Äste, beseitigt werden, soweit das möglich ist. Das betrifft auch entwurzelte und umgeknickte Bäume, die sich in anderen Bäumen verfangen haben und nicht gänzlich zu Boden gestürzt sind. Die Verlockung, hier Kletterübungen anzustellen, wäre einfach zu groß.

    Sicherungsmaßnahmen sollen Gefahren abwenden

    Zumal die Rothöhe, in der die Waldabteilung liegt, ein gut besuchtes Naherholungsgebiet ist. Dort liegt auch der Grillplatz und verläuft der Trimm-Dich-Pfad, der schon in den 1960-er Jahren von der Stadt Bad Königshofen angelegt und auf Privatinitiative erst vor gut einem Jahr wieder hergerichtet wurde. Natürlich müssen die Sturmfolgen auf dem Pfad beseitigt werden. Außerdem soll rechts und links des Pfades im Abstand einer Baumlänge das Gebiet von Ästen und Ähnlichem befreit werden.

    Warntafeln sollen Spaziergänger vom Betreten des sturmgebeutelten Waldstücks abhalten. Und wenn gar nichts hilft, wird die Gemeinde dort wohl einen insgesamt rund 600 Meter langen Zaun aufstellen lassen.

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