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    SCHWEINFURT

    Immer noch modern: Die Freisprechungsfeier

    Ist es überhaupt noch modern, im digitalen Zeitalter noch eine große, aufwendige Feier zu veranstalten, um Auszubildende am Ende ihrer Lehrzeit offiziell freizusprechen, und das auch noch im Theater? Wäre da nicht ein Facebook-Eintrag wie „Hey Leute, ihr habt's geschafft, Glückwunsch, holt bei Gelegenheit eure Zeugnisse ab und macht's gut“ – nicht ganz so altmodisch und uncool wie im Anzug auf der Bühne sein Zeugnis selbst abzuholen?

    Ehre, wem Ehre gebührt: die Innungsbesten der Kreishandwerkerschaft (links die Vorsitzende Margit Rosentritt) und gelade... Foto: Guido Chuleck

    Ist es überhaupt noch modern, im digitalen Zeitalter noch eine große, aufwendige Feier zu veranstalten, um Auszubildende am Ende ihrer Lehrzeit offiziell freizusprechen, und das auch noch im Theater? Wäre da nicht ein Facebook-Eintrag wie „Hey Leute, ihr habt's geschafft, Glückwunsch, holt bei Gelegenheit eure Zeugnisse ab und macht's gut“ – nicht ganz so altmodisch und uncool wie im Anzug auf der Bühne sein Zeugnis selbst abzuholen?

    Nein, befand Margit Rosentritt, die Kreishandwerksmeisterin, und beantwortete damit eine Frage, die sie sich selbst in ihrer Freisprechungsrede gestellt hatte. Vor ihr saßen 116 Auszubildende aus sechs Berufen, mitsamt Eltern und Freunden, sowie eine ganze Reihe Ehrengäste, darunter Landrat Florian Töpper, Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Walter Heußlein, der Präsident der Handwerkskammer Unterfranken. Sie waren gekommen, um den zukünftigen Gesellen zu zeigen, wie wichtig sie ihnen sind.

    Daran ließ Rosentritt während ihrer Rede erst gar keinen Zweifel aufkommen. „Jeder von ihnen ist ein Teil des Handwerks, und jeder von ihnen repräsentiert auch das Handwerk“, sagte sie. Wer beispielsweise im Schlabberlook bei Kunden auftauchen würde, müsste sich zum einen um zukünftige Aufträge Gedanken machen, „und es hinterlässt auch den Eindruck, dass ,die Handwerker‘ schlampig rumlaufen und wohl auch so arbeiten“. Und: Ein jeder habe direkten Einfluss auf das jeweilige Betriebsklima.

    Dass aktuell „retro“ wieder in sei, zeige, dass nicht alles Alte schlecht war, und eine Tradition wie eine feierliche Freisprechung dürfe durchaus gepflegt werden. Es käme auf eine sinnvolle Verknüpfung zwischen Alt und Neu an, und es sei auch wichtig, sich der Zukunft zu stellen, die für das Handwerk viele Herausforderungen beinhalte.

    „Dieses Ritual der Freisprechung besitzt eine hohe Berechtigung“, sagte Landrat Florian Töpper. Auch er sprach die große Zahl der Ehrengäste an, „und das darf für Sie, liebe Auszubildende, Grund genug sein, stolz auf sich zu sein“. Einmal mehr pries der Landrat die wirtschaftliche Lage mit 2000 Handwerksbetrieben in Stadt und Land und, wie gut die Betriebe mit der Digitalisierung vorwärtskämen. „Der Neubau des Alfons-Goppel-Schulzentrums setzt ein wichtiges Signal im deutschen dualen Bildungssystem“, so Töpper.

    Er freue sich auf „viele glückliche Gesichter“, sagte Handwerkspräsident Walter Heußlein. Jeder Einzelne könne stolz auf das Erreichte sein, „die Freisprechung zeigt, dass sie die erste Stufe ihrer beruflichen Karriere erfolgreich beendet haben“. Die Gesellen seien der hoffnungsvolle Nachwuchs der Ausbildungsbetriebe. Leider seien immer noch 1200 Lehrstellen, die in der Ausbildungsbörse der Handwerkskammer angeboten würden, unbesetzt, „und das trotz des hohen Wertes unserer dualen Ausbildung“. Sie sei keine Sackgasse, sondern stehe auf einer Stufe mit der akademischen Ausbildung. „Werben sie fürs Handwerk, denn wir kennen keine Langeweile“, schloss Heußlein.

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