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    SCHWEINFURT

    Die „Stadtkasse“ wird abgerissen

    Der Unterbau der Fassade ist so kaputt, dass sich eine Sanierung nicht rentiert. Neubau schon 2019 ?

    Der vom Volksmund Stadtkasse genannte Verwaltungsbau zwischen dem Alten Rathaus und dem Museum Georg Schäfer wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Diese Nachricht ist eine weitere Überraschung, an denen es in den seit Montag im Großen Rathaus-Sitzungssaal laufenden Etatberatungen nicht mangelt. Für die Planung von Abriss und Neubau ist nun für 2018 eine halbe Million Euro eingestellt worden. Im Plan für die Jahre 2019 und 2020 stehen für beide Maßnahmen außerdem weitere fünf Millionen Euro.

    Im Haupt- und Finanzausschuss übte Frank Firsching (Die Linke) am Dienstag geharnischte Kritik daran, dass man darüber erstmals bei den Etatberatungen höre. Grundsatz sei eigentlich, dass die Stadträte davon im Bauausschuss erfahren. „Ich fühle mich da nicht ausreichend informiert“, wetterte Firsching.

    Sanierung macht keinen Sinn

    Baureferent Ralf Brettin gab Firsching ohne Umschweife recht, stellte aber klar, dass über die Details und Vorgehensweise „ganz klar“ noch im Bauausschuss informiert werde und das weitere Vorgehen auch vom Stadtrat zu beschließen sei. Die Erkenntnisse, dass die Sanierung des Stadtkassengebäudes keinen Sinn mehr macht, hätten sich aber „dummerweise erst jetzt verdichtet“, gemeint war kurz vor den Haushaltsberatungen.

    Dass es Probleme mit dem Gebäude gibt, weiß man seit dem Sommer. Städtischen Baufachleuten waren „Unregelmäßigkeiten im Fugenbild“ aufgefallen. Bei der Ursachenforschung wurden unter der Natursteinfassade dann brüchige Metallteile entdeckt. Mit Sorge registrierten die Spezialisten bereits herabgefallenen Putz. Weil nicht auszuschließen war, dass auch Brocken runterfallen, hat die Bauverwaltung aus Sicherheitsgründen erst einmal einen Zaun mit ausreichend Abstand zum Gebäude aufgestellt.

    Holzkonstruktion schützt Bürger

    Eine überdachte Holzkonstruktion sorgt seitdem für einen sicheren Zugang ins Ausländeramt (Brückenstraße). Am Hauptzugang im Innenhof der Stadtkasse, den auch die Radfahrer nutzen, die ihren Drahtesel dort abstellen, ist wegen des überdachten Säulengangs nichts zu befürchten. Der Bauzaun wiederum führte im Juli zu einer Anfrage der SPD nach den Gründen. In einer der nächsten Stadtratssitzungen informierte Brettin dann im Juli über das Problem.

    An der Fassadenwestseite wurde an einer Stelle großflächig die Natursteinfassade für weitere Untersuchungen entfernt. Dabei zeigte sich, dass der Metallunterbau nicht mehr zu retten ist. In seiner nun aktuellen Information berichtete Brettin vom weiteren Fortgang und von Überlegungen, ob nach der Erneuerung des Unterbaus unbedingt wieder eine Natursteinfassade nötig ist. Weil sie mit einer Million Euro die teuerste Variante wäre, wurde auch über eine Putzfassade nachgedacht.

    „Dann kam eins ums andere hinzu“, erklärte der Baureferent am Dienstag. Nötig geworden wäre eine „energetische Ertüchtigung“ mit außerdem komplett neuen Fenstern. Das Haus sei zudem nicht barrierefrei, habe keinen Aufzug. Wegen des großzügigen Luftraums innen mit den darum herum platzierten Büros werde auch viel Platz verschwendet, den man aber im Rathaus dringend benötige. In einem modernen Neubau wären mehr Büros unterzubringen.

    Stadträte haben das letzte Wort

    Die Stadträte waren mit der Erklärung zufrieden und einverstanden, zumal wegen der Zusage, dass sie ja noch das letzte Wort haben. Notiert hat Brettin die Anregung von Reginhard von Hirschhausen (Grüne), im neuen Stadtkassengebäude geforderte behindertengerechte öffentliche Toiletten unterzubringen. „Das nehme ich als Anregung mit“, sagte Brettin. Der Bauzaun, so hieß es in der Sitzung, bleibt aus Sicherheitsgründen stehen.

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