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    SCHWEINFURT

    Bande stahl massenhaft Briefmarken

    Bargeld, Schmuck, hochwertige Elektronikartikel - darauf haben es Diebe meist abgesehen. Aber nachts einbrechen, um an Briefmarken zu kommen?

    Drei Jahre und neun Monate muss der 41-jährige Angeklagte ins Gefängnis, zwei Jahre und vier Monate der 45-Jährige. Dazu verurteilte sie die Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt an diesem Montag. Zwischen August und Oktober 2013 waren sie an Einbruchdienstählen in Geschäfte mit angeschlossenen Postdienststellen an beteiligt, bei denen Briefmarken im Wert von Zehntausenden Euro gestohlen und erhebliche Sachschäden angerichtet wurden.

    Der Ältere stand zweimal „nur“ Schmiere

    Der Jüngere war bei allen sieben Einbruchdiebstählen beteiligt: vier in Unterfranken (Schweinfurt, Oberwerrn, Bad Neustadt und Salz), zwei in Sachsen und einem in der Oberpfalz. Wegen Bandendiebstahls jeweils in besonders schwerem Fall kassierte er die deutlich höhere Strafe. Der 45-Jährige war nach eigener Darstellung bei nur zwei Einbrüchen als Schmieresteher dabei.

    Den Beutezug von Berlin aus gestartet

    Von Berlin aus starteten der 41-Jährige und zwei bereits verurteilte Bandenmitglieder ihren Beutezug am 21. August 2013 im sächsischen Bad Gottleuba. Sie brachen in die Poststelle eines Drogeriemarktes ein, stahlen Briefmarken und Bargeld im Wert von mindestens 3000 Euro. Einbruchschaden: 1200 Euro. In derselben Nacht stahlen sie in Pirna beim Einbruch in die angeschlossene Postverkaufsstelle einer Versicherungsagentur Briefmarken im Wert von etwa 4800 Euro und richteten einen Schaden von etwa 300 Euro an.

    Einbruch in Metzgerei, zwei Getränkevertriebe, ein Reisebüro

    Ende September 2013 fuhr die Bande von Berlin nach Franken. In der Nacht zum 1. Oktober brachen sie in Postverkaufstellen einer Metzgerei in Oberwerrn (Lkr. Schweinfurt), sowie Getränkevertriebe mit Poststellen Bad Neustadt und Salz (Lkr. Rhön-Grabfeld) ein. Die gesamte Briefmarkenbeute lag bei knapp 29 000 Euro, die Sachschäden bei 350 Euro. Am 24. Oktober drangen sie in Schweinfurt in ein Reisebüro ein. Beutewert – Briefmarken und Bargeld: 12 500 Euro. Gebäudeschaden: 300 Euro.

    Kioskdach aufbrechen - Zigaretten rausholen

    In Regenstauf (Oberpfalz) schließlich brachen die Diebe Ende Oktober 2013 ein Kioskdach auf und den Tresor aus der Wand: Hier fielen ihnen vor allem Zigaretten im Wert von gut 10 000 Euro in die Hände. Mit 7000 Euro war der Gebäudeschaden besonders groß. Insgesamt bezifferte das Gericht den Beutewert aus allen Einbrüchen mit knapp 60 000 Euro, den Sachschaden auf 11 000 Euro.

    Große Mengen Briefmarken im Angebot - auf ebay

    Ein Ermittler hatte zuvor gesagt, dass er bei Recherchen zum Marktwert geklauter Briefmarken beim Verkaufsportal ebay eine erstaunliche Erkenntnis gewonnen habe. Die würden dort in großer Zahl fast zum normalen Verkaufspreis angeboten.

    Angeklagter reiste aus dem Ausland an und stellte sich dem Prozess

    Als recht außergewöhnlich merkte der Kammervorsitzende an, dass der 41-Jährige freiwillig aus dem Ausland zum Prozess angereist ist und sich gestellt hat. Der 45-Jährige war mit europäischem Haftbefehl gesucht und von Slowenien ausgeliefert worden. Beim Strafmaß ist das Gericht weitgehend dem Antrag des Staatsanwalts gefolgt. Der Verteidiger des 41-Jährigen hatte für höchstens drei Jahre Haft plädiert, der des 45-Jährigen für eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung.

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