• aktualisiert:

    SCHWEINFURT

    Kein Zeuge erkannte den Litauer

    Er könnte der Mann gewesen sein, der in den im Wald versteckten Luxusautos schlief - bei laufendem Motor. Könnte! Zum Schuldspruch reichte es nicht.

    Vom Vorwurf des Diebstahls oder der Hehlerei zweier Luxusautos hat die Kleine Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt einen 38-jährigen Litauer freigesprochen. Sie bestätigte damit ein Urteil des Schöffengerichts Bad Neustadt, gegen das die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte.

    Nach der Entdeckung sofort geflüchtet

    Wie berichtet, war die Anklagebehörde davon überzeugt, dass der Mann im April 2015 einen gestohlenen, 50 000 Euro teuren Audi Q 7 in ein Waldstück bei Coburg gesteuert hat, bei laufendem Motor auf der Rückbank schlief und als er von Zeugen geweckt wurde, losgebraust und geflüchtet sei. Am 25. Mai 2015 soll er in einem Waldweg bei Viereth-Trunstadt (nahe Bamberg) in einem über 100 000 Euro teuren, in Bad Nauheim gestohlenen Porsche Panamera auf dem zurück gestellten Fahrersitz bei laufendem Motor geschlafen haben, nach seiner Entdeckung geflüchtet sein und dabei mit großer Rücksichtslosigkeit fast einen Mann angefahren haben.

    Nur die DNA-Spuren waren der Kammer zu wenig an Beweisen

    Der Verdacht war, dass der Angeklagte als Teil einer Verbrecherbande mit Funksignal zu öffnende und schlüssellos startbare teure Pkw stiehlt, beziehungsweise bei deren Transfer nach Osteuropa beteiligt ist.

    Das Problem: Keiner der Zeugen konnte den Angeklagten auf Bildvorlagen identifizieren. Nur auf DNA-Spuren und Rückschlüsse auf die kriminelle Fahrweise, mit welcher der 38-Jährige im März 2016 in einem gestohlenen Premiumauto im März letzten Jahres der Polizei in Bad Neustadt davon fahren wollte, mochte die Berufungskammer keinen Schuldspruch stützen. Diese Merkmale hatte der Staatsanwalt ausreichend erachtet, um den Litauer wegen Diebstahls oder Hehlerei, sowie versuchter gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu überführen.

    Im Zweifel für den Angeklagten

    Das Gericht urteilte aber „im Zweifel für den Angeklagten“, verwarf die Berufung und bestätigte den Freispruch des 38-Jährigen bezüglich der beiden Vorfälle im Wald. Im Gefängnis sitzt der Mann trotzdem noch geraume Zeit wegen Hehlerei, Nötigung, Sachbeschädigung mehrfachen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Unfallflucht und Körperverletzung. Zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft hatte ihn das Schöffengericht verurteilt.

    300 Euro von unbekanntem Russen

    Wie berichtet, war der Angeklagte im März 2016 in einem gestohlenen BMW mit teils mehr als 200 Stundenkilometern vor Polizeifahrzeugen auf der B 279 davongerast, hatte mehrere Unfälle gebaut, Schäden über mehrere zehntausend Euro an anderen Fahrzeugen verursacht, war über eine bepflanzte Verkehrsinsel gedonnert und hatte fast noch einen Polizisten angefahren, bevor er doch gefasst werden konnte.

    Damals hatte der 38-Jährige angegeben, dass ihm in Berlin ein ihm unbekannter Russe 300 Euro dafür geboten habe, dass er den hochwertigen BMW nach Coburg fährt.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!