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    SCHWEINFURT

    Stadtkirche regelt Segen und Kommunion in der zweiten Ehe

    Die Schweinfurter Stadtkirche begegnet den Wiederverheirateten mit neuer Wertschätzung, Offenheit und Achtung vor den individuellen Lebenswegen.

    Die Stadtkirche geht auf die Wiederverheirateten zu und hat Leitsätze zur Segensfeier, zum Kommunionwunsch und der Mitwi... Foto: Franziska Kaufmann/dpa

    Die heilige Kommunion ist keine Belohnung für die Gerechten. Jesus lädt alle Menschen an seinen Tisch. Diesem Klima der Wertschätzung, der Offenheit und der Achtung vor den individuellen Lebenswegen entsprechen die von der Schweinfurter Stadtkirche formulierten Leitsätze zur Begegnung mit wieder verheirateten Geschiedenen. Am Dienstag stellten Dekan Stefan Redelberger, Gemeindereferentin Birgit Kestler (Ansprechpartnerin für Wiederverheiratete) und Albrecht Garsky, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung und Initiator der zuständigen Arbeitsgruppe, die lebensnahen Regeln im Gespräch mit dieser Redaktion vor.

    Im Sinne der Barmherzigkeit

    Es gibt keine Absolution, sondern die Aufforderung zur Auseinandersetzung mit dem Scheitern, mit dem Jetzt und mit der Zukunft. Die Seelsorge soll begleiten, nicht anweisen. Wer den Segen für die zweite zivil geschlossene Ehe ersehnt, soll die Segensfeier erhalten, wer zur Kommunion gehen will, wird nicht ausgeschlossen. Ausdrücklich eingeladen sind die Wiederverheirateten zum Engagement in den Gemeinden der Stadtkirche – als Pate, Lektor, Kommunion-Spender oder etwa als Pfarrgemeinderat.

    Redelberger, Garsky und Kestler sehen die Leitsätze als Konkretisierung der Möglichkeiten, die Papst Franziskus mit dem Schreiben Amoris Laetitia (Die Freude der Liebe, Frühjahr 2016) eröffnet hat. Die unnachgiebige Sicht der Kirche auf Menschen, deren Ehe gescheitert ist, hat sich im Sinne der Barmherzigkeit verändert, die katholische Morallehre an Realitätsnähe gewonnen. Zu dem Thema wird am Samstag und Sonntag (Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit), 22. und 23. April, in den Schweinfurter Kirchen die Predigt gehalten.

    Zustimmung in den Gemeinden

    Die Arbeitsgruppe „Wiederverheiratete Geschiedene“ der Stadtkirche existiert seit 2014 und zeichnete im ersten Halbjahr 2016 für den Veranstaltungsschwerpunkt „Wenn Liebe weh tut“ verantwortlich. Durch Amoris Laetitia sieht Birgit Kestler die Kirche vor Ort gefordert. Die kirchenrechtliche Seite wurde in Würzburg abgefragt. Harte Fakten wurden von dort nicht geliefert; weder die Segensfeier und die Kommunion abgelehnt, jedoch Feingefühl für traditionelle Haltungen und Unterscheidungsmerkmale zwischen Trauung und Segen anempfohlen.

    Beim alljährlichen Studientag der Stadtkirche im vergangenen November akzeptierten dann die Hauptamtlichen bei einer Gegenstimme den von der Arbeitsgruppe eingeschlagenen Weg. Gespräche mit den Pfarrgemeinderäten schlossen sich an, in denen die Zustimmung mehrfach mit „es wurde auch langsam Zeit“ garniert worden sei, so Albrecht Garsky.

    Vorreiterrolle in der Diözese

    Mit dem klaren Standpunkt zur Segensfeier und dem Kommunionwunsch übernimmt die Stadtkirche Schweinfurt in der Diözese eine Vorreiterrolle. Das Konstrukt Stadtkirche hat sich damit zum Entscheidungsträger gemausert, der auf einer breiten Basis (alle Stadtgemeinde) steht und schneller als die große Diözese handeln kann.

    Im konkreten Fall bestimmt die Stadtkirche nicht über den einzelnen, sondern will diesen begleiten und im Gespräch klären, was für den Betroffenen stimmig und wichtig ist, und auch, ob die bisherige Situation Verletzungen hinterlassen hat, ob weitere Hilfen (etwa Meditation oder Lebensberatung) Stützen sein können.

    Dekan Redelberger begrüßt bei diesem Punkt die „vorbildliche“ Handhabung des Kirchenrechts durch die Diözese, die Ehen, die nie eine Ehe gewesen seien, aufhebe.

    Garsky, Redelberger und Kestler sagen, dass das jetzt einheitliche Vorgehen für jene, die sich von der Kirche abgewandt haben, spät, aber hoffentlich nicht zu spät kommt.

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