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    GRESSTHAL

    Die rechte Hand von Julius Echter

    Die Bedeutung des früheren Greßthaler Oberpfarrers Erhard von Liechtenstein blieb lange Zeit verkannt. Albin Warmuth forschte nach und ließ sein Wappen aufarbeiten.

    Viele Jahre lag das alte Greßthaler Pfarrhaus in einer Art Dornröschenschlaf mit ungewisser Zukunft. Erst Florian Prosch sollte das Gebäude wieder zu neuem Leben erwecken. Mit einigen tüchtigen Helfern begann der gelernte Kirchenmaler mit der aufwändigen Sanierung, bei der er auch die alten Wandmuster wieder freilegte und auffrischte. Schnell war auch eine sinnvolle Nutzung gefunden. Im Obergeschoss befindet sich das Pfarreimuseum. Im Erdgeschoss richtete Albin Warmuth eine Sammlung mit frühgeschichtlichen Funden ein. Beim Internationalen Museumstag am Sonntag, 21. Mai, kann beides besichtigt werden.

    Dem pensionierten Grundschullehrer ließ jedoch das markante Wappen seitlich über dem Eingang keine Ruhe, weshalb er umfangreiche Nachforschungen anstellte. Ergebnis: Hinter dem Erbauer dieses Herrensitzes versteckt sich ein berühmter Mann – Erhard von Liechtenstein.

    Die Inschrift unter dem Wappen lautet: „Erhard von Liechtenstein Domherr zu Bamberg Domkustos zu Würzburg und Landrichter Herzogthombs zu Francken erbaude diese Behausung im Iar 1590“.

    Erhard von Liechtenstein wurde am 5. Mai 1558 geboren. Er stammte aus einem alten fränkischen Rittergeschlecht, das seine Burganlage in der Nähe von Pfarrweisach zu einer Granerbenburg ausgebaut hatte, die jedoch im Bauernkrieg teilweise zerstört wurde. Nur die Südburg blieb erhalten und wird heute noch von der Familie von Rothenhan bewohnt. Am Eingangstorbogen findet man noch das Liechtensteiner Wappen.

    Domkustos unter Bischof Julius Echter

    Erhards Vater, Philipp von Liechtenstein, war Amtmann in Würzburger Diensten und hatte für seinen Sohn die kirchliche Laufbahn vorgesehen. 1566 wurde dieser Domschüler in Würzburg und studierte später an den Universitäten von Dillingen und Ingolstadt. Im Jahre 1580 wurde er vom damaligen Würzburger Fürstbischof Julius Echter als Oberpfarrer ins Reichthal beordert, um die der protestantischen Lehre zugeneigten Bevölkerung wieder dem katholischen Glauben zurückzuführen. Nach seiner Weihe zum Subdiakon im Jahre 1582 wurde er Domkapitular in Würzburg und bereits 1584 von Julius Echter zum Domkustos berufen. Der Domkustos ist für dessen baulichen Unterhalt, die Ausstattung und die Beaufsichtigung verantwortlich. Er hütet den Domschatz, bereitet Gottesdienste vor und läutet die Glocken.

    Von 1594 bis 1606 war Erhard von Liechtenstein zudem Landrichter des Herzogtums Frankens und musste in den verschiedenen Ortschaften Rechtsangelegenheiten klären. In der Zeit von 1590 bis 1608 gehörte er auch dem Domkapitel in Bamberg an.

    In dieser Doppelfunktion hatte er zu dieser Zeit großen Einfluss bei allen Bischofswahlen in Bamberg und Würzburg. 1598 wurde er zum Probst (Leiter der äußeren Angelegenheiten) von Neumünster gewählt, weil Julius Echter mit dem Lebenswandel der Geistlichkeit des Stifts nicht einverstanden war und dort für Ordnung sorgen wollte. Im gleichen Jahr wurde er zudem Probst des Ritterstifts St. Burkard in Würzburg.

    Als Botschafter für Echter unterwegs

    Erhard von Liechtenstein wurde vielfach auch als Berater und Abgeordneter des Fürstbischofs eingesetzt, so etwa bei der Durchsetzung der Gegenreformation in Eibelstadt oder beim Abschluss der neun Monate dauernden Verhandlungen in Bonn über die Ansprüche Herzog Ferdinands, dem Bruder von Herzog Maximilian von Bayern, an das Domkapitel von Würzburg. Er war als Abgeordneter beim Abschied des Reichstags in Regensburg dabei und leistete an erster Stelle für Julius Echter die Unterschrift für die erste Übereinkunft über die „Katholische Liga“ in München.

    Wie groß das Vertrauen des Fürstbischofs zu Erhard von Lichtenstein war, zeigte sich im September 1617, als dieser ihm auf seinem Sterbebett die Befehlsgewalt über die Festung Marienberg übertrug.

    Bereits im Jahre 1580 ließ sich Erhard von Liechtenstein einen Herrenwohnsitz in Greßthal errichten, der auch als Wohnung seines jeweiligen Vikars diente.

    Durch seine vielen Ämter hatte Erhard von Liechtenstein ein großes Einkommen. Da die Pfarrstelle in der Oberpfarrei in Greßthal mit dem „großen Zehnt“ ausgestattet war, war sie sehr begehrt und über Jahrhunderte nur von Würzburger Domherren besetzt. Erhard von Lichtenstein hatte aber durch seine vielen Verpflichtungen wenig Zeit, dort die Aufgaben eines Pfarrers zu bewerkstelligen. Deshalb setzte er einen Vikar namens Andreas Bastmann ein, der für ihn die täglichen Geschäfte und Pflichten in der Pfarrei erledigte.

    Das Aufstellen von Bildstöcken, der Ausbau der Kirchen und die Errichtung der Kirchtürme („Echtertürme“) wurde vorangetrieben. Diese wurden oft mit dem Wappen von Julius Echter und Inschriften, die ihm als Friedensfürst huldigten, verziert.

    Bei der Einweihung der Altäre in der renovierten Kirche in Greßthal kam es jedoch zum Eklat. Fürstbischof, Oberpfarrer Erhard von Liechtenstein und die anwesenden Vertreter des Domkapitels mussten entsetzt feststellen, dass dieser Vikar Andreas Bastmann, nachdem er schon vorher abgemahnt worden war, weiterhin lutherisches Gedankengut predigte. Sofort brach man den Gottesdienst ab, entließ den Vikar und begann von Neuem mit der Weihe der Altäre. Am Ende des Gottesdienstes mussten die Pfarrkinder dem Fürstbischof und der katholischen Kirche ewigen Gehorsam geloben.

    Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Greßthal von den Plünderungen durch die schwedischen Truppen heimgesucht. Nur wenige Häuser, so auch der Pfarrhof des Erhard von Liechtenstein, blieben verschont, weil sich dort die Offiziere einquartiert hatten. Nach Abzug der Truppen half Erhard von Liechtenstein beim Wiederaufbau mit finanzieller Unterstützung sowie ärztlichem und seelischem Beistand.

    Kämpfer gegen die Schweden

    Als die schwedischen Truppen schon vor Würzburg standen, erließ 1631 der Bischof einen Durchhalteappell an Klerus, Beamte und Bevölkerung. Er selbst floh jedoch nach Köln und auch die meisten Verantwortlichen des Domkapitels, Prälaten und höhere kirchliche und weltliche Verwaltungsbeamte, setzten sich ab. Nur der greise Domherr und Senior des Kapitels Erhard von Liechtenstein blieb zurück. Um die Stadt zu retten, leistete er aus seinem Privatvermögen 10 000 Gulden als Kontributionszahlung an die Schweden. Die belagerten mit 26 000 Mann Würzburg, stürmten am 18. Oktober 1631 die Festung und setzten der Bevölkerung mit Plünderungen und Morden arg zu. Auch von Erhard von Lichtenstein verlangten sie immer mehr Geld.

    Letztlich starb er am 23. Dezember 1632 an den Spätfolgen der Misshandlungen in seiner Kurie Heideck (heute Domschulstraße 1, Theresienklinik). Bestattet wurde er im Kapitelhaus des Domes. Die Grabplatte mit seinem Wappen, der Ahnenprobe und seinen Verdiensten ist heute noch im Kreuzgang des Würzburger Domes zu sehen.

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