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    WAIGOLSHAUSEN

    ÜZ sucht den Dialog mit den Bürgern

    Waren es 2014 noch 300 Gäste, kamen diesmal knapp 700 Stromproduzenten ins Freizeitzentrum nach Waigolshausen. Die ÜZ Lülsfeld hatte eingeladen, um den Dialog mit den Bürgern zu suchen.

    PV 4.0., Smart Grid, Messstellenbetriebsgesetz, Kaltwärme und negative Strompreise: der Kopf schwirrt. Die Energiewende ist ein komplexer Veränderungsprozess, bei dem viele Beteiligte am gemeinsamen Strang ziehen müssen. Auf diesen Dialog setzt die Unterfränkische Überlandzentrale in Lülsfeld (ÜZ), die zum zweiten Mal zum Produzentenforum eingeladen hatte.

    Waren es 2014 noch 300 Gäste, kamen diesmal knapp 700 Stromproduzenten, vorwiegend Betreiber von Photovoltaikanlagen, ins Freizeitzentrum nach Waigolshausen. Der Energiedienstleister wirbt mit dem Slogan „mehr als Strom“ zu sein und hat bundesweit eine Vorreiterrolle beim „grünen Umbau“ der Energieversorgung inne.

    Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung lauten die wichtigen Punkte auf dem Weg zum grünen Strom, wie der Geschäftsführende Vorstand Gerd Bock erläuterte. Aktuell speise mehr als jeder zehnte der insgesamt 58 000 Kunden schon Strom aus Erneuerbaren Energien ins ÜZ-Netz ein. Das erklärte Ziel der ÜZ ist es, den produzierten Strom in der Region zu halten.

    Intelligentes Stromnetz aufbauen

    Größte Herausforderung für die Netzbetreiber sind die starken Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. Darum müssen intelligente Messsysteme dafür sorgen, dass der richtige Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Der Weg zum Smart Grid, dem intelligenten Stromnetz, sei aufgrund hoher Sicherheitsstandards steinig, wie Alexander Weth ausführte. Smart Meter seien schon im Einsatz, für PV-Anlagen über 7kWp seit Anfang des Jahres Pflicht. In Kombination mit dem Kommunikationsmodul Gateway und Schaltbox (beides noch in Entwicklung) werden die Dialogwege aller Akteure der Energiewirtschaft kürzer, die ÜZ plant in diesem Zusammenhang ein Portal für Stromerzeuger.

    Auch Besitzerwechsel bergen Herausforderungen, wie Markus Rößner informierte. Gut sieben Prozent aller Anlagen im ÜZ-Gebiet haben seit 2010 den Besitzer gewechselt und müssen mit Blick auf die EEG-Umlage neu bewertet werden.

    Franziska Materne vom Marketing- und Energie-Netzwerk C.A.R.M.E.N. informierte über die momentan handelsüblichen Batteriespeicher zur Optimierung des Eigenverbrauchs. Die gute Nachricht: Die Speicherbatterien werden billiger. Bereits in den vergangenen zwei Jahren gab es einen deutlichen Preisrückgang, bis 2030 wird eine Preissenkung von etwa 60 Prozent erwartet. Die Anschaffung werde damit rentabler, die Entwicklung gehe vom Nischen- zum Massenprodukt. Ihr Tipp dennoch: „Augen auf“ bei den Herstellerangaben.

    Elektromobilität auf Vormarsch

    Alexander Wolf und Marco Keller beschäftigten sich mit der Frage: „Wohin mit dem Strom nach dem EEG“. Wolf referierte zum Thema CO2-Reduzierung durch die Erschließung von Neubaugebieten mit Kaltwärmeversorgung durch Erdsonden (Beispiel Schwebheim), nur etwa 5 Cent kostet da die CO2-freie Kilowattstunde.

    Keller freute sich, dass einige der Stromproduzenten mit Elektrofahrzeugen kamen. Die Deutschen seien im weltweiten Vergleich in der Anschaffung mehr als zögerlich. Doch die Akzeptanz nehme auch hierzulande zu, und so ist die E-Mobilität für die ÜZ ein „ganzheitliches Thema“, vom intelligenten Laden übers Fahren bis hin zum regional erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien.

    Keller, selbst überzeugter E-Mobilist, entkräftete die gängigen Vorurteile (Preis, Reichweite, Ladedauer, Infrastruktur) zugunsten der Vorteile wie Energieeffizienz, Wartungsaufwandsreduzierung, niedrige Unterhaltskosten und nahezu emissionsfreiem Fahren. Selbst die Reichweite der neuen E-Autos sei mittlerweile auf 400 bis 500 Kilometer angestiegen, und auch die Ladeinfrastruktur verbessere sich.

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