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    GEROLZHOFEN

    Die Großen sind Vorbild für die Kleinen

    Nicht nur die pädagogische Fachkraft, auch größere Kinder sollen kleineren m Kinderhaus helfen, daass Manieren und Sozialverhalten nicht verloren gehen.

    Das Vorschulhaus im Altstadt-Kindergarten St. Martin in Gerolzhofen wird aufgelöst. Stattdessen gibt es dort wieder vier... Foto: Norbert Finster

    Etwas Entscheidendes ist mit Beginn des neuen Kindergartenjahrs im Kinderhaus St. Regiswind/St. Martin anders geworden. Das Vorschulhaus in St. Martin in der Grabenstraße gibt es nicht mehr. In diesem Vorschulhaus waren seit 2008 die Kinder im letzten Jahr vor dem Übertritt in die Schule untergebracht.

    Das Team des Kinderhauses hielt eine Umstrukturierung und Veränderung des Konzepts sowohl aus pädagogischen als auch aus praktischen Gründen für notwendig.

    Weil gerade das Sozialverhalten den Mitarbeitern im Kinderhaus besonders stark am Herzen liegt, ist der Wandel der Gesellschaft auch einer der Gründe, die die gravierende Veränderung bedingen. Durch diesen Wandel haben sich Werte und Normen, die in den Familien vorgelebt und weitergegeben werden, verändert. So gehen auch Umgangsformen immer mehr verloren.

    „Bitte“ und „danke“ als Fremdwörter

    Konkrete Beispiele: Wörter wie „bitte“ und „danke“ gehören nicht mehr zum Vokabular einiger Sprösslinge. Anderen fällt es schwer, sich für ein Fehlverhalten zu entschuldigen oder beim Ankommen oder Weggehen zu grüßen beziehungsweise sich zu verabschieden.

    Zum Konzept im Kinderhaus gehört es künftig, dass nicht nur die Erzieherinnen auf die Jüngeren einwirken sollen. „In einer altersgemischten Gruppe können die Kleinen von den Großen lernen, und die Großen lernen, wie sie die Kleinen unterstützen können“, erklärt Sabine Wächter das neue Konzept. Zusammen mit Elisabeth Ankenbrand und Sabine Klein gehört sie zum Leitungsteam des Kinderhauses.

    In der Praxis sind jetzt in St. Martin statt der Vorschulgruppen vier Regelgruppen mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren, berichtet das Leitungsteam.

    Neben den pädagogischen gibt es auch rein praktische Gründe für die Auflösung des Vorschulhauses. Aufgrund der vielen Krippengruppen mit Kindern unter drei Jahren stehen zu jedem Start ins neue Kindergartenjahr viele dreijährige Kinder vor der Tür, die meist noch einen erhöhten pflegerischen Bedarf haben, also zum Beispiel manchmal noch gewickelt werden müssen.

    Jetzt sieben Regelgruppen

    Diese Kinderschar konnte bisher nur auf die drei Regelgruppen in St. Regiswind verteilt werden, da es ja in St. Martin nur Vorschulkinder gab. Nun gibt es am gesamten Kinderhaus wieder sieben Regelgruppen, so dass die Dreijährigen breiter verteilt werden können.

    Das zieht einen weiteren Vorteil nach sich. Die Gruppengröße der Regelgruppen hat sich seit dem neuen Kindergartenjahr von etwa 27 auf um die 20 verringert. Das eröffnet natürlich die Chance, besser auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und sie individueller zu betreuen.

    Weil die Anzahl der Vorschulkinder von Jahr zu Jahr stark schwankt, wusste die Kindergartenleitung bisher auch nie genau, ob sie jetzt zwei oder drei Vorschulgruppen bilden muss. Das neue Konzept gibt also auch mehr Planungssicherheit beim Personal. Nur ein Beispiel für die Schwankungen: Im vergangenen Jahr waren 60 Vorschulkinder gemeldet, heuer sind es nur rund 30.

    Vorbereitung auif Vorrschule bleibt

    Bei alledem entsteht natürlich die Frage, ob Vorschulkinder in der Regelgruppe jetzt überhaupt keine Vorbereitung mehr auf die Schule bekommen. Außerdem bestehen bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren große Unterschiede bei den Bedürfnissen und Ansprüchen.

    Die Antwort: Für die Großen wird es auch in Zukunft gruppenübergreifendes Arbeiten zur Vorbereitung auf die Schule geben. „Es ist unser Auftrag, die Kinder beim Übergang zur Schule zu begleiten“, sagt Sabine Klein. So wird ein Bilderbuch mit einem Sechsjährigen ganz anders besprochen als mit einem Dreijährigen. Oder es gibt für die Großen Vorlesestunden in der Stadtbibliothek.

    Eltern überwiegend positiv

    Die Eltern haben das neue Konzept sehr gut angenommen, mit Ausnahme vereinzelter kritischer Stimmen, berichtet das Führungstrio.

    Die drei freuen sich auch, dass der Träger, die katholische Kirchenstiftung mit Pfarrer Stefan Mai und

    Kirchenverwaltungsvorsitzendem Hubert Zinkl, voll hinter dem Konzept steht. Mit 40 pädagogischen Mitarbeitern sorge der Träger auch personell für gute Rahmenbedingungen für die pädagogische Arbeit.

    Im Moment sind rund 240 Kinder an den beiden Kinderhäusern. Wer für sein Kind noch einen Krippenplatz ab September 2018 braucht, muss sich sputen, denn in den Krippengruppen gibt es nur noch wenige freie Plätze.

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