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    SCHWEINFURT

    Mit Absicht Auffahrunfall provoziert?

    Ein damaliger Mitarbeiter im Betrieb soll die Schwester des 37-jährigen Inhabers geschlagen haben. Was dann folgte, beschreibt eine Zeugin mit „wie im Film“.

    Das Schöffengericht Bad Neustadt hatte im Oktober letzten Jahres keinen Zweifel: Der heute 37-jährige Architekt habe am 24. März 2016 gegen 20 Uhr auf der Staatsstraße nahe Oberstreu (Landkreis Rhön-Grabfeld) den Fahrer eines Audi – ein früherer Mitarbeiter in seinem Betrieb – mit seinem PS-starken BMW überholt, sei vor ihm eingeschert und habe ohne ersichtlichen Grund eine Vollbremsung hingelegt. Zwar habe der dadurch genötigte Audi-Fahrer noch rechtzeitig anhalten können, nicht aber ein Fahrzeug hinter ihm. Es sei aufgefahren. Schaden an beiden Fahrzeugen: zusammen knapp 13 000 Euro.

    „Absichtliches Herbeiführen eines Unfalls“

    Das Schöffengericht in Bad Neustadt sah in dem Fahrmanöver des 37-Jährigen einen „vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr durch absichtliches Herbeiführen eines Unfalls“. Er verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung – und entzog ihm die Fahrerlaubnis für mindestens eineinhalb Jahre. In der Urteilsbegründung heißt es, der 37-Jährige habe sich „als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen“.

    Dagegen legte der Architekt Berufung ein. Die erste Verhandlung am Landgericht Schweinfurt wurde ausgesetzt. Die Kammervorsitzende ordnete die Einholung eines unfallanalytischen Gutachtens an. Nun fand der zweite Berufungstermin statt – mit Gutachterin, aber ohne den Geschädigten, der ausgebremst wurde. Er glänzte durch Abwesenheit.

    Vollbremsung „aus dem Nichts“

    Andere Zeugen waren gekommen, so eine 18-Jährige, die im Auto des Geschädigten mitfuhr, den der Angeklagte zum Anhalten bewegen und zur Rede stellen wollte, wie er sagt – aus folgendem Grund: Seine Schwester habe ihn kurz vorher angerufen, der Geschädigte, damals Mitarbeiter in seinem Betrieb, habe sie soeben geschlagen. Das habe er mit diesem klären wollen, weshalb er ihm nachgefahren sei und stoppen wollte.

    „... wenn man sich mit dem Falschen anlegt“

    Die Frage ist nur, wie: „Aus dem Nichts“ sei kurz nach dem Überholen die Vollbremsung erfolgt, sagt die 18-Jährige, „das war wie im Film“. Daraufhin sei das Auto dahinter auf das des Geschädigten aufgefahren. Sie sei erschrocken ausgestiegen, habe geheult. Schon vorher habe der Angeklagte einmal versucht, ihren Wagen von der Straße abzudrängen, weshalb sie auch die Polizei verständigt habe.

    Der Angeklagte sei weitergefahren, habe gewendet, sei ihnen entgegengekommen, habe kurz angehalten, das Fenster runtergedreht und gesagt: „Das kommt davon, wenn man sich mit den Falschen anlegt.“ Die 18-Jährige beschreibt den Fahrstil des Angeklagten als „aggressiv“.

    Nach dem Stoppen stellt der Angeklagte den Mann nicht zur Rede

    Dieser beteuert, er habe keine Vollbremsung hingelegt, nur von 105 auf etwa 20 Sachen abgebremst, um den Mitarbeiter wegen des mutmalichen Schalgens seiner Schwester zur Rede zu stellen. Die Vorsitzende versteht nicht, warum er dann anschließend weitergefahren ist. Eine schlüssige Erklärung bleibt er schuldig. Die Verkehrsgutachterin kommt zu dem Ergebnis: So wie der Angeklagte beim Überholen und Abbremsen auf dieser Straße gefahren sein will, könne es jedenfalls nicht gewesen sein – aus rein physikalischen Gründen.

    „Ich habe einen schweren Fehler gemacht“

    Er habe mit dem Nachfahren damals einen schweren Fehler gemacht und nie gedacht, welche Folgen der haben könnte, sagt der 37-Jährige. Vor allem könne er ohne Führerschein seinen Beruf nicht ausüben. Er sei finanziell ruiniert, seine wirtschaftliche Existenz bedroht. Das Berufungsverfahren braucht jedenfalls einen weiteren Termin – am 11. Dezember um 13.30 Uhr – mit dem Geschädigten als Zeugen. Gut möglich, dass ihn die Polizei vorführt.

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