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    SCHWEINFURT

    Ganz schön viele Rechte – aber auch Pflichten!

    Ab 26. Februar findet die Woche der Aus- und Weiterbildung statt. Schweinfurter Berater der Handwerkskammer informieren über alles, was junge Leute wissen müssen.

    Azubis haben viele Rechte, müssen aber auch einige Pflichten beachten. Einen rechtlichen Überblick geben (von links): Ro... Foto: Handwerkskammer

    Lehrjahre sind keine Herrenjahre hieß es früher. Ein Spruch aus der Klamottenkiste, aber nach wie vor gilt, dass Auszubildende zwar viele Rechte haben, aber eben auch Pflichten. Die Schweinfurter Berater der Handwerkskammer Roland Maul, David Niklaus und Jörg Brückner informieren im Vorfeld der Aktionswoche umfassend über das Thema.

    Wenn ein junger Mensch seine erste Stelle antritt, interessiert er sich für eine Antwort auf die Frage „Wie lange muss ich als Azubi arbeiten?“. „Im Ausbildungsvertrag wird die tägliche oder wöchentliche Arbeitszeit festgelegt. Was darüber hinausgeht sind Überstunden, die nur in Ausnahmefällen anfallen dürfen.

    Für die Arbeitszeit gelten für Jugendliche unter 18 Jahren Einschränkungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz. Sie dürfen nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden“, so Roland Maul. An Samstagen sei die Beschäftigung nur in bestimmten Wirtschaftsbereichen erlaubt, aber auch da sollten zwei Samstage im Monat frei bleiben. Nur in wenigen Wirtschaftsbereichen sei Sonntagsarbeit für Azubis zulässig. Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten. „Jugendliche unter 16 dürfen nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden; ab dem 16. Geburtstag können je nach Branche Ausnahmen gelten“, konkretisiert Maul.

    Auszubildender ist kein Ersatz für andere Arbeitnehmer

    Auch die Art der Beschäftigung während der Ausbildung ist klar geregelt. „Azubis haben ein Recht auf ordentliche Ausbildung, mit der sie den Lehrberuf später ausüben können. Erlaubt sind nur dem Ausbildungszweck dienende Aufgaben, die die körperlichen Kräfte nicht übersteigen“, so David Niklaus. Der Azubi als Ersatz für andere Arbeitnehmer – das ist nach strenger Auslegung dieser Regelung nicht gestattet.

    Genauso wichtig, oder noch wichtiger, wie die Frage nach der Arbeitszeit, ist für viele junge Menschen die Frage nach dem Verdienst. „Der Ausbildungsbetrieb muss Azubis angemessen bezahlen. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen fallen je nach Branche und Ausbildungsjahr sehr unterschiedlich aus“, räumt Jörg Brückner ein. Die Ausbildungsvergütung müsse aber jährlich steigen, deren Höhe wird im Ausbildungsvertrag angegeben. Alle Materialien, die ein Azubi für die betriebliche Ausbildung und die Abschluss- bzw. Gesellenprüfungen braucht seien vom Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören zum Beispiel Werkzeuge, Werkstoffe, Fach- und Tabellenbücher oder Berichtshefte.

    Recht auf Urlaub und ein detailliertes Arbeitszeugnis

    Auch die Urlaubszeiten für Auszubildende sind klar geregelt: „Jeder braucht mal eine Pause, auch Azubis haben, nach Alter gestaffelt, Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Ist der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres jünger als 16, gibt es mindestens 30 Werktage Urlaub, ist er jünger als 17, sind es 27 Werktage. Ist der Azubi noch keine 18 Jahre alt, gibt es mindestens 25 Tage Urlaub. Für volljährige Auszubildende gilt das Bundesurlaubsgesetz, sie sind normale Arbeitnehmer und bekommen bei einer Sechs-Tage-Woche 24 Werktage – also mindestens vier Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr“, so Roland Maul.

    Für die weitere berufliche Laufbahn nach Abschluss der Ausbildung ist das Ausbildungszeugnis enorm wichtig. Auch dafür gibt es einen vorgeschriebenen Rahmen. „Nach bestandener Abschlussprüfung und spätestens am letzten Tag der Ausbildung bekommt der Azubi ein Ausbildungs- bzw. Abschlusszeugnis. Es dokumentiert die Fähigkeiten, bewertet die Leistungen und ist wesentlich für den weiteren Berufsweg“, betont David Niklaus. Darum sollte dieses Zeugnis ausführlich sein. Aber: „Sämtliche Angaben zu Krankheitsausfällen, Schwerbehinderteneigenschaften, dem Privatleben des Azubis oder zu Straftaten, die nicht unmittelbar mit der Ausbildung in Verbindung stehen, sind unzulässig“.

    Nach besten Kräften mitmachen und Schweigen können

    Geld, Urlaub, geregelte Arbeitszeiten – aber wie sieht es auf dem Pflichtenkonto der jungen Leute aus. Jörg Brückner nennt hier zunächst die Lernpflicht. Das bedeutet, dass sich Lernende darum bemühen müssen, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Genauso wichtig ist die Sorgfaltspflicht, die vorschreibt, dass alle Tätigkeiten in Betrieb und Berufsschule ordentlich und zuverlässig erfüllt werden – dazu gehört auch die Führung des Berichtsheftes. Die Teilnahmepflicht schreibt den Besuch der Berufsschule vor. Pflicht des Azubis ist auch, Anweisungen des Ausbilders zu befolgen und angeordnete Aufgaben zu erledigen. Nicht vergessen dürfen junge Leute die Bewahrungspflicht. Darin ist geregelt, dass der Azubi sorgsam und vorsichtig mit Arbeitsmaterialien wie Werkzeugen, Maschinen usw. umgehen muss.

    Ganz wichtig ist auch die Schweigepflicht, die verbietet Betriebsgeheimnisse auszuplaudern. Darüber hinaus sei der Azubi verpflichtet, die Betriebsordnung einzuhalten und Schutzkleidung zu tragen, wenn diese vorgeschrieben ist. Bei Krankheit, und das ist eine Selbstverständlichkeit für jeden Arbeitnehmer, ist eine Krankmeldung abzugeben. Werden alle diese Vorgaben eingehalten, dann steht einer erfolgreichen Ausbildung eigentlich nichts mehr im Wege.

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