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    FABRIKSCHLEICHACH

    Biologieprofessor entdeckt junge Wildkatzen

    Fast so eine Sensation wie das Wolfsrudel im Bayerischen Wald gibt es derzeit im Steigerwald. Der Würzburger Professor Jörg Müller konnte drei junge Wildkatzen beobachten.

    Fast so eine Sensation wie das Wolfsrudel im Bayerischen Wald gibt es derzeit im Steigerwald. Am Rande eines Studentenkurses auf der Ökologischen Station Fabrikschleichach konnte der Leiter der Station, der Würzburger Professor Dr. Jörg Müller vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, am 1. August drei junge, schon recht große Wildkatzen beobachten. Das berichtet der Forstbetrieb Ebrach der Bayerischen Staatsforsten.

    „Die Zeichnung und das Verhalten waren eindeutig“, wird Müller in der Pressemitteilung zitiert. Der Nachweis sei eine Sensation für den Steigerwald, weil hier bislang im Gegensatz zu den Haßbergen, kein Nachweis für Reproduktion erbracht werden konnte.

    Intensive Suche nach Wildkatzen schon seit mehr als zehn Jahren

    „Und das obwohl der Forstbetrieb seit Jahren den Wildkatzen nachspürt“, ergänzt Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach. Er berichtet, dass früher im oberen Steigerwald vom damaligen Forstamt Ebrach Ende des letzten Jahrhunderts bereits Wildkatzen ausgebürgert wurden. Allerdings gab es keinerlei Nachweise über deren Verbleiben.

    Mergner berichtet in der Pressemitteilung weiter, dass seit mehr als zehn Jahren Mitarbeiter der Bayerischen Staatsforsten intensiv auf der Suche nach den Wildkatzen waren. Dabei wird unter Anleitung des Haßfurter Biologen und Wildkatzenspezialisten Jürgen Thein ein Nachweisverfahren angewandt, welches schon bayernweit zum Einsatz gekommen ist. Es werden kleine, mit Baldrian besprühte Pflöckchen in den Boden geschlagen. Der Baldrian zieht die Katzen an, sie reiben sich an den Pflöcken und verlieren dabei ein paar Haare. Die Haare werden eingesammelt und gentechnisch untersucht, um zweifelsfrei Wildkatzen nachzuweisen.

    Fundort liegt im nördlichen Steigerwald

    Bislang seien im Steigerwald mit dieser Methode aber nur in ganz wenigen Fällen Wildkatzen nachgewiesen worden – vermutlich ältere Tiere. Interessanterweise stamme allerdings ein Nachweis aus der Nähe des Ortes, an dem Jörg Müller nun die jungen Wildkatzen beobachten konnte.

    Der Fundort liegt im nördlichen Steigerwald, zwischen Hundelshausen und Fabrikschleichach. In diesem Wald gibt es einige lichte Waldstrukturen. Zudem wurden vom Forstbetrieb dort Tümpel angelegt. Auch das Liegenlassen von Kronenholz bei der Holzernte sei günstig für die Wildkatze, schreibt der Forstbetrieb.

    Ähnlich wie die Hauskatze liebt auch die Wildkatze durchsonnte Waldlebensräume. In unseren dichten und unterholzreichen Wäldern ist es dagegen meist zu dunkel und zu feucht. „Mehr Lücken im Ebracher Staatsforst würden nicht nur die Wildkatzen fördern, sondern auch viele gefährdete Waldinsekten“, meint Biologe Müller.

    Im Gegensatz zum Wolf leben die Wildkatzen nicht in Rudeln, sondern einzeln. Nur zur Paarungszeit zwischen Januar und März treffen sich Kater und Katze. Die Jungtiere werden meist im Mai geboren. Mit sechs bis acht Monaten suchen sich die Jungtiere dann ein eigenes Revier. Die drei von Jörg Müller im Steigerwald beobachteten Jungtiere waren etwa drei bis vier Monate alt.

    Daten und Fakten

    Die Wildkatze

    Felis silvestris silvestris, die Europäische Wildkatze, ist etwa so groß wie die Hauskatze. Weibliche Tiere bringen drei bis sechs Kilogramm auf die Waage, Kater können bis zu acht Kilogramm schwer werden, heißt es im Steckbrief der Wildkatze auf der Internetseite des Bund für Umwelt- und Naturschutz Baden-Württemberg. Aufgrund des langen Fells wirken die Tiere massiger als Hauskatzen. Wildkatzen ernähren sich von Wühlmäusen und anderen Kleinnagern. Sie benötigen große Reviere von 300 bis 1100 Hektar, weshalb sie von der Zersiedlung und Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege bedroht sind. Kater können ein Gebiet von fast 5000 Hektar durchstreifen. Im Freiland werden die Tiere sieben bis zehn Jahre alt.

    Bearbeitet von Michael Mahr

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