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    SCHWEINFURT

    Landwirte und Hauswirtschafterinnen diskutieren über Labels

    Ob „blauer Engel“, Bio-Siegel oder Fairtrade, Labels bestimmen unseren Alltag. Allerdings gibt es so viele davon, dass so manch einem der Überblick verlorengegangen ist.

    Engagiert diskutierten die angehenden Landwirtschaftsmeister und die zukünftigen Hauswirtschafterinnen über Sinn und Uns... Foto: Tim Schamberger/DPA

    Ob „blauer Engel“, Bio-Siegel oder Fairtrade, Labels bestimmen längst unseren Alltag. Allerdings gibt es inzwischen so viele davon, dass so manch einem der Überblick verlorengegangen ist. „Was bringen Labels an Mehrwert?", lautete deshalb die Frage zum Abschluss der Wertewoche in der Landwirtschaftschule.

    Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Herbert Lang begrüßte dazu Anna Wörl vom „Kompetenzzentrum für Ernährung“ in Freising. Sie beleuchtete, was Labels sowohl den Verbrauchern als auch der Landwirtschaft bringen. Repräsentanten beider Gruppen waren eingeladen, einerseits die angehenden Landwirtschaftsmeister, zum anderen die zukünftigen Hauswirtschafterinnen. Landwirte müssten Verantwortung für die Lebensgrundlagen übernehmen, selbstkritisch das eigene Handeln reflektieren und die eigenen Produkte wertschätzen, forderte Lang.

    Clara Späth, Referendarin im AELF übernahm die Moderation der Veranstaltung und fragte anfangs die Anwesenden wie bewusst sie auf Labels achten würden. Zwölf Prozent der Anwesenden waren diese egal, 22 Prozent fanden sie wichtig für den Einkauf und 33 Prozent meinten, man könne sich dadurch als Erzeuger besser abgrenzen.

    Wörl beleuchtet zunächst die Situation der Verbraucherseite. Regionalität liege derzeit im Trend stellte sie fest. Gleichzeitig hätten die Verbraucher immer weniger Produktkenntnisse, in Städten gebe es bereits Wohnungen ohne Küche. „Die Leute schauen sich Kochsendungen an und gehen anschließend zum essen“, witzelte Wörl.

    Anforderungen wachsen

    Aber auch die verantwortungsvollen Konsumenten nähmen zu, vor allem unter den jüngeren Leuten. Die Anforderungen an die Produzenten wüchsen ständig, vegan, glutenfrei, lactosefrei und natürlich mit allen Vorgaben des Tierschutzes. Dazu komme noch, dass Lebensmittelskandale zu immer mehr und neuen Kontrollverordnungen führen. Das bedinge zu immer mehr geschützte Herkunftsangaben und nationale Qualitätsprogramme. Das Problem dabei, so Wörl: „Die Vielfalt an Siegeln und Labeln verwirrt viele Verbraucher, statt ihnen zu helfen. Die Konsumenten missverstehen die Angaben häufig und verlieren auch deshalb immer stärker das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie.“

    Für die Erzeuger bedeutet die steigende Zahl von Labels, einerseits mehr Bürokratie und Kontrollen andererseits aber auch steigende Chancen bei der Vermarktung. Dabei räumte Wörl ein, dass Produkte ohne Gütesiegel ebenso gut sein können wie solche mit, aber es sei halt nicht kontrollierbar. Und wer seine Produkte in den Handel bringen wolle für den seien Gütesiegel wie beispielsweise „Geprüfte Qualität Bayern“ ein „freiwilliges Muss“. Wer in den Handel wolle komme fast nicht um ein Gütesiegel herum, meinte Wörl. Weit über die Hälfte der Verbraucher seien auch bereit für regionale Produkte fünf bis zehn Prozent mehr zu zahlen. Die angehenden Landwirtschaftsmeister fragten sich allerdings, was von diesen Mehrkosten letztendlich beim Erzeuger ankommt, denkbar wenig bis nichts, vermuteten sie. Aber egal ob Discounter oder Lebensmittelkette mit Produkten aus der Region kann man Umsatz machen.

    Interessant wurde es bei der anschließenden Gruppenarbeit, in der sich die Anwesenden mit Fragen rund um Labels auseinandersetzten. Ein Landwirtschaftsschüler, betonte, dass die Qualität bei Fleisch und Milch sich nicht unterscheide, egal ob die Kuh im Stall oder auf der Wiese stehe, hier gehe es allein ums Tierwohl.

    Er vermutete, dass dies vielen Verbrauchern nicht bewusst sei. Ein andrer meinte das QS Prüfzeichen (Qualität und Sicherheit) sei ohnehin vorgeschrieben und die Standards dafür seien bereits so hoch, dass man nicht noch „eins draufsetzen“ müsse. Ohne Label machen die Erzeuger doch wieder was sie wollen, vermutete eine angehende Hauswirtschafterin.

    Sie erntete viel Protest und die Landwirte erinnerten daran, dass ein Betrieb auch wirtschaftlich arbeiten müsse. Die Ansprüche der Verbraucher – regional erzeugt, von hoher Qualität, gentechnikfrei und ohne Chemie, dazu noch dem Tierwohl genügend, das ginge eben nicht gleichzeitig billig.

    Einen Überblick über die Gütesiegel in Bayern gibt es auf der Seite des Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz: www.stmuv.bayern.de

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