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    KREIS SCHWEINFURT

    Junge Landwirte im Wettbewerb

    In der Ausbildung wird nicht nur gelernt. Persönlichkeitsbildung spielt auch eine wichtige Rolle.

    Ist das weiße Pulver Milchaustauscher? Ganz sicher ist sich der junge Mann nicht, der die Schale ganz nah begutachtet, daran schnuppert, das Pulver zwischen den Fingern reibt. Zu erkennen, um welche Materialien es sich bei den 20 gefüllten Schalen handelt, ist einer von vier Aufgabenbereichen des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend.

    66 junge Männer und fünf junge Frauen

    66 junge Männer und fünf junge Frauen aus den Landkreisen Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld lernen derzeit in dreijähriger Ausbildung den Beruf des Landwirts. Nicht nur in fachlichen Fragen werden sie in ihrem „grünen Beruf“ fit gemacht. Es geht auch darum, das Miteinander zu fördern, um Persönlichkeitsbildung, um den Spaß am Beruf, wie es Konrad Klein, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) sagt.

    Den Spaß fördert auch solch ein deutschlandweiter Leistungswettbewerb, den der BBV alle zwei Jahre, heuer zum 33. Mal, veranstaltet, zunächst auf der Kreisebene. Ort ist das Berufliche Schulzentrum (BSZ) Alfons Goppel in Schweinfurt, wo auch das der betrieblichen Ausbildung vorgeschaltete Berufsgrundschuljahr (BGJ) ist.

    Fachwissen beweisen

    Für die 67 Wettbewerbs-Teilnehmer in Schweinfurt geht es zum einen natürlich darum, das Fachwissen zu beweisen. Also: Sämereien zu bestimmen, oder Futtermittel, verschiedene Holzsorten, diverse Metalle oder genaue Bezeichnungen von Werkzeugen. In kleinen Schalen liegen die Materialen auf den Tischen, konzentrierte Ruhe kennzeichnet diesen Prüfungsraum.

    Nicht alles ist für jeden Teilnehmer gleich zu erkennen: Beispielsweise bereiten die Hölzer doch manchem Schwierigkeiten. „Wenn ein Betrieb keinen Wald hat, dann wissen das die jungen Leute oft nicht“, entschuldigt Klaus Merkel, BBV-Obmann im Kreis Haßberge. Aber der Anspruch sei dennoch, umfassende Kenntnisse zu haben.

    Oder wenn es um das Erkennen von geschrotetem Soja geht: „Ein Azubi von einem Bio-Betrieb konnte damit nichts anfangen“, erzählt Thomas Weidner, Lehrer der 11. und 12. Klasse. Aber auch wenn dort kein Soja verfüttert wird, so müsse der Lehrling die Eiweißpflanze kennen. Seit diesem Schuljahr wird im BGJ das neue Fach „Ökologie und Umwelt“ unterrichtet.

    Während es bei der Bestimmungsprüfung ruhig und konzentriert zugeht, herrscht im Werkraum geschäftige Atmosphäre. Da wird gebohrt, gesägt und gefeilt, die jungen Leute müssen unter Zeitdruck einen Flaschenöffner aus Schrauben und Muttern anfertigen.

    „Heute sind rhetorische Fähigkeiten auch in der Landwirtschaft wichtig.“

    Zwölf Teilnehmern ist jeweils ein Prüfer oder Ansprechpartner an die Seite gestellt, der das Arbeiten bewertet, erklärt Lehrer Norbert Götz. „Es geht darum, ob er eine sinnvolle Reihenfolge einhält, wie gut er das Bohren, Gewindeschneiden, Entgraten oder Sägen ausführt, ob er die Sicherheitsvorschriften beachtet.“

    Und das alles unter Zeitdruck, in 45 Minuten, was bedeutet, dass Management oder der pflegliche Umgang mit Material wie im „echten“ Betrieb auch eine Aufgabe sind, ergänzt BBV-Mann Klaus Merkel. Übrigens sind die Aufgaben für alle drei Ausbildungsjahrgänge gleich, erklärt er. Was für die jüngsten, die BGJler, aber kein Nachteil sei. „Da sind immer wieder sehr gute Leute dabei“, weiß auch Lehrer Götz.

    Den schriftlichen Aufgabenteil über Allgemeinbildung und Fachwissen bezeichnen einige junge Männer als „leicht“ oder „machbar“. Mathe, Chemie oder Sozialkunde war gefragt, aber auch die Nachbarländer Bayerns, der genetische Fingerabdruck oder sechsbeinige Tiere.

    Vorträge halten

    Die Jungs warten darauf, einen kurzen Vortrag vor den Prüfern zu halten. „Das Medium WhatsApp – Fluch oder Segen?“ lautete ein vorher bekanntes Thema, das sie per Power Point oder mithilfe anderer Medien präsentieren müssen. „Das gab es früher noch nicht“, weiß BBV-Kreisobmann Klein. „Aber heute sind rhetorische Fähigkeiten auch in der Landwirtschaft wichtig, um in der öffentlichen Diskussion und beim Verbraucher bestehen zu können.

    Bei der Siegerehrung präsentiert Simon Schech (Grettstadt) souverän seinen als besten bewerteten „WhatsApp“-Vortrag einem großen Publikum.

    Darunter sind mit Schweinfurts Landrat Florian Töpper, dem stellvertretenden Landrat von Bad Kissingen, Alfred Schrenk, und dem Leitenden Regierungsschuldirektor Norbert Kornder erfahrene Männer, die die künftigen Landwirte ermutigen, sich für ihren Berufsstand zu engagieren.

    Auf nach Schwarzenau

    Am 23. März, dem offiziellen Termin für den Bezirksentscheid, dürfen die zehn besten Schüler nach Schwarzenau fahren: 1. Fabian Sohn (Röttingen), 2. Fabian Weingart (Schraudenbach), 3. Hannes Klement (Theres), 4. Johannes Haubenreich (Geiselwind), 5. Tobias Pfeifer (Schwarzenbach am Wald), 6. Moritz Hauck (Brünnstadt), 7. Benedikt Wolf (Bundorf), 8. Simon Schech (Grettstadt), 9. Simon Seitz (Großostheim), 10. Christian van Eckert (Mellrichstadt) und Tizian Wegner (Rannungen).

    Von unserer Mitarbeiterin Silvia Eidel

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