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    SCHWEINFURT

    Von Luthers Vetter zur Jeanne d' Arc der Umwelt

    In Schweinfurt hat vor 500 Jahren die Reformation etwas gedauert, bis sie da war - aber sie kam. Der Vetter des Reformators hatte seine Hand im Spiel.

    Foto: Grafik Jutta Glöckner

    Vor 500 Jahren hat, wie wir heuer besonders ausführlich mitbekommen haben, der einfache Mönch Martin Luther den Papst und seinen Ablasshandel in bis dato unerhörter Weise attackiert. Wie seine 95 ketzerischen Thesen in die Welt kamen, ist etwas umstritten. Angeblich soll er sie am Tag vor Allerheiligen anno domini 1517 ans Tor der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben. Bis Schweinfurt aber „zum rechten wahren Evangelischen Christlichen Glauben kam“, wie es in einem Ratsbeschluss der Stadt heißt, floss noch etwas Wasser den Main hinunter. Erst 25 Jahre später, 1542, war es so weit. Wegbereiter war der am Alten Gymnasium lehrende Rektor Johannes Lindemann. Er hatte im katholischen Schweinfurt „den Samen fürs Lutherische gesät“, wie Stadtführer Stefan Köhler beim Rundgang am Reformationstag gesagt hat.

    Dieser Rektor Lindemann war recht mutig. Er wagte es, an der erzkatholischen Lateinschule den Katechismus in deutscher Sprache zu vermitteln – wurde aber verraten. Der Bischof zu Würzburg schickte sogleich 200 Soldaten zu seiner Festnahme nach Schweinfurt, die den Herrn Lindemann am Spitaltor erwarteten. Dieser aber machte sich, um seinen Häschern zu entfliehen, über das Obertor aus dem Staub – hin zum Vater Martin Luthers übrigens, nach Thüringen. Lindemann war nämlich der Vetter des Reformators Luther. Später kehrte er nach Schweinfurt zurück – als zweiter evangelischer Pfarrer der Stadt, nach Johann Sutellius.

    Ein anderer Wegbereiter der Reformation in Schweinfurt war der sächsische Hofprediger Spalatin, der 1532 – weit vor der Zeit, als Schweinfurt evangelisch wurde – auf der Holztreppe der Liebfrauenkirche (heute St. Salvator, einst Kapelle der hennebergischen Burg) eine viel beachtete Predigt hielt. Nach Sutellius und Spalatin sind in Schweinfurt Straßen benannt. Auch im Zürch erinnern die Burg- und Frauengasse an die Historie der Kirchenbauten. Es gibt natürlich auch einen Martin-Luther-Platz. Wer bei alledem leer ausgegangen ist: Johannes Lindemann, Luthers Vetter.

    Apropos Zürch. Den schmucken Stadtteil mit seinem Straßenpflaster durchzieht jetzt ein gut ein Meter breites Band mit bestens begeh- und befahrbaren glatten Platten. Jahrelang kämpfte unter anderem der Bürgerverein dafür. Seit einer Woche werden also die Knochen der Rollstuhlfahrer und Rollator-Nutzer, wie auch der Mütter mit Kinderwagen und der Radfahrer nicht mehr „durchgerüttelt“, wenn sie im Zürch unterwegs sind. Und doch ist das einigen Kritikern nicht genug: Die Bahn müsse breiter sein, sagen sie, damit Rollstuhlfahrer im Begegnungsverkehr aneinander vorbeikommen. Maulen auf sehr hohem Niveau scheint eine Schnüdel'sche Kernkompetenz zu sein.

    Schließlich bewegt nach wie vor eine recht überschaubare Bürgerzahl die Frage, ob Schweinfurt – trotz eines gegenteiligen Stadtratsbeschlusses – doch eine Baumschutzverordnung bräuchte, eine „modifizierte“ halt, und wie man die Stadtratsmehrheit davon noch überzeugen könnte. Dabei hat doch die CSU das Verordnungswerk ohne mit der Wimper zu zucken gekillt.

    Meinen denn die Baumschutzverordnungsfreunde, insbesondere die von der Schweinfurter Liste mit ihrer Jeanne d' Arc der Umwelt, Ulrike Schneider, an der Spitze, die Schwarzen würden ihren eigenen Beschluss noch mal umschmeißen? Eher fällt Ostern auf Weihnachten.

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