• aktualisiert:

    WÜRZBURG / MÜNCHEN

    Münchner Terror-Fahnder nehmen Würzburger unter die Lupe

    In seiner Wut auf die zur Scheidung entschlossene Ehefrau soll ein Syrer in Würzburg mit Anschlägen gedroht haben. Nun ermitteln Münchner Fahnder, ob er Terrorist ist.

    In seiner Wut auf die zur Scheidung entschlossene deutsche Ehefrau soll ein 28-jähriger Syrer in Würzburg mit Anschlägen auf jüdische Einrichtungen gedroht haben. Das brachte den Medizinstudenten vor drei Monaten in Untersuchungshaft – und unter den Verdacht, ein Terrorist zu sein.

    Jetzt ermittelt gegen ihn nicht mehr der Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Den Fall hat die nagelneue bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) in München übernommen. Diese Abteilung der Generalstaatsanwaltschaft München soll besonders herausgehobene Ermittlungsverfahren bearbeiten und als Schnittstelle zu anderen mit Extremismus und Terror befassten Behörden dienen. „Wir bestätigen, dass so ein Verfahren bei uns anhängig ist,“ sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft.

    Sechs Monate nach dem Axt-Attentat eines 17-jährigen Afghanen in einem Regionalzug in Würzburg richten sich damit die Blicke erneut nach Unterfranken: Lauerte hier ein zweiter Terrorist auf seine Chance?

    Zunächst war man nur von einer Prahlerei ausgegangen: Der syrische Medizinstudent B. (der ganz legal zu Studium hierher gekommen war) habe sich nur gedanklich mit Anschlägen befasst, wie sie Terroristen des Islamischen Staates (IS) propagieren – wobei schon die Androhung strafbar ist.

    Einen unbeherrschten Eindruck hatte der Syrer zuvor schon im Würzburger Amtsgericht gemacht: Er soll gegen seine muslimische deutsche Ehefrau handgreiflich geworden sein, als die von ihm die Scheidung wollte: Von massiven Nachstellungen war die Rede, von Schlägen und einem Messer, das er ihr vor den Bauch gehalten haben soll – mit der Drohung: „Ich kann dich töten!“

    Die Schläge (angeblich aus Stress wegen bevorstehender Prüfungen) räumte der Mann im Kern ein, die Drohung mit dem Messer bestritt er. Amtsrichter Thomas Behl verurteilte ihn zu fünf Monaten Haft mit Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

    Dennoch kam der Mann in U-Haft – „aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung.“ wie zunächst die für Staatsschutzdelikte in Nordbayern zuständige Staatsanwaltschaft Bamberg bestätigte. Sie fand „keine konkreten Anschlagspläne“ und keinen Sprengstoff bei dem 28-Jährigen, wie ein Sprecher sagte. Dennoch erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl „wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und anderem. “

    Inzwischen werteten Ermittler die umfangreiche Telekommunikation des Verdächtigen aus, was nahe lag und erheblich Zeit in Anspruch nahm. Bereits der Axt-Attentäter von Würzburg hatte über Internet und Handy (mutmaßlich von Hintermännern des IS) Handlungsanweisungen bekommen, wie er seinen Anschlag ausführen sollte.

    Als Mitte Dezember der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall übernahm, wurde gegen den Syrer bereits wegen „des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung ermittelt“. In nächster Zeit wird der 28-Jährige sein Medizinstudium in Würzburg nicht fortsetzen können, er sitzt weiter in Untersuchungshaft.

    Über die Gründe halten sich die Münchner Terror-Fahnder jetzt völlig bedeckt: „Zu den Vorwürfen wollen wir derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen,“ erklärte der Sprecher auf Anfrage.

    Bereits seit Anfang 2016 hat die Generalstaatsanwaltschaft München ein Dutzend ähnlicher Verfahren übernommen, mit weiteren sei zu rechnen, hieß es jetzt. Das machte wohl die personelle Aufstockung nötig: „Die Errichtung eines vierten Staatsschutzsenates beim Oberlandesgericht München ist ein wichtiger Baustein, um die Schlagkraft der Justiz im Bereich des Staatsschutzes noch weiter zu erhöhen“, sagt Justizminister Winfried Bausback (CSU).

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (1)

      Kommentar Verfassen

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!