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    WÜRZBURG

    Ein ungewöhnliches neues Würzburg-Lesebuch

    „Denk‘ ich an Würzburg“: Zum 75. Geburtstag von Gerhard Hainlein ist jetzt ein Würzburg-Lesebuch erschienen, das Andreas Mettenleiter herausgeben hat.

    „Denk‘ ich an Würzburg“: Zum 75. Geburtstag von Gerhard Hainlein (links) ist ein Würzburg-Lesebuch erschienen, das Andre... Foto: Thomas Obermeier

    Unter dem Titel ,Denk‘ ich an Würzburg‘ ist ab diesem Wochenende ein neues, etwas ungewöhnliches Würzburg-Lesebuch erhältlich. Es versammelt 30 recht verschiedenartige Beiträge, denen allen ein besonderer Blick auf Würzburg gemeinsam ist. Anlass zur Entstehung des Bandes gab der 75. Geburtstag des Würzburger Hausarztes Gerhard Hainlein, der sich von Freunden und Bekannten statt Geschenken einen ganz persönlichen Beitrag über seine Heimatstadt gewünscht hatte.

    Das Ergebnis dieses Experimentes kann sich sehen lassen: Entstanden ist eine bunte Zusammenstellung unterschiedlicher Texte, Gedichte, Aquarelle und Zeichnungen. So berichten der Brücke-Sammler Hermann Gerlinger über seinen „ersten Expressionisten“ und wie er zu ihm kam, Stefan Kummer über die Entstehungsgeschichte der Residenz und Hans-Peter Trenschel über seine mühsame, aber letztlich erfolgreiche Kampagne zur Restaurierung und später Erwerbung einer Riemenschneider-Madonna für das Mainfränkische Museum.

    Zoepffels Kindheitserfahrungen

    Kinderarzt Harald Zoepffel plaudert aus unbeschwerten Jugendjahren in der Hofstraße 5, Hausarzt Peter Rost über seine Kindheitserfahrungen als evangelischer Flüchtlingsbub in Randersacker und Ruth Schmidt über ihren dornenreichen Start ins Philologiestudium in den frühen Nachkriegsjahren.

    Der Leser erfährt auf unterhaltsame Weise, wie die Stadt zu ihrer Museumslok ,Würzburg‘ kam, wie Bundespräsident Walter Scheel im Hotel Rebstock von Scharfschützen auf dem Dach der Greisinghäuser bewacht wurde, was Rudolf Virchow an Würzburg liebte und hasste, und wie man mitten in Würzburg den Mount Everest besteigen kann. Sigurd Lehmann-Tolkmitt erzählt über die von ihm mitbestimmten Geschicke der Firma Noell, und der ehemalige Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik, Arnulf Thiede, lässt den Leser hinter die Kulissen der jahrelangen Planungen für das Zentrum für Operative Medizin (ZOM) blicken.

    Kurios und erheiternd, was die Gattin des ehemaligen Direktors der Frauenklinik, Jutta Wulf, in der Chefarztwohnung im Luitpoldkrankenhaus erlebte, und spannend zu lesen, wie das Ehepaar Mierau den originellen Künstler Joachim Schlotterbeck kennenlernte. Cornelia Boese trug ein gereimtes Kapitel Kunstgeschichte bei, Renate Osthoff eine Zeichnung, Wolfgang Lenz ein Aquarell und dessen Tochter Barbara ein fantastisches Fabelwesen, das aus dem Maschikuliturm lugt. Besondere Erwähnung verdient auch das für Schutzumschlag und Vorsatz verwendete Aquarell von Ute Etzkorn, das die flirrende Sommerhitze auf der Alten Mainbrücke einfängt – passend zu einem heißen Augusttag, auf den der runde Geburtstag Gerhard Hainleins fällt.

    Hainleins Strichzeichnungen

    Der Jubilar, aus einer Würzburger Grafikerfamilie stammend und selbst ein Meister teils kolorierter Strichzeichnungen, steuerte nicht nur zahlreiche Illustrationen, sondern auch einen Strauß köstlicher Anekdoten aus seiner hausärztlichen Tätigkeit bei, darunter amüsante Erlebnisse mit schlagfertigen Patienten, originellen Kollegen und tüchtigen Pharma-Vertretern. Das aufwändig mit Schutzumschlag und geprägtem Leinenaufwand gestaltete Buch bietet sich als unterhaltsame Urlaubslektüre für Garten oder Strandkorb an.

    Bemerkenswert sind eine Reihe von Bekenntnissen bekannter Würzburger, die aus der Ferne an den Main kommend, hier erst allmählich, aber umso nachhaltiger heimisch wurden. „Liebe auf den zweiten Blick“ ist, was Würzburg betrifft, offenbar ein verbreitetes Phänomen. Die Alteingesessenen wie auch die Zugereisten dürften sich nach der Lektüre beruhigt und bestätigt fühlen: Die Würzburger sind ein besonderes Völkchen, und Würzburg ist ohne Zweifel eine ganz besondere, liebenswerte Stadt!

    „Denk‘ ich an Würzburg“: Der 208 Seiten starke Leinenband ist ab sofort im Buchhandel und bei Papier Pfeiffer in der Sanderstraße zum Preis von 19 Euro zu haben.

    Bearbeitet von Robert Menschick

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