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    WÜRZBURG

    Ein Wall zum Schutz gegen Ungarn oder Wikinger

    Seit Mai graben die Archäologen im Klosterhof der Franziskaner. Dort soll ein neues Hotel entstehen. Jetzt ziehen sie Bilanz.

    Das Franziskanerkloster in der Innenstadt ist eine gewaltige Baustelle. Der Konvent lässt das Klostergebäude modernisieren und im Innenhof tragen die Bagger vorsichtig Schicht um Schicht das Erdreich ab. Dort soll ein neues Bettenhaus des Hotel Rebstock gebaut werden, im Vier-Sterne-Plus-Segment mit 55 Zimmern. Die Archäologen beherrschten seit dem 2. Mai die Baugrube und wurden fündig.

    Dr. Matthias Merkl vom Landesamt für Denkmalpflege zog jetzt eine überaus positive Bilanz in der tiefen Baugrube. Er sprach von einer spannenden Grabungsstelle. Und es gab auch einen überraschenden Fund, der sich aber relativ unspektakulär im Klosterhof präsentiert: Ein Wallkörper aus Erde aus dem frühen Mittelalter, der im 90-Grad-Winkel zur alten Stadtmauer, die entlang der Neubaustraße läuft, aus dem Bauch von Würzburg auftauchte.

    Die Überraschung: Ein Wallgraben auf dem Klosterareal

    „Das haben wir so in Würzburg nicht vermutet“, sagt Merkl. Der Chef des Grabungsbüros Dieter Heyse rechnet den Fund dem frühen Mittelalter zu, also etwa zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert. „Das ist etwas Besonderes, das musste schon ein König oder Fürst genehmigen“, analysiert Heyse. Der Wallgraben läuft jedenfalls unter dem Franziskanerkloster weiter. Ob er sich in der anderen Richtung bis in die Sanderau hinzieht, können die Archäologen natürlich nicht sagen.

    Es gibt auch schon Vermutungen, gegen wen sich die Verteidigungsanlage gerichtet haben könnte: „Man wehrte so Reiterheere ab. Und die damaligen Bewohner waren sich der Bedrohung auch bewusst. Und so zog man schnell den Wall hoch.“ Nach Heyses Überlegungen waren die Ungarn damals unterwegs oder die Wikinger aus Mainz.

    Gefunden: Ein menschliches Skelett

    Unter dem Wall und den Überresten eines Grubenhauses mit Holzpfosten fanden die Archäologen auch ein menschliches Skelett. Dessen Altersbestimmung soll nun zu exakten Datierungen führen.

    Überhaupt können die Grabungsexperten aus den Funden viel ableiten zu Würzburg und seiner Bedeutung. Immerhin hatte die Stadt am Main schon im 13. und 14. Jahrhundert Steinbauten, als die Menschen in anderen Städten noch in Holzhäusern wohnten.

    Ohne den Hotel-Neubau wären nie so viele Zeugnisse aus Würzburgs Vergangenheit aufgetaucht, bestätigen die Archäologen. Nun wird alles sorgfältig dokumentiert und dann wieder den Baggern überlassen.

    50 Plastikboxen mit Funden

    Doch es bleiben bisher schon 50 Plastikboxen mit Fundstücken, die je zur Hälfte den Franziskanern und dem Bauherrn Unckell gehören werden. Neben den 15 vollständig erhaltenen Gefäßen aus dem 13. Jahrhundert gab es noch weitere interessante Funde, die Grabungsleiter Frank Feuerhahn in der eiskalten Baugrube vorstellte.

    „Wir fanden vor allem Dinge, die von den damaligen Bewohnern weg geworfen wurden oder die sie verloren haben.“ Ein verloren gegangenes Stück ist wohl eine kostbare Fibel, eine Art Schmuckspange, die man damals am Revers trug. Sie soll etwa aus dem 9. Jahrhundert stammen. Gleiches Alter gilt für einen Fingerring. Dann sind da noch zwei gut erhaltene Keramikgefäße aus der Zeit zwischen 1250 und 1300. Eines stammt wohl aus der Gegend und wurde im Abfall entsorgt. Es diente zur Aufbewahrung von Flüssigkeiten und hat einen Ausgießer. Das zweite ist eine so genannte Pingsdorfer Keramik aus der Nähe von Bonn. „Das war dann schon Geschirr für eine festliche Tafel“, versicherte Feuerhahn. Ein Skelett eines begrabenen Hundes datiert aus der gleichen Zeit.

    Grabungsgegenstände kommen erst einmal nach Bamberg

    Und was passiert denn jetzt mit den vielen Fundstücken aus Würzburgs Mittelalter? Es stand ja mal im Raum, dass sich der Leiter des neuen Museums für Franken, Dr. Erich Schneider dafür interessiert hatte. „Die gehen erst einmal zur Erfassung ins Landesamt für Denkmalpflege nach Bamberg“, erhebt Merkl Anspruch. Und für später hat Hotelchef Unckell auch schon einen Plan. „Wir wollen sie bei uns ausstellen“. In welchem Umfang, steht jedoch noch nicht fest.

    Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das der Rebstock-Chef bis zum Frühjahr 2019 umsetzen will. Schon lange wünscht er sich eine Erweiterung des bestehenden Hotels in der Neubaustraße. Auf dem Areal wird es ein vierstöckiges Haus geben, das die Gäste über einen unterirdischen Tunnel unter der Franziskanergasse erreichen werden.

    Rebstock hat künftig 127 Zimmer

    Künftig stehen dann für das Rebstock 127 Zimmer zur Verfügung. Ebenfalls gebaut wird eine Tiefgarage mit 49 Stellplätzen, die über einen Mauerdurchbruch zu erreichen ist. Das Projekt hat schon die Baugenehmigung des Stadtrates und fand die absolute Zustimmung der Stadtbild-Kommission.

    Wenn die Grabungsarbeiten beendet sind – und sie nähern sich jetzt dem Ende – beginnen die Erdarbeiten für die Tiefgarage. In der ersten Jahreshälfte 2018 startet der Rohbau.

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