• aktualisiert:

    RIMPAR

    Landratsamt lässt Biberdamm zerstören

    Biber sind hier nicht willkommen! Die Gemeinde Rimpar baggert einen Damm aus der Pleichach. Das Landratsamt hat die Zerstörung erlaubt. Gibt es dafür wichtige Gründe?

    Spuren des zerstörten Biberdamms an der Pleichach unterhalb von Rimpar. Foto: Raphael Wirth

    Marco Göbet, Leiter der Bauverwaltung des Marktes Rimpar, ist hörbar empört. „Sie werden doch nicht glauben, dass eine Gemeinde so blöd ist, einen Biberdamm ohne Genehmigung zu entfernen“, sagt er in einem Telefonat mit der Redaktion, „wir haben auf Anweisung der Unteren Naturschutzbehörde gehandelt“. Es geht um ein Biberbauwerk in der Pleichach zwischen Würzburg und Rimpar.

    Hier hatten Biber aus Ästen und Zweigen einen Damm errichtet und dadurch das Wasser gestaut. Dann war die kleine Wassersperre plötzlich weg. Fahrspuren, die durch die Wiese zur Pleichach führten, wiesen darauf hin, dass der Damm aus dem Bachbett ausgebaggert worden war. Eine Maßnahme, zu der Göbet, außer dem oben zitierten Satz, nichts sagen wollte und an das Landratsamt verwies.

    Keine Anweisung der unteren Naturschutzbehörde

    Hier war zu erfahren, dass „die naturschutzrechtlichen Vorschriften für solche Maßnahmen keine Anweisung der unteren Naturschutzbehörde“ vorsehen. Allerdings, so Pressesprecherin Eva-Maria Schorno, habe das Landratsamt von der Entfernung des Biberbauwerks in der Pleichach Kenntnis gehabt und „dem zugestimmt“.

    Letzteres geschehe immer dann, wenn „bei tatsächlichem oder vorhersehbarem Auftreten wirtschaftlicher Schäden oder im Fall der Abwehr von Gefahren“ die Entfernung eines Biberdamms zur Debatte steht.

    Laut Schorno führt die untere Naturschutzbehörde einen Ortstermin durch, wenn sie „über ein Problem“ informiert wird, „das möglicherweise durch Bibertätigkeit verursacht wird“. Mit dabei: der Biberbeauftragte. In „schwierigen Fällen“, so Schorno, werde auch der „nordbayerische Bibermanager“ hinzu gezogen.

    Zerstörung sinnvoll und zulässig

    Entsprechend der „Richtlinien zum Bibermanagement“ des Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz werde dann abgestimmt, „welche Maßnahme sinnvoll und zulässig ist“. Im vorliegenden Fall hat man es also für sinnvoll und zulässig erachtet, den Biberdamm zu zerstören.

    Für Jan und Patricia M. (Namen von der Redaktion geändert) ist das „ein Unding“. Es könne doch nicht angehen, „dass die Natur immer den Kürzeren zieht, wenn es um wirtschaftliche Belange geht“, sagen die 38-Jährigen, die regelmäßig mit ihrem Hund an der Pleichach spazieren gehen und sich „für den Naturschutz einsetzen“. Ihre Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen „Unsere Kinder müssen sich in der Schule jetzt schon sagen lassen, dass ihre Eltern Spinner sind.“

    Biberdamm-Entfernung in Würzburg vor einem Jahr

    Vor knapp einem Jahr hatten Mitarbeiter des Entwässerungsbetriebs der Stadt Würzburg mit der Entfernung eines Biberdamms an der Kürnach in Lengfeld für Schlagzeilen gesorgt. Da der Biber streng geschützt ist, darf ihn nicht so ohne weiteres vertreiben.

    Der Bund Naturschutz hatte damals erklärt, Biberdämme dürften nur entfernt werden, wenn es dafür einen wichtigen Grund gibt. Zum Beispiel, wenn die Dämme die Verkehrssicherheit gefährden oder Wasserabläufe verstopfen. Ansonsten ist ihre Zerstörung ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. Inzwischen hat man sich in Würzburg mit dem Biber arrangiert.

    Welche wichtigen Gründe haben das Landratsamt bewogen, den Biberbau zu entfernen? Und waren diese wirklich wichtig genug? Im Fall des bei Rimpar entfernten Damms sind noch wichtige Fragen ungeklärt. Der Biber scheint sich davon jedenfalls nicht von der Pleichach vertreiben zu lassen: Inzwischen soll er an einer anderen Stelle einen neuen, kleinen Damm errichtet haben.

    Der Biber

    Das größte Nagetierart Europas wurde 1867 in Bayern ausgerottet, heute breitet es sich dank strenger Schutzmaßnahmen wieder fast flächendeckend aus. Biber leben wieder im Stadtgebiet am Mainufer, zum Beispiel bei Heidingsfeld und auf der Naturheilinsel. In der Region siedeln sie an Tauber und Gollach, an Bächen im Ochsenfurter Gau oder an der Pleichach. Die Tiere renaturieren die Landschaft. Durch ihre Dämme entstehen Feuchtgebiete, in denen sich zahlreiche Tierarten ansiedeln. Solche Flächen sind auch als natürlicher Hochwasserschutz und Wasserreservoir wichtig. Ärger macht das in der Kulturlandschaft, wenn zum Beispiel Felder, die bis ans Bachufer gehen, überflutet werden. Landwirte werden für solche Schäden entschädigt. Ein anderes Problem sind unterhöhlte und einbrechende Uferböschungen. Biber fressen grüne Pflanzen wie Klee oder Löwenzahn, Knollen und Wurzeln, im Herbst auch Fallobst und im Winter drei bis vier Kilo Rinde und Blätter pro Tag. Ihre Dämme bauen sie in Fließgewässern, um den Wasserspiegel zu erhöhen: So sind die Eingänge zu ihren Wohnhöhlen unter Wasser und vor Feinden geschützt.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (5)

      Kommentar Verfassen


      Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de?
      Dann jetzt gleich hier registrieren.