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    OCHSENFURT

    Die erfolgreiche Welt der Bücher

    Lesespaß: Die Stadtbibliothek in Ochsenfurt gehört zu den besten der Republik. Bibliothekarin Barbara Süsskind verrät ihr Erfolgsrezept.

    Ein Ort der Begegnung, Spielstube, Bildungsanstalt oder Rahmen für eine Vielzahl kultureller Veranstaltungen – die Ochsenfurter Stadtbibliothek im Alten Rathaus erfüllt viele Aufgaben. Wie erfolgreich sie das tut, beweist der Bibliotheksindex des deutschen Fachverbands.

    Eine der besten kommunalen Büchereien

    Unter den Städten vergleichbarer Größe rangierte die Stadtbibliothek wiederholt auf Spitzenplätzen, darf sich also mit Fug und Recht als eine der besten kommunalen Büchereien auf deutschem Boden bezeichnen. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern ist das Ergebnis konsequenter Nachwuchsförderung und kluger Bestandspflege.

    17 446 Bücher und 4838 andere Medien führte die Stadtbibliothek zur Jahreswende in ihrem Bestand. Dem stehen 97 291 Ausleihungen gegenüber. Anders ausgedrückt: Statistisch gesehen wurde jedes Medium im Durchschnitt mehr als viermal ausgeliehen. Ein sehr guter Wert, sagt Bibliotheksleiterin Barbara Süsskind. Er zeigt, dass das Angebot den Interessen der Bibliotheksnutzer entspricht.

    Von Babybeinen an dabei

    René Hontscha interessieren solche Zahlen nicht, wenn er gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Jannik und seiner Mutter Julia in der Kiste mit den Bilderbüchern wühlt. Er ist dreieinhalb Jahre alt und gehört schon zu den Stammkunden der Bücherei. Seit er ein halbes Jahr alt ist, besucht seine Mutter regelmäßig die „Bücherbabys“.

    Einmal im Monat lädt die Bücherei dazu Kleinkinder mit Eltern oder Großeltern ein. Gemeinsam wird dann gespielt und vorgelesen und es gibt Büchertipps für die Gute-Nacht-Geschichte zu Hause.

    Die Kinder möglichst früh mit der Bibliothek in Kontakt bringen, das ist eines der Erfolgsrezepte von Barbara Süsskind. Im Vorschulalter dürfen künftige Leseratten mit dem Bibliotheksführerschein erste eigene Erfahrungen als Bibliotheksbenutzer sammeln.

    Kostenloser Leseausweis für Erstklässler

    In der ersten Klasse erhalten sie ihren ersten kostenlosen Leseausweis und dürfen ins Leseförder-Programm Antolin einsteigen. Wer daran teilnimmt, muss, nachdem er ein Buch gelesen hat, im Internet Fragen zum Inhalt beantworten und erhält dafür Punkte.

    Den Ehrgeiz der ABC-Schützen spornt dieses Punktesystem enorm an, weiß Barbara Süsskind. Vor allem die Jungs lassen sich vom Wettbewerbscharakter begeistern. In manchen Klassen werden die Punktbesten sogar ausgezeichnet. „Da wird sicher oft nicht um des Lesens willen gelesen, sondern wegen der Punkte“, vermutet die Diplom-Bibliothekarin. Aber das ist ihr egal. Hauptsache die Kinder lesen überhaupt.

    Der Sommer-Leseclub

    Und wer gar nicht genug kriegen kann, ist in den Sommerferien beim Sommer-Leseclub willkommen. 73 Kinder im Grundschulalter haben im vergangenen Jahr daran teilgenommen und in sechs Wochen insgesamt 670 Bücher vertilgt.

    Die Arbeit mit Kindern ist zweifellos der Schwerpunkt in der Bildungsarbeit der Bücherei. Mit den städtischen Kindergärten und der Grundschule arbeitet die Stadtbibliothek dabei intensiv zusammen. In der Grundschule wurde im vergangenen Jahr sogar eine voll ausgestattete Außenstelle eingerichtet.

    Doch auch eine intensivere Zusammenarbeit mit der Mittelschule und der Realschule würde sich die Bibliotheksleiterin wünschen. „Es ist eine Win-win-Situation“, so Süsskind. „Die Kinder profitieren, die Schule, aber auch die Bibliothek.“ Wer sie als Kind schon kennengelernt habe, komme auch als Erwachsener gerne wieder.

    Ideales Angebot frü junge Familien

    Das bestätigt Julia Hontscha, während sich ihre beiden Jungs weiter über die Bücherkiste hermachen: „Ich bin schon als Kind gerne hierhergekommen.“ Gerade für junge Familien sei das Angebot ideal. Schließlich gehen gekaufte Kinderbücher schnell ins Geld und verlieren trotzdem bald ihren Reiz.

    Ausleihen ist günstiger und ermöglicht mehr Vielfalt. Auch bei den Spielen, von denen die Bücherei insgesamt 270 für jede Altersgruppe im Programm hat. „Man kann ausprobieren, und wenn einem eins besonders gefällt, kann man's immer noch kaufen.“

    Die Flut der Neuerscheinungen

    Den Geschmack möglichst vieler der aktuell 1853 regelmäßigen Büchereinutzer zu treffen – „das ist die hohe Kunst“, sagt die Diplom-Bibliothekarin. Vor allem, weil für sämtliche Erwerbungen ein jährlicher Betrag von 25 000 Euro zur Verfügung steht, angesichts der jährlichen Flut an Neuerscheinungen ein eher knappes Budget.

    Barbara Süsskind setzt dabei einerseits auf Aktualität und einen gewissen Anspruch und vertraut dabei meist auf Rezensionen des deutschen Bibliotheksverbands, lässt sich aber auch gerne von den Vorlieben ihrer Nutzer leiten.

    Was gefällt den Lesern?

    So finden sich unter Neuerwerbungen regelmäßig Bücher zu aktuellen poltischen und gesellschaftlichen Themen sowie Werke der Weltliteratur, aber auch eher verdauliche Thriller oder Liebesromane. „Ich kann den Leuten ja nicht vorschreiben, was ihnen zu gefallen hat“, sagt sie, „und manchmal braucht man zum Entspannen auch mal was Seichteres.“

    Vor allem bei den Reiseführern – sie zählen zu den meistverliehenen Büchern – ist Barbara Süsskind darauf bedacht, immer die neueste Auflage vorzuhalten. Wie bei den übrigen Medien gilt auch hier: Was zu alt oder nicht gefragt ist, fliegt raus oder landet für ein paar Cent in der Flohmarkt-Kiste. „Rigoros“, sagt Süsskind, „wir sind schließlich eine Bibliothek und kein Archiv.“

    Niemand will den Brockhaus

    Gewandelt haben sich Bestand und Nutzervorlieben gewaltig, seit Barbara Süsskind vor fast genau 30 Jahren die Leitung der Bücherei übernommen hat. Sachbücher und Lexika sind kaum noch gefragt. Sie wurden durch das Internet überholt. Selbst den großen Brockhaus, einst Inbegriff enzyklopädischen Wissens, sucht man inzwischen vergebens.

    Schallplatten wurden von CDs und Videokassetten von DVDs abgelöst, doch auch denen gibt die Bibliothekarin keine große Zukunft mehr, seit Streamingdienste im Internet florieren.

    Hörbücher hingegen werden immer beliebter, vor allem unter den älteren Bibliotheksnutzern. Die 748 Hörbücher, die die Bücherei vorhält, wurden 2017 insgesamt 1761 Mal verliehen. Durch die „Franken-Onleihe“, einer Kooperation von 22 Bibliotheken in Franken, stehen den Nutzer 47 000 E-Books zur Verfügung, die sie selbst im Internet herunterladen und für begrenzte Zeit behalten dürfen.

    Von der Couch aus Bücher reservieren

    Überhaupt hat das Internet die Bibliothek verändert. Nicht nur durch die Internet-Computer, die dort kostenlos zur Verfügung stehen. Auch die Verwaltung setzt auf das Datennetz und erlaubt Nutzern, bequem von zu Hause aus ihre Ausleihungen einzusehen und zu verlängern oder Bücher zu reservieren.

    Dass gedruckte Bücher und damit auch Bibliotheken irgendwann einmal ganz durch elektronische Medien abgelöst werden, darum ist Barbara Süsskind nicht bange. „Das Buch wird nicht sterben“, sagt sie voller Überzeugung, „das Buch wandelt sich nur, so wie sich auch die Bibliothek wandelt.“

    22 284 Medien führt die Stadtbibliothek Ochsenfurt aktuell in ihrem Bestand. Darunter sind 17 446 Bücher, 1636 CDs, 748 Hörbücher, 545 Zeitschriften, 1636 DVDs, 272 Spiele, 200 Computerspiele und 99 interaktive Lernspiele.

    Im abgelaufenen Jahr 2017 wurden insgesamt 34 806 Bücher ausgeliehen, 6838 CDs, 1761 Hörbücher, 5335 DVDs, 2004 Zeitschriften, 779 Spiele, 826 Computerspiele und 590 interaktive Lernspiele.

    Die Jahresnutzungsgebühr beträgt für Erwachsene 12 Euro, für Kinder 2,50 Euro.

    Weitere Informationen unter www.ochsenfurt.de

    „Das Buch wird nicht sterben, es wandelt sich nur, so wie sich auch die Bibliothek wandelt.“
    Barbara Süsskind, Stadtbibliothek Ochsenfurt

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