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    WÜRZBURG

    Der Bischof und die kritischen Katholiken

    Zum zweiten Mal tagt die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" in Würzburg. Das erste Mal findet die „KirchenVolksKonferenz“ jedoch in Sichtweite des Domes statt.

    Zum zweiten Mal tagt die katholische Reformbewegung „Wir sind Kirche“ in Würzburg. Das erste Mal mussten sich die Teilnehmer vor Jahren allerdings weit außerhalb der Stadtmitte im Jugendgästehaus auf dem Heuchelhof treffen. Dieses Mal scheinen die kritischen Katholiken dort angekommen zu sein, wo sie schon immer hinwollten.

    „Wir sind mitten in Würzburg – neben dem Dom“, sagt Magnus Lux aus Schonungen (Lkr. Schweinfurt). Das Mitglied des Bundesteams von „Wir sind Kirche“ freut sich sogar über einen Bischof, was bislang nicht so oft der Fall gewesen sein dürfte.

    Auf Veranlassung des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann sei es möglich geworden, so Lux, dass die kirchenkritische Reformbewegung zusammen mit anderen Reformgruppen ab diesem Freitag im Burkardushaus, einem Tagungszentrum des Bistums Würzburg, zur „KirchenVolksKonferenz“ und zudem zu ihrer 39. Bundesversammlung laden kann. Bei einer ersten Anfrage vor zwei Jahren, ob dies dort möglich sei, habe die Antwort aus dem Burkardushaus laut Magnus Lux noch geheißen: „Die Bischöfe wollen euch nicht.“

    „Gemeinde geht nur mit den Menschen“

    Das „Leitwort“ des Treffens lautet „Gemeinde geht nur mit den Menschen“. Es soll gemeinsam nach neuen Wegen für die Entwicklung der Gemeinden, der Kirche vor Ort, gesucht werden, so Lux. Denn die Konzepte der Kirchenleitungen auf den immer dramatischeren Priestermangel hätten zu einem immer stärkeren Ausbluten der Gemeinden geführt. Ausschlaggebend sei dabei, dass die geplanten und heftig diskutierten Strukturveränderungen sich „an den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Menschen“ orientieren. „Kirche ist da, wo die Gemeinden sind und nicht, wo der Priester ist“, sagt Magnus Lux dazu.

    Die zum Beispiel im Bistum Würzburg angedachte Reduzierung der momentan rund 160 Pfarreiengemeinschaften und deren Zusammenlegung in 40 pastoralen Räumen sieht die Reformbewegung äußerst kritisch. „Kann denn ein einziger Mensch die mehrere Tausend darin lebenden Gläubigen persönlich begleiten?“ Priester würden zu reinen Managern, so Lux, „zu Abteilungsleitern des Bischofs“.

    Angesichts des Priestermangels, „der ja erstmals in dieser Deutlichkeit von der Amtskirche eingeräumt wird“, sei ein Umdenken nötig.

    Suche nach den „Charismen“

    Die Forderung von „Wir sind Kirche“ sei deshalb, dass die Gemeinden vor Ort am Leben bleiben sollen, denn dort spiele sich das Leben ab. Bei der Suche nach geeigneten Gemeindeleitungen sollte mehr nach den „Charismen“ unter den „Kirchenbürgerinnen und Kirchenbürgern“ gesucht werden, nach Personen, die über „Gnadengaben“ verfügten. Auch „Laien“ können einer Gemeinde vorstehen, dies sei durchaus „im biblischen Sinne“, so Lux, und auch im CIC, dem kirchlichen Gesetzbuch vorgesehen.

    Das Problem sei allerdings nicht nur, dass die katholische Kirche bei ihren Planungen zur „Pastoral der Zukunft“ – wie sie im Bistum überschrieben sind – am Pfarrer als Leitungsperson festhielte. Auch die Gläubigen selbst „trauen sich noch nicht zu, dass sie eigenverantwortlich eine Gemeinde leiten können“.

    Zulassung von Frauen zum Priesteramt

    Ein weiterer Diskussionspunkt auf der „KirchenVolksKonferenz“ in Würzburg soll auch die Zulassung von Frauen zur Priesterweihe sein sowie die Abschaffung des Pflichtzölibats. „Wir sind nicht gegen den Zölibat, nur gegen die Verpflichtung, dass ein Priester nicht heiraten darf“, so Lux, „jeder soll so leben wie er möchte, denn so viele Priester seien in den vergangenen Jahren gegangen, weil sie sich in eine Frau verliebt hätten“. Obwohl die Bischöfe das ständig erleben würden, bliebe alles beim Alten. Es sei jedoch ein Umdenken innerhalb der Kirchenleitung nötig, denn „viele in der Kirche denken bereits anders“, ist sich Magnus Lux sicher, „es gibt bereits eine heilsame Unruhe“.

    KirchenVolksKonferenz in Würzburg

    Im Burkardushaus am Bruderhof in Würzburg findet ab Freitag, 10. März, die „KirchenVolksKonferenz“ von „Wir sind Kirche“ und weiteren katholischen Reformgruppen statt. Die öffentliche Tagung beginnt um 19.

    30 Uhr mit einer Einführung durch Monika Albert, Referentin für Gemeindeentwicklung im Bistum Würzburg. Sie spricht über „Der Kirche ein Gesicht geben – Ergänzende Formen von Gemeindeleitung“.

    Den Hauptvortrag hält am Samstag, 11. März, um 9 Uhr Professorin Dorothea Sattler, Leiterin des Ökumenischen Instituts der Universität Münster, zu „In der Nähe liegt die Kraft – Quellen christlicher Gemeinden freilegen“. Anschließend gibt es mehrere Workshops. Sie werden unter anderen unter Beteiligung der „Pfarrer-Initiative Deutschland“, des „Münnerstädter Kreises“, der „Priester im Dialog“, der Plattform „Wir sind Kirche Österreich“ und der „Pfarrei-Initiative Schweiz“ angeboten.

    Die 39. Bundesversammlung von „Wir sind Kirche“ ist am Samstagnachmittag. Am Sonntag, 12. März, wird das Treffen mit einem Gottesdienst zum Weltgebetstag für Frauenordination vor der Marienkapelle beendet.

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