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    WÜRZBURG

    Kardinal-Faulhaber-Platz: Begrünung gut fürs Klima

    Die zukünftige Gestaltung des Faulhaber-Platzes spielt auch eine Rolle für das Stadtklima. Das ist eine Erkenntnis aus einem Gutachten, das jetzt Stadträten vorgelegt wurde.

    Der Kardinal-Faulhaber-Platz soll umgestaltet werden. Foto: Obermeier

    Die zukünftige Gestaltung des Kardinal-Faulhaber-Platzes spielt auch eine Rolle für das Stadtklima. Um die klimatischen Auswirkungen einer Neugestaltung zu untersuchen, beauftragte der Umwelt- und Planungsausschuss auf Grundlage eines interfraktionellen Antrages die Erstellung eines Gutachtens. René Burghardt, Diplom-Ingenieur des mit der Analyse beauftragten Büro „Burghardt und Partner, Ingenieure“, stellte die Ergebnisse bei der Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses an diesem Dienstag vor.

    Die Stadtplaner des Kasseler Büros betrachteten vier Varianten: der Ist-Zustand, die beiden zur Abstimmung stehenden Varianten in Bürgerentscheid 1, also dem Ratsbegehren mit Grün, Wasserfläche, Tiefgarage und maßvoller Bebauung, und dem Bürgerentscheid 2 der Bürgerinitiative mit viel Grün und Wasserfläche ohne Bebauung und Tiefgarage, sowie die Gestaltung mit einer ausladenden Bebauung („Variante 8“), die ursprünglich Grundlage eines städtebaulichen Wettbewerbs werden sollte.

    Eines der Ergebnisse nach dem etwa halbstündigen Vortrag: Die Analysen zeigen, dass die beiden zur Abstimmung anstehenden Varianten beim Bürgerentscheid am 2. Juli im Vergleich zum Ist-Zustand mikroklimatisch, also beim Klima in Bodennähe, eine deutliche Verbesserung darstellen. Auf das Ergebnis kamen die Planer auf Grundlage von drei Werten, auf Basis derer das Gutachten errechnet wurde: Windfeld, Aufheizung durch Sonneneinstrahlung und der thermische Komfort, also das menschliche Temperaturempfinden.

    Planer spricht Empfehlungen aus

    Hier zeigen die Analysen, dass sowohl die Variante des Ratsbegehrens als auch die der Bürgerinitiative in der stadtklimatischen Bewertung sehr ähnlich sind. Bei beiden Entwürfen entstehe laut René Burghardt ein „großer, klimatisch angenehmer und variabler Freiraum“, beide seien nachhaltig. Der Referent sprach außerdem Planungsempfehlungen aus. So sei es wichtig, die geplanten Wasserflächen aktiv zu nutzen, beispielsweise als Wasserspiel-Fläche, damit das Wasser auf der Haut einen zusätzlichen Kühlungseffekt erzielen könne. Zudem sei es von Bedeutung, den Nutzungsaspekt nicht nur auf den Sommer zu beziehen, sondern auch auf den Winter.

    Anmerkungen zur Berechnungsmethode griff Burghardt zuvor, indem er erklärte, dass die in den Analysen positiven Effekte nicht sofort in Kraft treten würden, sondern einen Zustand nach mehrjährigem Wachstum der Bäume darstellen. Zusätzlich simulierten die Planer auch nur einen Tag, längere Prognosen seien auf der Basis nicht möglich. Weiterhin wird der Kardinal-Faulhaber-Platz bei beiden Entwürfen keine klimatischen Auswirkungen auf die größere Fläche haben, leiste aber sehr wohl einen Beitrag zur Grünvernetzung im Innenstadtbereich Würzburgs.

    Tiefgarage nicht Teil der Analyse

    Ein Begriff, der für viele Diskussionen rund um die Neugestaltung des Platzes sorgt, fiel während des Vortrags jedoch nicht: die Tiefgarage, die das Ratsbegehren vorsieht. Dies veranlasste Karin Miethaner-Vent (Grüne) zu der Frage, welche Auswirkungen die baulichen und technischen Elemente einer solchen Tiefgarage unter einer Grünfläche auf das Mikroklima eines solchen Platzes hätten. Planer Burghardt hob hervor, dass sich diese Frage bei den Berechnungen nicht gestellt habe und technische Elemente (wie zum Beispiel Lüftungen) nicht unbedingt auf dem eigentlichen Platz verbaut werden müssten.

    Er verwies im Zuge dessen auf internationale Beispiele, bei denen die Kombination von Tiefgarage mit darüber liegender Grünfläche funktioniert. Wolfgang Scheller (CSU) äußerte sich positiv zu den Berechnungen: „Der Nutzen einer solchen Untersuchung ist groß und ist noch größer, wenn eben solche Ergebnisse herauskommen, dass beide Varianten gut fürs Mikroklima sind“.

    Wolfgang Baumann (ZfW) setzte bei dem Thema der Wasserflächen an und fragte, ob die Varianten des Ratsbegehren und der Bürgerinitiative klimatechnisch nicht gleichgestellt seien, wenn beide Wasserflächen gleich groß sind, was bei aktuellen Entwürfen nun der Fall sei. Das Planungsbüro arbeitete nämlich mit noch mit einem Entwurf der Bürgerinitiative, bei der die Wasserfläche kleiner als bei der des Ratsbegehrens ist. Hier käme es laut Burghardt auf die verschiedenen Lagebedingungen des Gewässers an, die in beiden Varianten unterschiedlich sind.

    Platz als „Stepstone“

    Wolfgang Kleiner, Umwelt- und Kommunalreferent betonte, dass beide Varianten zwar in der großen Fläche keine Auswirkungen hätten, sie aber mikroklimatisch sehr relevant seien. In dem Punkt stimmte auch Udo Feldinger (SPD) zu: „Mikroklimatische Inseln sind wichtig, um Überhitzung in der Innenstadt vorzubeugen“, meint er. Das bestätigte gegen Ende des Tagespunktes auch René Burghardt. „Kleine Grünflächen in der Innenstadt, sogenannte Step-stones, sind für eine Stadt von großer Bedeutung“.

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