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    WÜRZBURG

    Frau Düber und die OB-Frage

    Hülya Düber ist parteilos aber zur Zeit oft bei der CSU zu sehen. Welche Ambitionen hat die ehrgeizige Sozialreferentin?

    Die parteilose Sozialreferentin Hülya Düber im Kreis von CSU-Männern: links Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder, rech... Foto: Angelika Cronauer

    Beim Neujahrsempfang der CSU-Stadtratsfraktion stand Hülya Düber in der ersten Reihe. Auf dem des CSU-Ortsverbandes hielt sie eine Rede und beim dem der CSU-Frauen-Union war sie auch dabei. Dass Hülya Düber in den vergangenen Wochen häufig bei der CSU zu sehen war, befeuert Gerüchte, die schon länger in der Stadt kursieren. Danach ist die ehrgeizige 39-Jährige bei den Christsozialen als Oberbürgermeister-Kandidatin im Gespräch.

    Fakt ist, dass die Sozialreferentin von der Würzburger CSU im November mit einer Zweidrittel-Mehrheit zur Direktkandidatin für den Bezirkstag gewählt wurde. Dabei setzte sie sich gegen zwei CSU-Frauen durch – ohne selbst ein Parteibuch zu haben. Düber will als Nachfolgerin von Peter Motsch nächstes Jahr in den Bezirkstag einziehen. Der 75-Jährige ehemalige Sozialreferent stellt sich nicht mehr zur Wahl.

    Im sozialen Bereich für viele Aufgabenfelder zuständig

    „Der Bezirk Unterfranken ist im sozialen Bereich für viele Aufgabenfelder zuständig“, erklärt Düber im Gespräch mit dieser Zeitung. „Insofern macht es rein fachlich Sinn, dass die Sozialreferentin im politischen Organ, dem Bezirkstag, vertreten ist.“ Denn die Zuständigkeiten von Bezirk und Stadt für behinderte, psychisch kranke oder pflegebedürftige Menschen sind stark verzahnt. „Ich habe deshalb nicht lange überlegt, als mir die Kandidatur vorgeschlagen wurde.“

    Dass es ein Vorteil für die Stadt ist, wenn die Sozialreferentin im Bezirkstag ihre Interessen vertritt, ist auch der Grund, warum CSU-Fraktionsvorsitzende Christine Bötsch hinter der Bezirkstags-Kandidatur Dübers steht. Genauso hilfreich sei, wenn die Spitze der kommunalen sozialen Einrichtungen gut über die aktuellen Entwicklungen des Bezirks informiert ist. „Das war schon bei Peter Motsch so.“

    CSU-Mitgliedschaft wäre schön

    „Natürlich hätten wir es schön gefunden, wenn Hülya Düber CSU-Mitglied wäre“, erklärt Bötsch. Doch das sei für sie, angesichts der faktischen Vorteile, keine zwingende Voraussetzung.

    Um die Parteibasis von diesen Vorteilen zu überzeugen, nutzt die Bezirkstagskandidatin jetzt die Gelegenheit, auf Neujahrsempfängen mit Menschen in Kontakt zu kommen.

    Düber erklärt, dass sie mit der CSU-Fraktion des Stadtrats gut zusammen arbeite. In inhaltlichen Positionen würde man übereinstimmen. „Da gibt es sicher eine große Nähe.“

    Lob für die Arbeit der Sozialreferentin

    „Ich möchte weiterhin Ansprechpartner für alle Stadträte sein“, begründet Düber ihre Entscheidung parteilos zu bleiben. Und ergänzt: „Das gilt unter den heutigen Rahmenbedingungen. Ja, vielleicht kann ich mir es für die Zukunft vorstellen.“

    Die Sozialreferentin hat im Stadtrat quer durch die Parteien einen guten Stand. Ihre Arbeit, gerade in der Flüchtlingskrise, wird von allen gelobt. Generell spielt bei kommunaler Sozialpolitik Parteipolitik nur selten eine Rolle. Wichtige Entscheidungen werden im Rat fast immer einstimmig beschlossen.

    Hat sie eine konkrete Zukunft im Sinn? Zum Beispiel die, als Oberbürgermeister-Kandidatin der CSU bei der nächsten Kommunalwahl anzutreten? Düber: „Ich bin sehr gerne Sozialreferentin und möchte das noch sehr lange bleiben.“

    Zwei verlorene Bürgerentscheide

    Dass die Würzburger CSU nicht so ganz glücklich mit CDU-Oberbürgermeister Christian Schuchardt ist, hat die Redaktion dieser Zeitung aus mehreren Quellen erfahren. Schuchardt wurde 2014 als gemeinsamer Kandidat von CSU, WL und FDP ins Amt gewählt. Als Grund werden zwei verlorene Bürgerentscheide („Rettet das Moz“ und „Grüner Platz am Theater“) sowie die schleppende Umsetzung von Projekten angeführt, die den Christsozialen wichtig sind.

    CSU-Fraktionschefin Bötsch erklärt, auf Anfrage dieser Redaktion, dass die CSU-Stadträte mit der Arbeit Schuchardts zufrieden seien. Man schaue sich auch nicht nach einem OB-Kandidaten für 2020 um. Bötsch: „Wir haben einen Oberbürgermeister und die Fraktion steht hinter ihm.“

    Hülya Düber

    Die Würzburger Sozialreferentin wurde als Hülya Bandak am 5. Juli 1978 in Miltenberg geboren. Ihre Eltern waren türkische Gastarbeiter. Sie wuchs mit einer Zwillingsschwester in Burgstadt auf, hat nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr gemacht und begann 1999 in Würzburg Jura zu studieren. Danach arbeitete sie als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Ankara an ihrer Promotion. Nach einer einjährigen Tätigkeit als Anwältin mit dem Schwerpunkt privates und öffentliches Baurecht wurde sie 2010 Leiterin der Bauaufsicht. 2013 übernahm sie die Leitung der allgemeinen Bürgerdienste. Seit Januar 2015 ist sie Sozialreferentin der Stadt. Sie ist stellvertretende Vorsitzende im Sozialausschuss des Bayerischen Städtetags. Hülya Düber ist verheiratet und hat zwei Kinder.

    „Da gibt es sicher

    eine große Nähe.“

    Sozialreferentin Hülya Düber zu ihrem Verhältnis zur CSU

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