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    WÜRZBURG

    „Soldiers of Odin“ sind in Würzburg unerwünscht

    Im Rathaus grenzt man sich von der rassistischen Bürgerwehr klar ab. Und Hilfsorganisationen nehmen keine Spenden von den selbst ernannten Ordnungshütern an.

    Sozialreferentin Hülya Düber äußerte sich im Würzburger Stadtrat zu den „Soldiers of Odin“. Foto: Stadt Würzburg

    Die „Soldiers of Odin“, eine auf drei Kontinenten agierende rassistische Bürgerwehr mit Dependance in Würzburg, war Thema einer Anfrage im Stadtrat. Lore Koerber-Becker (SPD) wollte wissen, ob die Organisation der Verwaltung bekannt sei und was gegen sie unternommen werden könne.

    Hülya Düber, die städtische Sozialreferentin, antwortete in Vertretung des Ordnungsreferenten Wolfgang Kleiner, die Verwaltung wisse seit Oktober von der Existenz der „Soldiers of Odin“. Die Haltung der Verwaltung ist klar, ihr Tenor: Solche Gruppen sind in Würzburg weder gewünscht noch gewollt. Würzburg brauche so etwas nicht.

    Die hiesigen „Soldiers of Odin“ laufen vornehmlich samstags Patrouille in Würzburg und anderen bayerischen Städten. In internen Verhaltensregeln, die der Redaktion vorliegen, geben sie sich auf, dass nicht mehr als vier „Soldiers“ eine Patrouille bilden, „da man sonst unter Umständen gegen das Versammlungsverbot verstößt“.

    Martialische Auftritte

    Ihre nächtlichen Auftritte sind martialisch. Vom Leibesumfang her zum Teil beeindruckende Gestalten in Shirts und Jacken mit „Soldiers“-Aufschrift und -Emblem können Nachtschwärmern Angst einjagen, besonders wenn sie in dunklen Ecken wie im Ringpark unterwegs sind. Ihre und die Verlautbarungen ihrer Mitglieder in den Sozialen Medien, viele mit gewalthaltigen, vermeintlich der nordischen Mythologie entnommenen Bildern, sind nationalistisch und rassistisch. Sie zeigen verbotenerweise die „Odalrune“, wie sie die Hitlerjugend und eine SS-Division getragen hat. Führende Mitglieder wie der Vize-Chef der bayerischen „Soldiers of Odin“, ein Würzburger, marschieren mit, wenn Rechtsextremisten wie die Kleinstpartei „Der III. Weg“ auf die Straße gehen.

    Wie andere rechtsextremistische Gruppen und Parteien versuchen auch die „Soldiers of Odin“, sich Renommee über die Obdachlosenhilfe und die Tierhilfe zu verschaffen. Mit Wohlfahrtsverbänden und anderen Hilfsorganisationen arbeiten sie nicht zusammen. Tierschützer und Tierhandlungen wehren sich dagegen, von ihnen vereinnahmt zu werden.

    So schreibt die TierTafel Würzburg in einer Pressemitteilung, die „Soldiers of Odin“ versuchten, in Tierschützerkreisen Anhänger zu werben „und ihr Image durch angebliches Engagement für den Tierschutz zu polieren“. Die TierTafel, die nach eigenen Angaben monatlich etwa eine Tonne Tierfutter an arme Tierhalter ausgibt, kündigt an, keine Spenden von den „Soldiers“ anzunehmen. „Dass man Spenden braucht, bedeutet nämlich nicht, dass man einen Pakt mit dem Teufel schließen muss.“

    Tierhandlung geht auf Distanz

    Auch Tierhandlungen, die den „Soldiers“ Tierfutter spendeten, ziehen ihre Unterstützung zurück. So hatte eine Mitarbeiterin von Zoo & Co. den „Soldiers of Odin“ auf deren Bitte einen Einkaufswagen mit abgelaufenem Tierfutter überlassen. Auf Facebook teilt das Unternehmen jetzt seinen Kunden mit, erst später habe sich herausgestellt, „dass die Personen einer rechtsradikalen Gruppierung nahestehen“.

    Es sei „niemals niemals die Absicht von uns, eine solche Organisation zu unterstützen“.

    Das Tierheim hat eine Tierfutterspende der „Soldiers“ angenommen. Reinhard Dötzer, der Vorsitzende des Tierschutzvereins, sagt, die Mitarbeiter hätten nicht erkannt, mit wem sie es zu tun haben. Das Tierheim nehme grundsätzlich „Spenden jeglicher Art entgegen, ohne Ansehen der politischen Überzeugung“. Andererseits „unterstützen wir die nicht und haben mit denen nichts am Hut“. Künftig solle verhindert werden, dass die „Soldiers of Odin“ „Schindluder treiben“, etwa durch die Veröffentlichung von Fotos, die sie vor dem Tierheim zeigen.

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