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    WÜRZBURG

    Über 5000 für ein weltoffenes Würzburg auf der Straße

    Für Toleranz plädierten die Redner bei der Demo "Würzburg ist bunt" mit 5000 Teilnehmern. Kabarettist Frank-Markus Barwasser verriet, dass Angst auch gute Seiten hat.

    Über laut Polizei 5000 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen gar von 7000, zogen bei „Würzburg ist bunt“ durch die Stadt... Foto: Patty Varasano

    Ein eindrucksvolles Zeichen für eine weltoffene Gesellschaft und gegen Fremdenfeindlichkeit haben am Samstagnachmittag über 5000 Teilnehmer der Demonstration „Würzburg ist bunt“ gesetzt.

    Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), vom Würzburger Bündnis für Zivilcourage, von den Würzburger Montagsspaziergängern und von den Religionsgemeinschaften organisierte Veranstaltung wurde von über 130 Organisationen aus einer großen gesellschaftlichen Bandbreite unterstützt.

    Vom Hauptbahnhof aus, wo Stefan Lutz-Simon vom Bündnis für Zivilcourage die Teilnehmer „am Tag unseres gemeinsamen Aufbruchs für ein weltoffenes Würzburg“ begrüßte, bewegte sich der der bunte Zug, an dem sich auch zahlreiche Politiker beteiligten, durch die Innenstadt zum Domplatz. Dort sprach sich Oberbürgermeister Christian Schuchardt nachhaltig für ein weltoffenes, tolerantes und menschenfreundliches Würzburg aus.

    Gleichzeitig ging er mit dem Würzburger Pegida-Ableger Wügida hart ins Gericht und fand deutliche Worte für den für Sonntag angekündigten Neonazi-Aufmarsch, einen Tag vor dem 16. März, an dem in der Bombennacht für 70 Jahren die Stadt in Schutt und Asche gelegt wurde: „Ich finde es unerträglich, wenn die geistige Erben der Nazis die Toten des 16. März für ihre Propaganda missbrauchen.“ Schuchardt appellierte an die Wachsamkeit der Zivilgesellschaft. Jeder vierte Würzburger habe einen Migrationshintergrund. „Ohne Zuwanderer wäre Würzburg sehr viel kleiner und ärmer“, so sein Fazit. Zuwanderer seien keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung.

    Anschließend hielten christliche, jüdische und muslimische Jugendliche das Wort „Frieden“ in Großbuchstaben hoch. Danach verlasen Vertreter der Religionsgemeinschaften, die evangelische Dekanin Edda Weise, der katholische Dompfarrer Jürgen Vorndran, Zahir Durakovic vom Islamisch-Bosnischen Kulturzentrum und Murat Kücükaydin vom Integrations-, Kultur- und Bildungsverein eine Erklärung der Religionen für den Frieden.

    Prof. Andreas Möckel von der auf Völkerverständigung ausgerichteten Kreisaus-Initiative warb als Zeitzeuge der Nazizeit und Flüchtling für ein buntes und vor allem wachsames Würzburg: „Es darf nicht mehr dazu kommen, dass Scharlatane Scharen Gutgläubiger hinter sich herziehen und die Mehrheit besorgt, aber stumm zusieht.“

    Julia Römer von der DGB-Jugend betonte, dass auch die jüngeren Generationen die Aufgabe hätten, die Erinnerung an die Zeit des Faschismus wachzuhalten und den „Geschichtsverdrehern“ mit Weltoffenheit Widerstand zu leisten.

    Zum Abschluss sorgte Frank Markus Barwasser alias Erwin Pelzig für einen weiteren Farbtupfer: Mit Spitzen gegen die „Pegida-, Wügida-, Bagida- und Frigida-Marschierer“, eine angebliche Zwangsislamisierung und vor allem gegen einfache Wahrheiten setzte der politische Kabarettist in seiner Heimatstadt auf seine Art ein buntes Zeichen. Seine abschließende Botschaft: „Machen Sie was aus Ihrer Angst, falls auch Sie Angst haben.“ Angst könne auch helfen, nachzudenken, tolerant zu sein, neue Wege zu gehen. Bei Pelzig heißt das: „Nur wer die Hosen voll hat, sucht den frischen Wind.“

    Mit dem Auftritt des Winterstein-Sintetts klang der „Tag des gemeinsamen Aufbruchs für ein weltoffenes Würzburg“ aus – vollkommen friedlich. „Null Probleme“ lautete die Bilanz von Polizei-Einsatzleiter Norbert Mohr. Kein Problem, aber eine Differenz: Während die Polizei die Teilnehmerzahl auf 5000 schätzte, sprachen die Veranstalter von 7000.

     

     

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