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    WÜRZBURG

    Am Neunerplatz: Shakespeares Macbeth in Allzeit-Inszenierung

    Am Freitag um 20 Uhr hat ein grausiges Politspektakel Premiere im Theater am Neunerplatz in der Zellerau.

    Hochschuldozent unter vielen Lehrern: Der Musikwissenschaftler Jörg Ewert als Macbeth am Neunerplatz. Foto: Karin Amrhein

    Das Theater ist bekannt für Kindertheater und Schauspiele mit viel Musik. Der „Macbeth“ von Erhard Drexler gehört zur zweiten Gruppe.

    Ein Quintett spielt Bühnenmusik und ein halbes Dutzend Songs, angelehnt an Renaissance-Kompositionen. Das macht Theater zur Unterhaltungskunst wie zu Shakespeares Zeit und es mildert die Brutalität des Geschehens ein wenig. Aber, gleich Gegengewicht: Moderne Kampfwesten besagen klar: „Gewalt als Mittel der Politik gibt es zu allen Zeiten“, so der Regisseur am Rand einer Probe eine Woche vor der Premiere.

    Eine ganze Doktorarbeit über Shakespeare hat Drexler studiert

    Eine ganze Doktorarbeit über Shakespeare hat Drexler studiert, bei der es ausschließlich um „Freiheit und Vorsehung bei Macbeth“ gegangen sei. Das hat seinen Neunerplatz-„Macbeth“ beeinflusst: „Die Hauptfiguren sehen sich als erwähltes Werkzeug der Vorsehung.“ Der Theatermacher mutmaßt, dass viele Autokraten heute eine ähnliche weltgeschichtliche Mission für sich in Anspruch nehmen.

    Aber wie gesagt: Die Inszenierung ist eher werktreu und zeit-ungebunden (wenn auch keineswegs überzeitlich!) als modernisierend. Zugegeben, eine Zinkbadewanne als einzige Kulisse neben sechs Hackklötzen, die hätte es in einer Shakespeare-Aufführung um 1900 nicht gegeben - eine Zeit, in der Anne Hansen als Lady Macbeth zu leben scheint.

    Eher Jugendstilschönheit als wilde Furie

    Sie, eher Jugendstilschönheit als wilde Furie, will ihrem Mann letztlich nur einen kleinen Kick geben, damit er den nächsten Mord auch tatsächlich durchzieht. So agieren sowohl die Figuren als auch ihre beiden Schauspieler auf Augenhöhe miteinander, denn Jörg Ewert spielt Zögern und Zweifel des Karrieristen Macbeth deutlich stärker aus als seine Überzeugung, der Thron gehöre dank einer Prophezeiung ihm. Wenn dieser etwas tapsige Bär sich sein Zottelgewand überstülpt, dann weist die Inszenierung noch einige Jahrhunderte tiefer als 1600 in die Zeiten zurück.

    Inklusive Titelpaar agieren zehn Schauspieler - unter denen der Lehreranteil im bürgerlichen Leben auffallend hoch ist - in 40 Rollen. Keine Angst, man behält den Überblick, zumal ja einige tot aus der Zählung ausscheiden. Und das schottische Thronfolgerecht des 11. Jahrhunderts war eben ein bisschen eigen, was man aber als heutiger Mitteleuropäer nicht im Detail verstehen muss.

    Nur wenige Stellen sind vereinfacht

    Gut folgen kann man hingegen der Übersetzung von Friedrich Schiller, die in ihrem eigenen Glanz und ihrer gelegentlichen Umständlichkeit weitgehend belassen wurde. Nur wenige Stellen sind vereinfacht oder durch Alternativübertragungen ersetzt. Schon bei der letzten Probe vor den Komplettdurchläufen saß der Text bei den Schauspielern fast vollständig in sinnvollen Betonungen.

    Wenn da noch etwas holperte - drei oder vier Wörter nach dem Neuansetzen fand sich der Zuschauer mitten im seelischen oder militärischen (oder beides) Aufruhr wieder. Übrigens auch ein Kunststück bei der zersplitterten Nummernfolge dieses Dramas: Die neue Würzburger Inszenierung gleitet fließend von einer der vielen kleinen Szenen zur nächsten. Die Musik ist dabei nicht nur schön, sondern auch nützlich.

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