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    WÜRZBURG

    Bevor die Kinder zerbrechen

    In der Erziehungsberatungsstelle des SkF finden Familien nach einer Trennung Hilfe. Dabei geht es vor allem um Kommunikationsstrategien, um das Kind zu schützen.

    Verena Delle Donne, Leiterin der SkF-Erziehungsberatungsstelle, und ihr Stellvertreter Peter Imhof bieten getrennten Paa... Foto: Pat Christ

    Wenn Tanja (Name geändert) am Sonntagabend von Papa zurückkommt, ist sie immer ganz durch den Wind. Jedes Mal muss sich die 13-Jährige anhören, wie „blöd“ Mama ist. Und ihr neuer Freund erst! „Der geht ja gar nicht“, spottet Papa. Was Tanja ihrer Mama auch erzählt. „Ich halte das nicht mehr aus“, meint Tanjas Mama zu Peter Imhof von der Erziehungsberatungsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Zwei Jahre sind Tanjas Eltern inzwischen schon getrennt. Und noch immer herrscht Krieg.

    Tanja würde sich nichts mehr wünschen, als dass Mama und Papa wieder zusammenkämen. Natürlich erinnert sich das Mädchen daran, dass es auch früher oft nicht gut war. „Die Eltern trugen ihre Konflikte vor dem Kind aus“, erklärt Peter Imhof, der Familien vor, während und nach der Trennungsphase berät. Dass sich Tanja ihre Familie zurückwünscht, obwohl sie sich mit dem neuen Freund der Mutter gut versteht, ist dem Psychologen zufolge typisch. Da kann die Ehe der Eltern noch so konfliktgeladen gewesen sein – Kindern erscheint alles besser als der jetzige Zustand, der für sie bedeutet, ständig zwischen Mama und Papa pendeln zu müssen.

    Neue Streitigkeiten vermeiden

    Tanja wohnt unter der Woche bei Mama, am Wochenende geht sie zu Papa. Die Eltern sehen sich jedoch nicht nur bei den Übergaben. Zwischendurch müssen sie immer wieder Dinge abstimmen. Tanja möchte zum Beispiel die Schule wechseln. „Dafür braucht es die Unterschrift beider Eltern“, sagt Verena Delle Donne, die den Psychotherapeutischen Beratungsdienst des SkF für Eltern, Jugendliche und Kinder seit Juli leitet. Bald steht außerdem ein Urlaub an. Tanjas Eltern müssen sich einigen, wer die Tochter wann mit in die Ferien nimmt.

    „Wir bieten Eltern an, hier bei uns alle Angelegenheiten zu besprechen, die sich um das Kind drehen“, erläutert Verena Delle Donne. Dadurch sinke das Risiko, dass es erneuet zu Streitigkeiten kommt – die am Ende vor dem Kind ausgetragen werden. Tanjas Mutter findet dieses Angebot gut. Doch ihr Ex-Mann hat kein Interesse daran, sich beraten zu lassen. Seit einem halben Jahr kommt Tanjas Mama deshalb im Zwei- bis Drei-Wochen-Abstand alleine oder mit ihrer Tochter zum SkF.

    Bei den letzten Malen stand das Thema „Kommunikation“ im Mittelpunkt. Tanjas Mutter muss lernen, Gespräche so zu führen, dass sie nicht immer wieder eskalieren. Peter Imhof gab ihr dafür viele Tipps. Zum Beispiel sollte Tanjas Mama tunlichst „Du-Sätze“ a la „Du bist nicht zu ertragen...!“ vermeiden und stattdessen immer bei sich bleiben: „Ich möchte noch mal auf den Urlaub zurückkommen...“

    900 Familien aus Stadt und Landkreis werden jährlich betreut

    Das ist anstrengend, fand sie beim Telefonat mit ihrem Ex heraus. Doch sie schaffte es, den Tipp umzusetzen. Noch viel schwieriger war es, einen anderen Rat von Peter Imhof zu beherzigen. Der Psychologe legte Tanjas Mutter nahe, ihren Ex-Mann vor der Tochter in Schutz zu nehmen, wenn er sie wieder einmal beleidigt hatte: „Weißt du, Papa ist einfach noch sehr verletzt, deshalb sagt er solche Sachen.“ Eigentlich sträubte sich ihr innerstes Gefühl dagegen, doch sie wusste, dass sie Tanja mit dieser Strategie immens entlasten würde.

    Das Thema „Trennung“ und „Scheidung“ spielt laut Verena Delle Donne eine große Rolle in der Erziehungsberatungsstelle des SkF. Von den fast 900 Familien aus Stadt und Kreis Würzburg, die jedes Jahr begleitet werden, lebt die Hälfte getrennt. In nahezu jedem vierten Beratungsfall stehen „Trennung“ oder „Scheidung“ im Mittelpunkt. „Uns geht es bei der Beratung in erster Linie um das Wohl des Kindes“, betont die Psychologin. Kinder, die permanent dem Krieg ihrer Eltern ausgesetzt sind, können darunter schwer leiden. Manche werden lebenslang belastet.

    Ab sofort Anmeldungen für Oktober-Kurs

    Seit vier Jahren bietet die Beratungsstelle des SkF mit „Kinder im Blick“ auch einen Kurs für getrennte Eltern an. Bis zu zehn Eltern treffen sich insgesamt sieben Mal, um mit- und voneinander zu lernen, wie sie mit Blick auf ihr Kind schwierige Situationen gut bewältigen können. Auch hier geht es darum, sich Kommunikationsstrategien anzueignen. „Die üben wir im Rollenspiel ein“, so Kursleiter Imhof. Die Eltern lernen aber auch, ihr Kind zu stärken und zu unterstützen – in seiner Traurigkeit aufgrund der Trennung, aber auch in seiner Wut.

    Soeben ist ein „Kinder im Blick“-Kurs zu Ende gegangen. Im Juni werden sich alle Teilnehmer noch einmal treffen, um sich darüber auszutauschen, was sie gut umsetzen konnten und womit sie noch immer Schwierigkeiten haben. Im Oktober startet ein neuer Kurs. Interessierte Mütter und Väter können sich dafür bereits anmelden. Allerdings: Von jedem getrennten Paar kann immer nur ein Elternteil teilnehmen. Es gibt jedoch in Würzburg Parallelkurse, die zum Beispiel vom Evangelischen Beratungszentrum angeboten werden. Günstig aus Sicht der Erziehungsberater wäre es, wenn beide Eltern den Kurs parallel absolvieren würden.

    Kontakt zum Psychotherapeutischen Beratungsdienst des SkF für Eltern, Jugendliche und Kinder gibt es unter Tel. (09 31) 4 19 04 61 oder ptb@skf-wue.de.

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