• aktualisiert:

    ROTTENDORF

    Feldhamster bremst Häuslesbauer aus

    Im geplanten Rottendorfer Neubaugebiet „Sand West“ wurden die geschützten Tiere entdeckt. Jetzt ist guter Rat teuer.

    Warnende Stimmen hat es schon früh gegeben. Seit kurzem steht nun tatsächlich fest: Der seltene und streng geschützte Feldhamster ist auch in dem geplanten Neubaugebiet „Sand West“ heimisch. Dies hat Folgen: Die Gemeinde sieht sich nun dazu gezwungen, die Planungen für den nördlichen Teil zumindest vorübergehend auf Eis zu legen. „Vorerst wird nur der südliche Teil zur Rechtskraft gebracht“, zog Bürgermeister Roland Schmitt (CSU) in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats die ernüchternde Konsequenz daraus.

    Zu Berühmtheit war der Feldhamster vor einigen Jahren gelangt, als etwa zwei Dutzend der kleinen Nager ausreichten, um den Bau des Ikea-Möbelmarktes im Würzburger Norden deutlich zu verzögern.

    Von Seiten der Gemeinde heißt es in einer Mitteilung dazu: „Mit dieser Entwicklung konnte, schon wegen der Bodenbeschaffenheit, niemand rechnen.“ Die Überraschung sei nun entsprechend groß.

    Löss und Lehm bevorzugt

    Der Feldhamster ist auf tiefgründige Löss- und Lehmböden angewiesen wie sie auch rund um Rottendorf vorkommen. Westlich von Rottendorf haben sich darüber jedoch Flugsande gelegt. Noch bei einer Begehung im Rahmen der artenschutzrechtlichen Prüfung im Januar 2016 sei kein einziger Hamsterbau aufgetaucht. Auch hätten die seit Jahrzehnten auf dem Gebiet wirtschaftenden Landwirte der Verwaltung bestätigt, dass es im „Sand“ keine Hamster gebe.

    Lesen Sie dazu das Interview mit der Leiterin der Naturschutzbehörde am Landratsamt: Einen Umzug der Hamster prüfen

    Dass der Feldhamster sich dennoch in dem Gebiet zwischen Rottendorf und Würzburg wohlfühlt, wurde erst deutlich, als zum Ende der Getreideernte 2016 ein aufmerksamer Spaziergänger das Foto eines der wuseligen Tierchen an die untere Naturschutzbehörde schickte. Daraufhin sei, heißt es aus der Gemeindeverwaltung, eine Kartierung durchgeführt und „einige Hamsterbaue“ gefunden worden.

    Während die Gemeinde für den Südteil bereits eine Lösung gefunden hat, steht derzeit noch nicht fest, wie es mit der nördlichen Hälfte genau weitergeht. Zunächst werde im Frühjahr nochmals eine genaue Kartierung der Hamsterbauten erfolgen, berichtete Schmitt in der Sitzung. Von dem Ergebnis hänge es dann ab, wie es mit dem Hamster und der Erschließung des überwiegend für frei stehende Familienhäuser vorgesehenen Gebiets weitergehe.

    Sicher sei: Man könne den Hamster nicht einfach ausbuddeln und mit den Händen umsiedeln, so Schmitt. Für eine Umsiedlung des Hamsters ist eine artenschutzrechtliche Genehmigung nötig. Hierfür ist die Regierung von Unterfranken verantwortlich.

    Hamsterfreundlich

    Denkbar sei, so die Gemeinde in ihrer Mitteilung, die ohnehin bereits für das Baugebiet erworbene Ausgleichsfläche in der Flurlage „Speierleinsgraben“ „hamsterfreundlich“ zu gestalten. Auf einer Größe Fläche von 3,5 Hektar könnte dann der Hamster neue Bauten buddeln. Ob dies ausreicht oder ob weitere Schritte nötig sind, dazu hat die höhere Naturschutzbehörde in der Regierung das letzte Wort.

    Deutlich anders ist die Situation im Südteil – die Grenze liegt etwa auf der Höhe der „Grünewaldstraße“ –, wo nur vereinzelt Hamsterbauten aufgetaucht sind. Eine Schwarzbrache, unmittelbar angrenzend an die bebaute Fläche, reicht nach Ansicht der Gemeinde aus, um dem Artenschutz genüge zu tun.

    Vertrag mit Bauer geplant

    Hierzu ist geplant, mit einem Bauern einen Vertrag abzuschließen, der das zweieinhalb Hektar große Landstück nach den Anforderungen des „Feldhamsterschutzprogramms“ bewirtschaftet. Unter anderem ist vorgesehen, Getreide und Luzerne im Wechsel anzubauen. Dies soll den Hamster dazu verlocken, in das für ihn dann ideale Besiedlungsgebiet mit abwechslungsreichem Speiseplan auszuweichen. Auch für bodenbrütende Vogelarten ist diese Bewirtschaftungsart von Vorteil.

    Gemeinsam mit den Nachbargemeinden Estenfeld, Kürnach und auch der Stadt Würzburg sei die Gemeinde Rottendorf derzeit dabei, nach gemeindeübergreifenden Lösungen zum Schutz des Feldhamsters zu suchen, heißt es aus dem Rathaus.

    Aufgrund der Änderungen im Bebauungsplan ist eine weitere öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes. Sie wird von Anfang April bis in die erste Maiwoche stattfinden.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!