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    ERLABRUNN

    Erlabrunn-Prozess: Zeuge im Gerichtssaal festgenommen

    Wie starb Gisela K.? Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Würzburg soll darauf die Antwort liefern. Am vierten Prozesstag überschlugen sich dabei die Ereignisse.

    Im Erlabrunn-Prozess um den Unfalltod der 71-jährigem Gisela K. machte Staatsanwältin Martina Pfister-Luz jetzt Ernst: Mehreren zögerlichen Zeugen drohte sie am vierten Prozesstag Ermittlungen wegen Falschaussage an. Bei einem hochrangigen Mitglied der Leinacher Feuerwehr ließ sie dann am Nachmittag Taten folgen: Der Mann wurde im Gerichtssaal wegen des Verdachts vorläufig festgenommen, eine Art Geständnis des Angeklagten verschweigen zu wollen. Am Ende der Verhandlung am späten Nachmittag wurde der Mann noch einmal in den Zeugenstand gebeten. Dabei hat er seine zuerst getätigten Zeugenaussagen weitgehend revidiert und durfte deshalb anschließend den Gerichtssaal verlassen.

    Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 71-jährige Gisela K. am Morgen des 5. Januar 2016 vor ihrem Haus an einer Engstelle der Ortsdurchfahrt in Erlabrunn (Lkr. Würzburg) versehentlich unter die Räder eines Streufahrzeuges geriet. Der Mann, der den Traktor fuhr, bestritt den Vorwurf der fahrlässigen Tötung ebenso wie den Verdacht, Unfallflucht begangen und versucht zu haben, seine Tat zu vertuschen. Auch er ist ranghohes Mitglied der Feuerwehr – in Erlabrunn.

    Wichtige Aussage eines Feuerwehrmanns

    Der Aussage des Leinacher Feuerwehrmannes kommt große Bedeutung zu: Denn laut ihm soll der Angeklagte etwa zwei Wochen nach dem Unfall bei seinem Leinacher Kollegen Aussagen gemacht haben, die wie ein Geständnis gewertet werden könnten: Er habe beim Streuen an der Unfallstelle „etwas Weiches“ bemerkt, sei aber weitergefahren und habe telefonisch seine Frau gebeten, an der bezeichneten Stelle nachzuschauen.

    Bürgermeister informierte Polizei

    Der Leinacher Feuerwehrmann soll dies dann am Tag nach dieser Begegnung (etwa 14 Tage nach dem Unfall) dem Leinacher Bürgermeister Uwe Klüpfel bei einer Autofahrt erzählt haben. Zumindest verstand der das so und blieb bei dieser Aussage auch jetzt im Zeugenstand. Wochen später erzählte der Leinacher Bürgermeister dies seinem Erlabrunner Kollegen Thomas Benkert, der pflichtgemäß die Polizei informierte.

    Feuerwehrkollege bestreitet die Aussage vor Gericht

    Der Feuerwehrmann hatte diese Äußerung bei der Polizei bestritten. Auch jetzt sagte er vor Gericht, da müsse der Bürgermeister „etwas missverstanden“ haben. Ihm habe der Angeklagte nichts dergleichen gesagt. „Einer von beiden lügt“, sagte Anwalt Hanjo Schrepfer, der mit zwei Kollegen die Familie der Getöteten vertritt. Die Aussage des Bürgermeisters wirkte plausibel. Aber auch ein weiterer Zeuge, der mit im Auto des Bürgermeisters gesessen hatte, hatte keine Erinnerung daran – obwohl er auf dem Beifahrersitz alles mitbekommen haben muss, was gesprochen wurde.

    Der vierte Prozesstag ist beendet. Ein aktuelle Zusammenfassung folgt am Abend.

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