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    WÜRZBURG

    Sicherheitskonzept zum Stadtfest wächst auf 250 Seiten

    Die absolute Sicherheit gibt es nicht bei einem Stadtfest. Schließlich lässt sich die Würzburger City nicht einzäunen. Details zum Sicherheitskonzept.

    Zum 29. Würzburger Stadtfest werden am Wochenende wieder wie in den Vorjahren an den zwei Tagen weit mehr als 100 000 Besucher erwartet. Wie können die Organisatoren eine ganze Innenstadt sicher machen?

    Im Juli 2016 sprengt sich ein 27-jähriger Flüchtling mit einer Bombe vor einem Festival-Gelände in Ansbach in die Luft. Der Attentäter stirbt, 15 Menschen werden schwer verletzt. Im Dezember 2016 rast ein Laster in eine Menschenmenge auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, gesteuert von einem Attentäter. Elf Menschen finden den Tod, 55 werden verletzt.

    Aber was kann man angesichts der angespannten Sicherheitslagen alles tun, um auch auf das subjektive Sicherheitsbedürfnis der Menschen in Unterfranken einzugehen beim Würzburger Stadtfest am Freitag, 15. und Samstag, 16. September?

    „Wir bauen keine Festung um unsere Innenstadt“

    Uwe Zimmermann, Chef des städtischen Ordnungsamtes, hat eine klare Meinung dazu: „Wir wollen sicher leben, aber wir bauen keine Festung um unsere Innenstadt.“ Er und Wolfgang Weier, Geschäftsführer das Stadtmarketings „Würzburg macht Spaß“, haben wie im Vorjahr das Sicherheitskonzept in großer Runde erarbeitet. Hatte es 2016 noch 140 Seiten, so ist es 2017 auf 250 Seiten angewachsen, ein ganz schön dickes Buch also.

    Warum so viele Seiten? Gibt es denn eine konkrete und aktuelle Bedrohungslage für Unterfranken? „Wir stehen ständig in Kontakt zur Polizei“, sagt der Stadtjurist. Deren Aussage dazu: Es gebe eine abstrakte Bedrohung in Europa, aber Einzelerkenntnisse für Unterfranken lägen nicht vor. Die Würzburger Polizei sieht also keine Bedrohungsszenarien.

    Viele Kräfte arbeiten am Sicherheitskonzept mit

    Am Sicherheitskonzept wirkten viele Kräfte mit, erläutert Zimmermann. Fest-Organisatorin Stadtmarketing, Ordnungsamt, Rettungsdienst, Würzburger und Bundespolizei, Feuerwehr, Straßenverkehrs- und Tiefbauamt. Und jedes Jahr werde es angepasst und weitergeschrieben.

    Eine Gefahr für die allgemeine Sicherheit habe es 2016 nicht gegeben, erinnert sich Weier. Und bei mehr als 100 000 Besuchern an zwei Tagen muten diese Fälle eher unbedeutend an: In drei Fällen rutschten Radler auf Straba-Schienen aus. Ein Besucher erlitt einen Herzinfarkt und ein jugendlicher Punk tanzte in der Mittagszeit vor einer Bühne und bespritzte Passanten mit Bier.

    Was ist denn nun neu am Sicherheitskonzept für das Stadtfest? „Wir haben einen anderen räumlichen Ausdehnungsbereich“, sagt Zimmermann. Denn: Die Semmelstraße ist in diesem Jahr nicht dabei, ebenso wenig wie der Kardinal-Faulhaber-Platz. Der hat ja wie berichtet neuen Rollrasen bekommen. Und der ist noch nicht trittfest.

    Konzert mit Max Giesinger

    „Unser Stadtfest verdichtet sich in der Innenstadt“, sagt Organisator Weier. Und dann gebe es auch neue Veranstaltungsformate. Wie zum Beispiel das kostenlose Konzert von Deutschlands Superstar Max Giesinger am unteren Markt auf der Bühne von Radio Gong am Freitag ab 20.30 Uhr.

    Dafür braucht es ein ganz eigenes Sicherheitskonzept, denn Zimmermann kann nicht genau einschätzen, wie viele Fans auf den Marktplatz kommen werden. Und so werden an diesem Abend mehr private Sicherheitsleute eingesetzt, als sonst beim Stadtfest. 46 geschulte Kräfte sind dann unter anderem auf dem Platz im Einsatz.

    Keine Sperren

    Zugangssperren werde es zu Beginn nicht geben, fährt Zimmermann fort. „Wir werden aber den Marktplatz genau im Auge behalten und zählen von oben aus Fenstern heraus die Besuchermenge. Ab 17 Uhr klicken wir an den Zugängen die Besucherströme.“ Sollte die Zahl der Musifans auf 7000 ansteigen, werde der Marktplatz mit Einlass-Schleusen, die am Rand stehen, aus Sicherheitsgründen dicht gemacht. „Wir nutzen aber die Platzkapazität bei weitem nicht aus“, sagt Weier.

    Ein Verbot von großen Taschen oder Rucksäcken – wie auf dem Oktoberfest in München – wird es in Würzburg nicht geben. Aber es gilt der dringende Appell von Polizei und dem städtischen Ordnungsamt: Diese Gegenstände sollten zu Hause bleiben. An beiden Tagen werden privater Sicherheitsdienst und der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) bei Bedarf Kontrollen durchführen.

    Wandelnde Notrufsäulen

    An beiden Tagen werden klar gekennzeichnete Sicherheitsleute die Funktion von wandelnden Notrufsäulen übernehmen, sagt der Chef des Ordnungsamtes. Um dem subjektiven Sicherheitsbedürfnis der Besucher Rechnung zu tragen, sind am Freitag, zusätzlich zu den 46 Fachkräften beim Giesinger-Konzert zehn Sicherheitsleute an den weiteren Bühnen eingesetzt, sechs laufen Streife durch die Straßen, Und am Samstag wird noch aufgestockt: Dann stehen in den Bühnenbereichen zwölf Securitys bereit, 13 laufen Streife und sechs stehen an den abgesperrten Straßen.

    Es wird in jedem Fall genug Ansprechpartner geben, wenn jemand Fragen hat oder wenn ein Besucher etwas Verdächtiges bemerkt, machen Weier und Zimmermann deutlich. 25 Service-Mitarbeiter vom Stadt-Marketing sind unterwegs, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Polizei setzt eine unbekannte Anzahl von Beamten in Uniform und in Zivil ein. Die städtischen Mitarbeiter des KOD laufen bis 24 Uhr Doppelstreifen. Etwa zehn Leute fungieren als Straßen-Beauftragte mit Ausweis.

    Sanitäter mit Wagen im Einsatz

    Die medizinische Versorgung ist auch gewährleistet. Je ein Wagen steht am Rathauseingang in der Nähe des Gedenkraumes zum 16. März und neben der Buchhandlung Hugendubel. Und für das Max-Giesinger-Konzert rücken noch mal drei Sanitätswagen an.

    „Die Kosten für die Organisation eines Stadtfestes betragen etwa 60 000 Euro“, schätzt Weier. WümS übernehme über die Standgebühren der Einzelhändler die Kosten für die privaten Sicherheitsleute in der Stadt. Die Bühnenbetreiber bezahlen ihre eigenen Kräfte.

    Ohne Scheu Polizei anrufen

    Wer etwas sieht, das ihm verdächtig vorkommt, soll sich ohne Scheu an die Polizeibeamten oder Sicherheitsleute wenden oder gleich die Notrufnummer 110 anrufen.

    Und diese Tipps gibt es noch von Zimmermann und Weier: Besucher sollten möglichst mit Bus oder Bahn zum Fest kommen. Und Anwohner, die ein städtisches Sperrschild vor ihrem Haus vorfinden, sollten gewärtig sein, dass ihr Fahrzeug ab Samstag, 6 Uhr, abgeschleppt wird. Der Veranstalter hat auch eine eigene Hotline eingerichtet: WümS ist unter Tel. (09 31) 3 53 67 54 erreichbar.

     

     

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