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    ROTTENDORF

    Neues Leben im alten Gut Wöllried

    Der Wöllriederhof im Osten der Stadt Würzburg auf Rottendorfer Gemarkung erzählt eine große Geschichte. Nun gibt es große Zukunftspläne: Landwirtschaft und Gastlichkeit sollen hier eine kreative Verbindung eingehen.

    Der Wöllriederhof im Osten der Stadt Würzburg auf Rottendorfer Gemarkung erzählt eine große Geschichte. Fast 800 Jahre gibt es das landwirtschaftliche Anwesen. Fürstbischöfe, das Bürgerspital und auch die Stadt Würzburg zählten zu ihren Besitzern. Die letzten Jahrzehnte waren geprägt von unterlassenem Unterhalt. Nun schlägt dort der Lengfelder Landwirt und Stadtrat Wolfgang Roth nach 50 Jahren des Stillstandes ein neues Kapitel auf. Hier sollen einmal Landwirtschaft und Gastlichkeit eine kreative Verbindung eingehen.

    Dass sich in dem großen Hof mit 16 alten Gebäude etwas tut, ist gerade jetzt unübersehbar. Der Rottendorfer Gärtnermeister Julian Böck hat hier Christbäume aus regionalem und zertifiziertem Anbau zum Verkauf aufgestellt. Dazu gibt?s, täglich von 10 bis 18 Uhr, Glühwein, Craft-Bier und Pizza und dank des des Streichelhofes Biengärtlein aus Lindelbach auch eine lebende Krippe mit Kuh, Ziegen, Esel und einem Pony. Und es gibt die Gelegenheit, sich das alte Anwesen anzusehen und was sich dort schon alles getan hat.

    Die Gärtnerei Böck, ein 80 Jahre alte Traditionsfirma, ist auch bei der weiteren Entwicklung des Wöllriederhofes mit dabei. Julian Böck wird den Betrieb von Rottendorf hierher verlegen, am Rand des Gutshofes ein Gewächshaus mit 3500 Quadratmeter bauen und Pflanzflächen auf 1,5 Hektar südlich des Hofes anlegen. Spätestens im Herbst will er den Betrieb dort aufgenommen haben. Auch im Hof selbst hat sich schon viel getan, vor allem bei der Renovierung der stark heruntergekommen 16 Gebäude, die den Hof umgeben. So wurde das so genannte Unterverwalterhaus wieder hergerichtet. Dort ist die Schuhmacherin Lysann Bauer aus Rottendorf mit ihrer Werkstatt eingezogen, um historisches Handwerk zu pflegen. Nebenan ist ein Gebäude zur Pflege landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte schon fast fertig. Vor der Fertigstellung stehen die neuen Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter in der Landwirtschaft nebenan.

    Nun geht Wolfgang Roth ans Große ran. Am Montag (7. Dezember) beschäftigt sich der Bauausschuss der Gemeinde Rottendorf mit seinen Plänen. Die Gemeinde habe über alle Fraktionen hinweg das Projekt von Anfang an mit Ortsbegehungen, Anregungen und Beschlüssen konstruktiv begleitet. So wurde unter anderem der Name des Wöllriederhofes in Gut Wöllried verändert.

    Vor 20 Jahren hat Roth das landwirtschaftliche Unternehmen von seinen Eltern Josefine und Roman Roth übernommen und fünf Jahre später mit Matthias Heinrich den Agroservice Wöllriederhof für Landwirtschaft, Handel und Dienstleistung gegründet, das vom Hof aus über 600 Hektar Ackerland bewirtschaftet, Zuckerrüben, Raps und Getreide wie Dinkel und Roggen anbaut und am Programm für Artenvielfalt zum Schutz von Feldhamster, Wiesenweihe und anderen Tierarten teilnimmt.

    Schon 1986 hatte die Familie Teilflächen des Hofes und zwei Gebäude von der Stadt erworben, in den Folgejahren weitere Gebäude dazu gekauft und weitere am Rande des Hofes neu gebaut. 2014 schließlich erwarb Wolfgang Roth im Bieterverfahren den großen Rest des lange Jahre nur extensiv als Reiterhof genutzten Anwesen und das dazugehörige Land.

    Nun also soll nach den Plänen der Eibelstädter Architekten Haas neben der Werkstatt, die vor der Vollendung steht, ein Heimatmuseum für Rottendorf oder ein Kreativbereich für Designer oder Architekten entstehen.

    Die alte Scheune wird Kulturscheune mit zwei Gasträumen für 200 und für 60 Personen. Einen Interessenten, der die Gastronomie bei Feiern betreibt, gibt es schon. Der alte Stall daneben soll eine Ausstellung für Landwirtschaft aufnehmen

    An der Westseite ist im Gebäude mit großem Kuppelgewölbe ein Hofladen geplant, ins Haus daneben mit seinem Kreuzgewölbe kommt eine Weinstube mit Biergarten im Hof. Die angrenzende Scheune ist baufällig und soll abgerissen werden. An ihrer Stelle entsteht ein neues Hotel für Urlaub auf dem Bauernhof. Auch dafür gibt es bereits einen Interessenten.

    Die Scheunen daneben sind teilweise schon nutzbar und dienen als Lager für Landwirtschaft. Bliebe noch das Gebäude im Norden an der Straße nach Rottendorf. Die Erneuerung des ehemaligen Herrenhaus steht am Ende des Projektes. Reserviert ist es für den Betriebsnachfolger von Wolfgang Roth, vermutlich eines seiner vier Kinder.

    Was er in das Großprojekt investieren muss, weiß der Unternehmer nicht: „Wir machen das Schritt für Schritt mit viel Eigenleistung, aber immer nur soviel, wie die Familie leisten kann.“ Ein festes Ziel aber hat er: Bis zur 800-Jahrfeier des Gutes Wöllried im Jahr 2030 soll alles fertig sein.

    Die Geschichte des Wöllrieder Hofes bei Rottendorf

    Zusammengetragen hat die fast 800-jährige Geschichte des Wöllrieder Hofes Angela Treiber im Auftrag der Gemeinde Rottendorf. Nachzulesen ist sie auf der Internetseite von Wolfgang Roth: www.roth-lengfeld.de. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Wöllriederhof im Jahr 1230 in einer Urkunde des Bischofs Hermann I. von Lobdeburg als Welderied, was auf Ried- oder Sumpfgras hinweist. Eine Urkunde von 1266 nennt Wöllried als Gerichtsstätte. 1245 ist in einem Brief von Papst Innocenz IV. von einem Auftrag an den Custos des Würzburger Franziskaner-Minoritenklosters zu lesen, den im Wöllriederhof untergebrachten Leprakranken die Sakramente zu spenden und für ihr Begräbnis zu sorgen. Aus dem erzwungenen Gemeinschaftsleben entwickelten sich Formen einer genossenschaftlichen Vereinigung, die den Hof bewirtschaftete.

    1340 kam der Hof zur Würzburger Bürgerspitalstiftung. Zwölf Jahre später verleibte Bischof von Schwarzenberg sich den Hof ein. 1398 übergab er ihn für ein Darlehen an den Domherrn Gunther von der Kere. In den folgenden Jahrhunderten wechselte der Hof mehrmals den Besitzer. 1739 wird der Würzburger Rechtsprofessor Philipp Adam Ulrich Pächter. Er sah hier die Möglichkeit, im humanitär-aufgeklärten Sinne den verarmten Bauern zu helfen. Er erprobte neue landwirtschaftliche Techniken und Arbeitsprozesse, pflanzte damals so gut wie unbekannte Futterpflanzen und als Vorreiter in der Region Kartoffeln an. An seine Verdienste erinnert das „Kartoffeldenkmal“ am Hubland. 1979 – nach weiteren Besitzerwechseln – erwarb die Stadt Würzburg den Hof. 1988 lief der Pachtvertrag mit der Südzucker AG aus, und damit begann die Ära der Familie Roman Roth, die Sohn Wolfgang Roth nun seit 20 Jahren fortsetzt.

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