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    ROTTENDORF

    Neueste Technik in alten Mauern

    Eine lange Geschichte hat der Wöllrieder Hof an der Grenze zu Würzburg. Nun schlagen drei Lengfelder mit der „Eventlocation Gut Wöllried“ ein neues Kapitel auf.

    Eine lange Geschichte hat der Wöllrieder Hof an der Grenze von Rottendorf zu Würzburg. Nun schlagen in den alten Gemäuern drei Lengfelder mit der „Eventlocation Gut Wöllried“ ein neues Kapitel auf. Die Bauarbeiten für das Millionenprojekt sind in vollem Gange. Ende September soll die Eröffnung gefeiert werden. Erste Veranstaltungen sind schon gebucht.

    Hinter dem Projekt steht die „Gut Wöllried Veranstaltungs GmbH“. Einer der Gesellschafter ist der Lengfelder Landwirt und CSU-Stadtrat Wolfgang Roth. Seine Eltern Roman und Josefine Roth hatten 1986 damit begonnen, erste Flächen und Scheunen des abgewirtschafteten Gutes zu erwerben. Er hat inzwischen den Kauf des gesamten Gutes abgeschlossen.

    Fast ausschließlich Firmen aus Würzburg und der näheren Umgebung an Bord

    Geschäftsführende Gesellschafter in der GmbH und damit Betreiber der Eventlocation sind Sebastian Bayerl, Wirt der „Erks Stube“ in Lengfeld, und Oliver Ponnath, Küchenchef im Dettelbacher Restaurant „Himmelstoß“. Er hat sich dort beachtliche 14 Punkte im Gault Millau mit seiner Küchenkunst geholt, wird aber wegen der neuen Herausforderung im Mai seine Arbeit dort aufgeben.

    Die Planungen für das Großprojekt hat Stephan Haas vom Eibelstädter Architekturbüro Haas+Haas übernommen, wie überhaupt fast ausschließlich Firmen aus Würzburg und der näheren Umgebung mit der Umsetzung betraut wurden.

    Grundlegendes Ziel für Bauherrn und Architekt ist, so viel wie möglich von der alten Bausubstanz des Guts zu erhalten und modernste Technik für Heizung, Küche und Konferenzräume möglichst unauffällig auszustatten.

    Fußbodenheizung unter Echtholzparkett

    Deutlich wird dies vor allem am Herzstück des neuen Veranstaltungszentrums, der Festscheune. Das Dach der riesigen alten Scheune wurde inzwischen wärmeisoliert und mit Ziegeln in alter Optik neu eingedeckt. Das alte Gebälk wurde dabei freigelegt und bestimmt nun durch indirekte Beleuchtung das Raumbild des 14 Meter hohen Saales. Modernste Konferenztechnik mit einer acht Meter breiten Leinwand ist weitgehend unsichtbar eingebaut. Die nötige Wärme bekommt der Saal durch eine Fußbodenheizung unterm Echtholzparkett, die aus dem Fernwärmenetz der Stadt gespeist wird. Geplant ist mittelfristig weiterführend, die Wärme direkt aus dem benachbarten Müllheizkraftwerk zu beziehen und dadurch einen Beitrag zur umweltgerechten Energieverwertung zu leisten.

    Die Festscheune bietet auf fast 300 Quadratmeter Grundfläche je nach Art der Bestuhlung Platz für Veranstaltungen mit 120 bis 320 Personen. Für kleinere Veranstaltungen wie Hochzeiten wurde im Anschluss an die Scheune im Süden ein eingeschossiger Neubau errichtet. Der „Philipp-Adam-Ulrich-Saal“ erinnert an den Pionier des modernen Landbaues, der im 18. Jahrhundert den Wöllrieder Hof betrieb. Dieser Saal bietet Platz für Veranstaltungen mit bis zu 110 Gästen. Durch große Glasfenster geht hier der Blick auf ein Waldstück mit Wildgehege, wo sich einmal Hirsche, Rehe und Alpakas tummeln sollen.

    Ein Ziel: Vier große Feste als Dauereinrichtung etablieren

    Beide Räume verbindet eine moderne Küche mit Kühlräumen und einer vorgesetzten Live-Cooking-Station, wo die Gäste versorgt werden und miterleben, was und wie hier gekocht wird. Kulinarisch soll das Angebot von der Bratwurst bis zum 5-Gänge-Menü reichen, ob als Fingerfood, Flying Buffet, Show-Cooking oder als Barbecue. Im ehemaligen Stall, der sich an die Feldscheune im Norden anschließt, entsteht derzeit als Neubau im alten Stil eine Künstlergarderobe, ein Lager für Stühle und Tische und ein Verwaltungsbüro.

    Demnächst beginnen die Bauarbeiten im großen Innenhof. Es soll ein Ort auch für große Konzerte und Partys werden mit einer Wasserfläche in die Mitte und einem Bach, der bisher unterirdisch verläuft und nun wieder freigelegt wird. Der Hof wird gepflastert und bekommt eine große Freilichtbühne. Die Betreiber wollen hier vier große Feste als Dauereinrichtung etablieren. Etwas abseits wird im Westen ein ruhiger Garten mit altem Baumbestand hergerichtet.

    Günstige Lage für Gäste von außerhalb

    Die Betreiber sind überzeugt, dass sie wegen der guten Lage an der B22 und nahe der Autobahn auch Firmen aus dem Raum Nürnberg und Frankfurt anlocken können. Für Gäste stehen 200 Parkplätze gleich nebenan und eine Bushaltestelle direkt vor dem Eingang zur Verfügung. Mit Hannah Öhrlein aus Lengfeld, die Hotel- und Tourismusmanagement studiert, haben die Wirte bereits eine Veranstaltungsleiterin engagiert.

    In der Planungsphase steht derzeit, direkt angrenzend an den Hof, ein Hotel mit 56 Doppelzimmern. Dazu kommt eine Vinothek für ausgesuchte Winzer Frankens und ein Biergarten im Hof. In fernerer Zukunft steht dann die Sanierung des Herrenhauses an der Straße nach Rottendorf auf dem Plan.

    Das Gut Wöllried

    Im Jahr 1230 wird das Gut Wöllried erstmals in einer Urkunde von Fürstbischof Hermann I. von Lobdeburg (1225 - 1254) als Sitz eines Klosters erwähnt. Im 13. Jahrhundert wird das Gut als Haus für Leprakranke erwähnt. 1430 übergibt es die Stadt an das Bürgerspital zum Hl. Geist. Angetrieben durch die Lage der verarmten Bauern, pachtete Philipp Adam Ulrich das Gut 1739 und baute es zum landwirtschaftlichen Mustergut aus. Er revolutionierte das jahrhundertealte Agrarsystem, indem er in der „Ruhezeit“ Kartoffeln und Klee anbaute, die bis dahin in der Landbevölkerung unbekannt waren. 1979 kauft die Stadt Würzburg das Gut Wöllried von einer Erbengemeinschaft auf. Auf der im Stadtgebiet gelegenen Fläche des Gutes entsteht das Gewerbegebiet Würzburg Ost. Ab 1986 erwarb die Lengfelder Landwirtsfamilie Josefine und Roman Roth erste Ackerflächen am Hof und zwei Feldscheunen. In den folgenden Jahren erwarb die Familie alle weiteren Flächen und Gebäude des Gutes. Nach der Sanierung konnten 2015 erste Gebäude wieder gewerblich genutzt werden.
    Bearbeitet von Herbert Kriener

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