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    REGION WÜRZBURG

    Unternehmer klagen über bürokratiasche Hürden

    Eine Studie der IHK Würzburg/Schweinfurt zeigt, dass in der Region unter den Unternehmen ein eher negatives Bild von der Politik vorherrscht. Dies soll sich ändern.

    Tag der Wirtschaft im Wöllrieder Hof: (von links) MdL Manfred Ländner, Bürgermeister Thomas Eberth, MU-Vorsitzender Dr. ... Foto: Christian Ammon

    Es knirscht nicht nur in der Feinabstimmung zwischen Wirtschaft und Politik. Eine Studie der IHK Würzburg/Schweinfurt zeigt, dass auch in der Region unter den Unternehmen ein eher negatives Bild von der Politik vorherrscht. Dies soll sich ändern: Die Mittelstands-Union wünscht sich für die Stadt Würzburg einen Referenten für die Wirtschaft, der ähnlich wie der Stadtbaurat, der Schul- und Sportreferent oder die Sozialreferentin hauptamtlich in der Stadtverwaltung verwurzelt ist.

    „Wir wollen wieder mehr miteinander, statt übereinander reden“, sagte Artur Steinmann, neuer Vorsitzender des Bezirks Würzburg/Schweinfurt des Wirtschaftsbeirats Bayern. Gemeinsam mit der Mittelstands-Union Würzburg hatte der Beirat zu einem Tag der Wirtschaft in den Wöllrieder Hof eingeladen.

    Der Wöllrieder Hof ist selber ein Beispiel für die Kraft des Mittelstandes: Das Musterhofgut aus dem 18. Jahrhundert verharrte seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf. Der Verfall hatte deutliche Spuren hinterlassen. Nachdem der Hof jedoch 2014 von Wolfgang Roth erworben wurde, wird es derzeit zu einem Veranstaltungszentrum umgebaut.

    Auch eine Reihe kleiner Gründer-Unternehmen sind hier untergekommen, zwei Unternehmen aus dem Bereich Computer und Webdesign, eine Schuhmacher- und Sattlerin sowie die umgesiedelte Rottendorfer Gärtnerei Böck.

    Lob für den Standort Würzburg

    Für die Studie hat die IHK Würzburg-Schweinfurt 3500 Unternehmen aus der Region darüber befragt, wie sie den Standort Würzburg bewerten. Das Ergebnis lässt sich sehen: Mit einer Durchschnittsnote von 2,29 für die Stadt und 2,27 für den Landkreis schneidet die Region recht ordentlich ab. Drei von vier Unternehmern würden ihren Betrieb wieder in Mainfranken gründen. Überraschend: Die Geschäftserwartungen haben im Frühjahr sogar zugelegt. Trump und der Brexit hinterlassen bisher kaum Spuren.

    Was ist aber nun für das negative Politikerbild verantwortlich? Der CSU-Landtagsabgeordnete Manfred Ländner gab zu bedenken, dass die Politik von der Kommune über das Land bis zum Bund aus unterschiedlichen Ebenen bestehe, die es zu trennen gelte. Die Erbschaftssteuer, etwa, unbeliebt im Mittelstand wie kaum eine andere Zwangsabgabe, sei ein bundespolitisches Thema.

    Er gab aber auch zu bedenken: „Wir sind es nicht gewöhnt, mit Menschen umzugehen, die nichts von uns wollen und nur sagen: 'Lasst uns einfach nur in Ruhe unsere Arbeit machen.“ Auch fehle es dem hart arbeitenden Mittelständler an Zeit, um zu jammern.

    Untiefen der Verwaltung

    Ganz so ist es nicht, zeigte sich unter den etwa 150 Teilnehmern des Tags der Wirtschaft: Zahlreiche Wortmeldungen zeigten, wo der Schuh drückt: Es sind zwar keine finanziellen Begehrlichkeiten, aber die bürokratischen Hürden und Untiefen der Verwaltung machen den Unternehmern das Leben schwer: Zahlreiche Regularien und Aufzeichnungspflichten. Julian Böck, Chef der Gärtnerei Böck, musste etwa 36 eigene Stellplätze errichten – zusätzlich zu den 150, die es für den Wöllrieder Hof ohnehin schon gibt.

    Ein Handwerker aus der Region kritisierte die Dauer, einen Betrieb umzuwidmen: Urlaub und Krankheit des Sachbearbeiters, neue Brandschutzauflagen – kurz: Um alle Auflagen zu erfüllen, habe sein Betrieb Monate praktisch still gelegen: „Die Politik ist hier eher der Türöffner, betritt man die Verwaltung verliert man die Freude.“ Auch fehle es an Gewerbeflächen.

    Der Kürnacher Bürgermeister Thomas Ebert berichtete jedoch davon, wie schwer es sei, neue auszuweisen: „Es braucht einen Heidenkampf“, sagte er. Dabei seien es nicht nur die Auflagen, auch die Bürger, die oft nicht mehr davon zu überzeugen seien, dass es Entwicklungsräume bräuchte, um weiteres Wachstum anzustoßen.

    Zu denken gab, was Peter Deppisch zum Abschluss sagte: Er selber habe sein Unternehmen als Steuerberater 1996 gegründet: Die Förderung sei damals zwar geringer als heute gewesen, das Gründen dafür aber deutlich einfacher.

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