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    WÜRZBURG

    SPD fordert Mahnmal für die Opfer der Hexenjagd

    Die SPD will die Erinnerung an die Hexenverfolgung mit dem Gedenken an Julius Echters 500. Todestag verbinden. Das Stadtarchiv hält nicht viel davon.

    Ein „zentrales Mahnmal für die Hexenverfolgung in der Stadt und und im Hochstift Würzburg“ hat die SPD im Stadtrat beantragt. Die Genossen meinen, dass „auch eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte“ einen Platz im öffentlichen Raum finden müsse.

    Das Hochstift Würzburg war im 17. Jahrhundert, gemeinsam mit den Bistümern Mainz und Bamberg, eine Hochburg der sogenannten Hexenverbrennungen.

    Die SPD will das Mahnmal im kommenden Jahr eröffnen, dem Jahr, in dem die katholische Kirche den 400. Todestag des 61. Bischofs von Würzburg, Julius Echter, feiert. Echter ist der erste von drei Würzburger Bischöfen, unter deren Herrschaft Frauen, Männer und Kinder besonders intensiv als Hexen und Zauberer verurteilt und getötet wurden. Nach ihm kamen Johann Gottfried von Aschhausen und Philipp Adolph von Ehrenberg.

    In Würzburg ist die Hexenverfolgung nicht so gut erforscht wie in anderen Städten

    Das Stadtarchiv hält eine allzu enge Anbindung des Mahnmals an das Echter-Jahr für problematisch, weil der – von der SPD durchaus beabsichtigte – „Eindruck entstehen könnte“, vor allen anderen sei Echter für die Würzburger Hexenverfolgungen verantwortlich gewesen. Das aber treffe nicht zu.

    Einem Gutachten des Archivs zufolge ist die Würzburger Forschung zu den Hexenverfolgungen nicht so weit wie anderswo. Das liege nicht zuletzt an einer „vielfach schwierigen Quellenlage“. Genaue Zahlen über die Opfer der Verfolgungen in Stadt und Hochstift gebe es bislang nicht.

    Besonders für die Stadt seien wenige belastbare Aussagen möglich, ausgenommen die Jahre 1627 bis 1629 unter der Ägide Ehrenbergs mit mindestens 219 Hinrichtungen. Mit 48 Klerikern seien in dieser Zeit überdurchschnittlich viele Geistliche unter den Opfern gewesen.

    Julius Echter hat die lokalen Hexenverfolger unterstützt

    Hinweise auf Hexenverbrennungen in Würzburg sind für Echters Regierungszeit nur vage belegt. Als sicher gilt, dass das große Brennen in Echters letzte zwei Lebensjahre fällt. Für das Jahr 1616 ist eine Zahl von 300 Hinrichtungen überliefert, die wohl in Gerolzhofen stattgefunden haben. Echter, so heißt es im Gutachten des Stadtarchivs, sei diesen Verfolgungen „nicht entgegengetreten“, er habe die verfolgenden lokalen Instanzen unterstützt.

    Ungeklärt sind die Initiatoren der Verfolgungen. Frühere Forscher machten vor allem Obrigkeiten als Anstifter aus. Neuere Studien, berichtet das Archiv, belegten, dass diese Einschätzung nicht zutrifft. Die Bevölkerung und „Autoritäten vor Ort“ hätten demnach „in hohem Maße“ Hexenverfolgungen initiiert.

    Grausame Schicksale als Mahnung an die Lebenden

    Gleichwohl schreibt das Stadtarchiv, dass ein „berechtigtes Anliegen“ sei, an die Opfer in würdiger Weise zu erinnern und „ihr grausames Schicksal den Lebenden eine Mahnung sein zu lassen“.

    Der Kulturausschuss des Stadtrates hat beschlossen, den SPD-Antrag weiterzuverfolgen.

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