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    WÜRZBURG

    Winzer: Früheste und schnellste Ernte aller Zeiten

    Die meisten Winzer sind zufrieden mit dem Weinjahr 2017. Trotz der Wetterkapriolen fällt die Bilanz insgesamt positiv aus. Doch nicht überall herrscht Zufriedenheit.

    Als ein ausgesprochen „aufregendes, herausforderndes und turbulentes Jahr“ beschreiben unterfränkische Winzer das Weinjahr 2017. Zwar fällt die Bilanz dennoch positiv aus: Mit einem leichten Zuwachs an der Erntemenge von drei Prozent steht Franken als einer der Gewinner unter den Weinbaugebieten in Deutschland und in Europa da, wo die Erntemenge im Durchschnitt um 14 Prozent gesunken ist. Doch nicht überall herrscht Zufriedenheit.

    „Es war mit die früheste und anstrengendste Ernte aller Zeiten“, stellte Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbandes, bei der Bilanzpressekonferenz vier Wochen nach dem offiziellen Erntebeginn in der neuen Wein-Oase der Heidingsfelder Winzerfamilie Huppmann-Baumann fest. Das in Menge wie in Qualität gute Ergebnis sei kein Geschenk der Natur, sondern der konsequenten und harten Arbeit bei der selektiven Lese zu verdanken. So etwas wäre vor 20 Jahren noch nicht denkbar gewesen, meinte der Präsident und dankte allen, die sich in nervenzehrenden Wochen hier mit Sachverstand ins Zeug gelegt haben.

    Hermann Kolesch, Leiter der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim schilderte den äußerst schwierigen Witterungsverlauf, mit dem sich die Winzer nach seiner Einschätzung auch in Zukunft auseinandersetzen müssen.

    Nach einem sehr trockenen Winter habe die Entwicklung der Vegetation extrem früh und schneller eingesetzt mit bis zu 14 Tagen Vorsprung gegenüber dem langjährigen Mittel. Bis Anfang Oktober habe sich der Vorsprung auf bis zu 20 Tage ausgeweitet.

    Wetter und Tiere schaden Trauben

    Eine Folge des frühen Austriebs sei die wachsende Gefahr von Schäden bei Spätfrösten, die sich verstetigen werde, so Kolesch. Mit Beregnung, Windmaschinen und Hubschraubern oder Frostkerzen seien die Winzer dem Frost entgegengetreten. Eine Möglichkeit, die Frostschäden zu minimieren, sei die Austriebsverzögerung durch Besprühen mit Pflanzenöl. Hier werde man sich um eine staatliche Genehmigung bemühen, kündigte Kolesch an.

    Was die Winzer in diesem Jahr zusätzlich belastet hat, waren gebietsweise kräftiger Hagel wie am Stein und der Regen in den Wochen vor der Reife. Die Folge sei der Befall der Trauben mit Essigfäule gewesen, was sehr viel Handarbeit in kürzester Zeit erfordert habe. Neben Mäusen, Wespen, Vögeln und Wildschweinen hätten – begünstigt durch die feuchte Witterung – auch wieder Essigfliegen die Trauben geschädigt, gegen die es noch kein vernünftiges Mittel gebe.

    Angesichts solch schwieriger Voraussetzung ist es schon erstaunlich, welche Qualität die Weine des Jahrgangs 2017 versprechen. Der Önologe Herrmann Mengler, Kellereifachberater beim Bezirk Unterfranken, schwärmte bei der Vorstellung einiger noch gärender Weine vom „gesunden Säureskelett und viel, viel Aroma“.

    Der Jahrgang 2017 verspreche lupenreine Weine von schlanker Eleganz, wenn konsequent selektiv gelesen worden sei. Die Weine dieses Jahres seien eine wunderbare Ergänzung zu 2015 und 2016.

    Mit einem durchschnittlichen Zuckergehalt von 84 Grad Öchsle und einem Ertrag von 82 Hektoliter pro Hektar hat auch in diesem Jahr der Silvaner seine besondere Eignung für Franken unter Beweis gestellt. Mit 88 Grad Öchsle steht zwar der Riesling an der Spitze, doch bringt er es nur auf einen Ertrag von 64 Hektoliter pro Hektar. Die Rebfläche in Franken beträgt insgesamt 6024 Hektar – das entspricht in etwa der Fläche von 8400 Fußballfeldern.

    84 Grad Öchsle und 81 Hektoliter pro Hektar im Durchschnittlich aller Weine, seien ein richtig ordentliches Ergebnis für so ein extremes Jahr, so Hermann Kolesch.

    Etwas drastischer drückt es Horst Kolesch, der Leiter des Weinguts Juliusspitals – des zweitgrößten Weinguts in Deutschland –, aus: „2017 hat das ganze Schreckensportfolio geboten“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion in Anspielung auf Frost, Hagel sowie die „sehr frühe und sehr verregnete Lese“.

    Gerade in den letzten Sommerwochen hätten die Trauben eine „rasante Reifeentwicklung“ gezeigt und sich, weil sie „optimal versorgt“ waren, zu wahren „Gigabeeren“ entwickelt. Mit dem Ergebnis ist er zufrieden: „Es ist eine in der Menge versöhnliche Weinernte. Sie liegt in der Menge zwar unter dem Vorjahresniveau, ist aber weitaus besser als befürchtet.“

    Verheerende Frostnacht

    Diesen Satz kann Biowinzer Ralf Baldauf aus Ramsthal (Lkr. Bad Kissingen) nicht unterschreiben. „Wir hier im Saaletal haben die Frostnacht vom 19. auf den 20. April voll abgekriegt“, sagt er. Bei Temperaturen bis minus acht Grad seien ihm allein in dieser Nacht rund 30 Prozent seiner Trauben erfroren. „Wir haben unterm Strich definitiv Verluste. Es war ein sehr hartes Jahr.“

    Wie andere vom Frost geschädigte Winzer hat Baldauf alles getan, um die verbliebenen Trauben zu schützen. Einfach sei das nicht gewesen, sagt Baldauf, er hat beobachten müssen, dass sich Insekten und Vögel, die eben wegen der Frostnacht in diesem Jahr weniger Obst gefunden haben als in früheren Jahren, mehr als sonst über die Trauben hergemacht haben. Auch dadurch habe es Schäden gegeben. Baldauf ist heilfroh, dass der Wein jetzt im Keller lagert. In der Menge zwar zu wenig, aber ein „strukturstarker Wein, ein guter Jahrgang“.

    Von einem guten Jahrgang spricht auch Elke Röder, die das Weingut Leo Sauer in Eibelstadt (Lkr. Würzburg) leitet. „Wir haben sehr schöne, fruchtige Weine; haben viele Spätlesen und Auslesen geerntet“, sagt sie. Ein Jahrhundertjahrgang ist 2017 nach Röders Einschätzung allerdings nicht; ein Jahrhundertjahrgang würde „sehr geringe Traubenmengen und sehr gesunde Trauben“ fordern. Die Eibelstädter Winzerin hat deutlich weniger Frostschäden zu beklagen als ihr Winzerkollege im Saaletal.

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