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    HELMSTADT

    Geschichte(n) um Helmstadt: Der Teufel am Hundsbillä

    Eine spannende Grenzwanderung mit Sagen und Fakten aus dem Gebiet rund um Helmstadt und Holzkirchhausen gab es im Rahmen der Helmstadter Ferienfreizeit.

    Gebannt lauschten die Teilnehmer des Grenzgangs entlang der Helmstadter und Holzkirchhausener Gemarkungsgrenzen den span... Foto: Mechtild Buck

    „Auf einmal roch es fürchterlich nach Schwefel und alle dort herumliegenden Steine waren plötzlich vom Schwefel ganz gelb eingefärbt. Im Wald tat sich ein tiefer Graben auf und da wusste man, dass es sich bei dem Hund um den Teufel gehandelt hatte, der durch den tiefen Graben wieder in der Hölle verschwunden war.“ Gebannt lauschten die jugendlichen Teilnehmer des Grenzgangs entlang der Helmstadter und Holzkirchhausener Gemarkungsgrenzen am Samstagnachmittag den spannenden Geschichten, die der Feldgeschworene Bernd Schätzlein zu erzählen wusste.

    Neun Kinder und zwei Erwachsene nahmen an dem ungefähr vier Kilometer langen abenteuerlichen Grenzgang teil, den die Feldgeschworenen der Ortsteile Helmstadt und Holzkirchhausen zusammen mit dem Arbeitskreis Denkmal- und Geschichtspflege Helmstadt organisiert hatten.

    Vom Wasserhaus starteten die Teilnehmer zu einer lustigen Fahrt im Holzmacherwagen, der von einem Bulldog gezogen wurde, zum Dreimärker (Grenzstein der drei Gemarkungen Helmstadt, Holzkirchen und Holzkirchhausen) an der Verbindungsstraße zwischen Helmstadt und Holzkirchen. An diesem Grenzstein, der im Jahr 1993 gesetzt worden war, erläuterte der Obmann der Feldgeschworenen (Siebener) Vinzenz Bauer den Zuhörern das Siebenerwesen und das Siebenergeheimnis und alle begrüßten sich per Handschlag mit dem Siebenergruß.

    Anschließend marschierte die Gruppe via GPS-Tracking in Richtung Holzkirchen weiter, vorbei an dem Ort, an der die sagenhafte ehemalige Ortschaft Mitzbrunn vermutet wird. Zur Zeit wird in diesem Bereich der Lärmschutzwall an der A3 aufgeschüttet.

    Der geheimnisvolle Bildstock

    Anschließend ging es zum „Hundbillä“ (übersetzt „Hundbildstock“)genannten Bildstock an der Verbindungsstraße zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen. Um diesen Bildstock rankt sich eine geheimnisvolle Geschichte: Im Jahr 1730 wurde der Bildstock von Helmstadter Bürgern nach ihrer Genesung von einer schweren Krankheit aus Dankbarkeit aufgestellt. Nach der Aufstellung passierten allerdings seltsame Dinge: Als die Leute am nächsten Tag zum Bildstock kamen, mussten sie feststellen, dass der Bildstock um 180 Grad umgedreht war und nun auf einmal in Richtung Sesselberg schaute.

    Die Helmstadter dachten zunächst, dass sich die Holzkirchhausener einen Spaß mit den Helmstadtern erlaubt hatten und drehten den schweren Bildstock in mühsamer Arbeit wieder um. Tags darauf war der Bildstock aber schon wieder in Richtung Sessenberg gedreht. Deshalb beschlossen die Helmstadter, ihn in der dritten Nacht zu bewachen. Dazu hatten sich die stärksten und mutigsten Männer bereit erklärt und dabei vorsorglich Knüppel und Gabeln mitgenommen und die Täter damit ordentlich zu bestrafen.

    In der dritten Nacht wurde es schon bald dunkel und die Männer, die tagsüber viel gearbeitet hatten, waren bald müde und haben sich unterhalb vom Bildstock ins Gras gelegt. Es wurde immer später, die Männer dachten mittlerweile, dass sowieso nichts mehr passiert und sind alle bis auf den jüngsten, der sehr aufgeregt war, eingeschlafen. Auf einmal sah dieser in der Ferne zwei rote Punkte in der Nacht leuchten, die ganz langsam näherkamen.

    Der junge Mann weckte die anderen und als das Ding ganz nah war, sahen sie, dass es sich bei den Punkten um die Augen eines ein riesigen schwarzen Hundes handelte. Der Hund trottete dann langsam zum Bildstock hin, umfasste diesen mit seinen dicken Tatzen und wollte ihn wieder umdrehen. Die Männer nahmen ihren ganzen Mut zusammen und rannten mit Knüppeln und Mistgabeln auf den Hund los, um diesen zu vertreiben. Der schwarze Hund ist erschrocken, hat den Bildstock losgelassen und rannte blitzschnell in Richtung zum Sesselberg. Als er den Waldrand erreicht hatte, gab es auf einmal einen lauten Donnerschlag und der Hund war plötzlich im Wald verschwunden.

    Die Männer sind dem Hund mit ihren Waffen nachgerannt und als an den Waldrand kamen stank es auf einmal fürchterlich nach Schwefel und alle dort herumliegenden Steine waren vom Schwefel ganz gelb eingefärbt. Im Wald tat sich aber ein tiefer Graben auf und da wusste man, dass es sich bei dem Hund um den Teufel gehandelt hatte, der durch den tiefen Graben wieder in der Hölle verschwunden war. Seit dieser Zeit, heißt der tiefe Graben, der heute die Gemarkungsgrenze zwischen Helmstadt und Holzkirchhausen bildet, Teufelsgraben.

    Auch heute findet man im Teufelsgraben noch gelbe Steine und alte Knochen, die sicherlich auf diesen schwarzen Hund zurückzuführen sind.

    Fast 2500 Jahre alte Grabhügel

    Durch den Teufelsgraben ging es zu den Hallstattgräbern, das sind mehr als zehn Grabhügel, von denen die meisten leider schon eingeebnet wurden. Die Grabhügel stammen aus der Zeit zwischen 850 und 400 vor Christus und wurden von den Bewohnern einer Keltensiedlung errichtet, die sich damals vermutlich im Bereich des heutigen „Am Roth“ in Helmstadt niedergelassen hatte.

    1980 wurde ein Grabhügel geöffnet und man fand die Gebeine einer älteren und einer jungen Person, die dort begraben worden waren, sowie als Grabbeigaben wie Gefäße mit Essensresten (Obst und Schweinefleisch).

    An der Haltestelle Peisel erzählte Schätzlein die Geschichte vom Waldbrand im Peisel: Georg Schraudt hatte sich auf dem Feld am Waldrand ausgeruht und dabei geraucht. Plötzlich hatte der Wald zu brennen angefangen und als er ihn löschen wollte, ist er mit verbrannt. Als Quintessenz resümierte Schätzlein: Rauchen ist lebensgefährlich.

    Zum Abschluss des gelungenen Nachmittags stärkten sich die Teilnehmer bei einer Brotzeit am Siebenertisch am Sessenberg. Anschließend ging es nach vier schönen und abenteuerlichen Stunden mit dem Holzmacherwagen zurück zum Wasserhaus.

    Von unserer Mitarbeiterin Mechtild Buck

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