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    WÜRZBURG

    Heiße Zukunft für Würzburgs Innenstadt

    Würzburger Klimaforscher Paeth sagt tropisches Sommerklima mit Nächten über 30 Grad Celsius für die Innenstadt vorraus. Wie kann man für Abkühlung sorgen?

    14. Mai, 20 Uhr, 28 Grad: Die Außentemperatur passt am Mittwoch gut zum Thema: Heiko Paeth, Professor für Klimatologie vom Institut für Geografie und Geologie der Universität Würzburg spricht in den Greisinghäusern über die Folgen des Klimawandels für Würzburg.

    Stadtklimatische Fakten, keine Politik

    Eingeladen war Paeth vom Aktionsbündnis „Grüner Platz am Theater“, das am 2. Juli mit einem Bürgerentscheid den Kardinal-Faulhaber-Platz zu einem Park machen will. Die Idee findet Paeth, der auch Mitglied im Klimabeirat der Stadt ist, gut. Aber: „Instrumentalisieren lasse ich mich von der Politik nicht.“

    Denn als Klimaforscher setzte er sich nicht mit sämtlichen Argumenten zu Bebauung und Nichtbebauung des Kardinal-Faulhaber-Platzes auseinander, sondern präsentiere stadtklimatische Fakten.

    Unterfranken erwärmt sich um vier bis fünf Grad

    Erstens: Der Klimawandel ist menschgemacht und wissenschaftlich nachweisbar. Zweitens: Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen, selbst in moderater Form, weiter fortgesetzt wird, erwärmt sich Unterfranken in den nächsten 80 Jahren um vier bis fünf Grad. Gleichzeitig gehen die sommerlichen Niederschläge um bis zu einem Drittel zurück. „Obwohl es im Maintal sowieso schon sehr trocken ist, muss sich die Landwirtschaft auf deutlich trockenere Verhältnisse einstellen.“

    Drittens: In Würzburg wird es noch heißer: Generell sorgen Verkehr, Bebauung und Versiegelung für höhere Temperaturen in Städten. In Würzburg verstärken Kessellage und zugebaute Frischluftschneisen den „städtischen Wärmeinseleffekt“ noch: Um knapp fünf Grad ist es hier in Sommernächten wärmer als im Umland.

    2100 sind Sommer mit 52 Hitzetagen die Regel

    Addiert man zu diesem Ist-Zustand den Klimawandel bedingten weiteren Temperaturanstieg bis 2100 kommen in der Summe fast zwei Hitzemonate pro Jahr in der Stadt heraus – 52 Tage mit mehr als 30 Grad am Nachmittag und über 20 Grad in der Nacht. „Dabei werden die Nachttemperaturen aber auch mal bei 30 Grad liegen“, sagt Paeth. Zum Vergleich: Im heißen „Jahrhundertsommer“ 2003 waren es 35 Hitzetage in Würzburg, im Mittel des 20. Jahrhundert nur etwa zwei pro Jahr.

    Der Wissenschaftler folgert aus diesen Fakten zweierlei: Angesichts der globalen ökonomischen und politischen Bedingungen sei ein Park in Würzburg natürlich kein „großer Beitrag für den weltweiten Klimaschutz“. Aber gleichzeitig, sei er eine wichtige und wirksame Maßnahme, um die Temperaturen in Teilen der Würzburg Innenstadt zu senken.

    Bäume sind natürliche Klimaanlagen

    Denn Bäume und Erde wirken durch die Abgabe von Feuchtigkeit wie natürliche Klimaanlagen. Der Effekt ist in der städtischen Klimafunktionskarte, die im Auftrag der Verwaltung erstellt wurde (siehe Abbildung), deutlich sichtbar: Je mehr Bebauung desto heißer, je mehr Vegetation desto kühler.

    In einem vom bayerischen Umweltministerium finanzierten Forschungsprojekt quantifizieren die Würzburger Klimaforscher gemeinsam mit der TU München in den nächsten Monaten die klimawirksame Leistung von Stadtbäumen, um einen Leitfaden für künftige Stadtentwicklung zu entwerfen.

    „Sie treffen eine Grundsatzentscheidung“

    Mit der Zukunft jetzt anzufangen fordert Jörg Töppner, Sprecher des Aktionsbündnisses bei der Veranstaltung. Die Gestaltung des Faulhaber-Platzes sei eine „Weichenstellung nach vorne“. Grünen-Stadtrat Patrick Friedl beschreibt diese so: Entweder die Stadt bekommt mehr Verkehr oder echten Klimaschutz. Mit dem Appell „Sie treffen am 2. Juli eine Grundsatzentscheidung“ läutete Friedl den „Wahlkampf“ ein.

    Denn die Fronten im Stadtrat sind klar: Die Stadträte von Grünen, ÖDP, Linke und ZfW stehen hinter dem Bürgerbegehren.

    Oberbürgermeister Christian Schuchardt und die Mehrheit aus CSU, SPD, FWG, Bürgerforum-FDP und WL hat dagegen einen teils begrünten, teils bebauten Platz sowie eine Tiefgarage beschlossen. Ihre Pläne stellen sie als Ratsbegehren „Grüner Platz: Innenstadt für alle“ als Alternative zum „Grünen Platz am Theater“ zur Abstimmung. In den nächsten Wochen werden Aktionsbündnis und Politik mit Argumenten um Zustimmung werben.

    Argumente von Bürgern

    Bei der Klima-Veranstaltung nennen auch einige der rund 50 anwesenden Bürger Argumente. „Anfangs ist immer ein kleiner Schritt notwendig, um ans große Ziel zu kommen“, meint Bernd J. Fertig.

    „Mir graut vor einem Aufenthalt in der Eichhornstraße in den nächsten Jahren“, sagt Innenstadtbewohnerin Helga Huth angesichts des prognostizierten Temperaturanstiegs in der City.

    „Die Arcaden am Bahnhof hat auch ein Bürgerentscheid verhindert und heute ist sogar Stadtbaurat Christian Baumgart froh, dass es so gekommen ist“, erklärt Marianne Erben. Ihre Erkenntnis: „Die wichtigen Entscheidungen müssen wir Bürger selbst treffen.“

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