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    WÜRZBURG / HILPOLTSTEIN

    Der Star überwintert lieber am Main

    Rekordbeteiligung, aber insgesamt weniger Vögel und manche Sorgen: Der Landesbund für Vogelschutz hat die Winterzählung ausgewertet. In Unterfranken gibt's Überaschungen.

    Macht sich der Star rar? Als der Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Jahreswechsel wieder zu seiner Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ aufrief, da stellte er diese Frage. Bleibt der Star, der Vogel des Jahres 2018, inzwischen lieber hier als in den Süden zu ziehen? Von der Vogelzählung vom 5. bis 7. Januar erhofften sich die Vogelfachleute Auskunft. Die bayernweite Auswertung der Zählergebnisse hat lang gedauert in diesem Jahr, weil mit über 32 000 Teilnehmern so viele Gartenbesitzer und Vogelfreunde mitmachten wie nie. Jetzt ist das Gesamtergebnis da. Und der schillernde Singvogel spart sich anscheinend wirklich die Reise ans Mittelmeer – und überwintert dafür in Unterfranken.

    Die Hälfte der Stare überwintert am Main

    Noch nie wurden bei der Zählung so viele Stare beobachtet wie Anfang dieses Jahres: fast 6500 Exemplare bayernweit, damit schaffte es der Zugvogel, der zum Überwinterer wird, fast in die Liste der 20 am häufigsten beobachteten Wintervögel im Freistaat. Bemerkenswert: über die Hälfte der Stare – insgesamt 3659 – wurden in Unterfranken gezählt. In Unterfranken kam der Vogel des Jahres damit auf Rang 7, in Aschaffenburg war er gar der dritthäufigste Vogel.

    In Unterfranken mehr Vögel in den Gärten als im Bayern-Durchschnitt

    Die Bilanz insgesamt? Trotz Rekordbeteiligung sei deutlich geworden, dass im Freistaat insgesamt immer weniger Vögel beobachtet werden, so der LBV. Im Durchschnitt bayernweit nur noch 34 pro Garten. In Unterfranken waren es immerhin durchschnittlich 37 Vögel pro Garten. Im vergangenen Winter, der viele Vogelfreunde beunruhigt hatte, waren es nur 33 Vögel pro Garten gewesen. Zum Vergleich: Vor sieben Jahren wurden bundesweit noch 46 Vögel pro Garten beobachtet.

    Beunruhigend für den LBV ist der langsame, aber stetige Abwärtstrend bei Buch- und Grünfinken. Auch der Rückgang von typischen Feldvögeln wie der Goldammer, die im Vergleich zum Vorjahr in Bayern fast 40 Prozent seltener gesehen wurde, bereite große Sorgen. Die Goldammer ist ein typischer Vogel der Ackerlandschaft. „Ihr machen der zunehmende Flächenfraß, Monokulturen, der Einsatz von Agrargiften in der Landschaft und die Zerstörung von Randgehölzen und Sträuchern schwer zu schaffen“, sagt Martina Gehret von der Zentrale des LBV in Hilpoltstein.

    Weil der Winter bislang mild blieb und der Boden nicht fror, sparten sich nicht nur die Stare die weite Reise in den Süden. Auch Kurzstreckenzieher wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Hausrotschwanz und Bachstelze wurden häufig gesehen. Sie würden oft sehr spontan auf die jeweilige Witterung reagieren, sagt Gehret. Bei einem Wintereinbruch ziehen sie kurzfristig in wärmere Regionen. Bleibt das Wetter weiter mild, würden die Daheimbleiber vielleicht auch ihren Brutbeginn vorverlegen. Dann kann Spätfrost gefährlich werden.

    Die Meisen sind wieder da, den Spechten geht's gut

    Was ist noch zu sagen? Die Meisen, die im vergangenen Jahr fehlten, sind wieder da. Die Kohlmeise hat die Spitzenposition zurückerobert, auch Blau-, Sumpf,-, Tannen und Haubenmeisen wurden wieder weitaus häufiger gezählt im Vorjahr. Rekordverdächtig seien in diesem Jahr auch die Meldungen von Spechten, so der LBV. Buntspecht, Grünspecht, Mittelspecht, Kleinspecht – perfekte Witterungsbedingungen und damit verbunden zahlreiche Borkenkäferarten bescherten den Spechten viel Nahrung und ein erfolgreiches Brutjahr. Großes Glück hatten Teilnehmer aus Miltenberg: Sie konnten Kraniche beobachten, die in diesem Winter wetterbedingt ungewöhnlich spät weiter Richtung Südwesten geflogen waren.

    Im Bayern-Vergleich sind die meisten Vögel in Niederbayern zu finden: 41 pro Garten. Danach folgten Ober- (38) und Unterfranken (37) sowie die Oberpfalz (35) und Schwaben (35). Unter dem bayerischen Durchschnitt von 34 lagen Mittelfranken (33) und Oberbayern (30).

    Blick auf die Städte - und in die Haßberge

    Vor allem in den großen Städten werden die Vögel immer seltener. Mit im Schnitt nur 21 Vögeln pro Garten sei München – wegen des ungebremsten Flächenfraßes und Baubooms – erneut die vogelfeindlichste Stadt Deutschlands, so der LBV. Selbst in Berlin seien 35 Vögel pro Garten beobachtet worden. Auch Nürnberg (25), Augsburg (25) und Bamberg (26) unterstreichen den städtischen Abwärtstrend. In Würzburg wurden 28 Vögel pro Garten gezählt, hier kam die Kohlmeise vor der Blaumeise auf Platz eins. In der Stadt Schweinfurt wurden durchschnittlich 32 Vögel beobachtet, auch hier „siegten“ die Meisen“.

    Bemerkenswert die Zahlen aus den Haßbergen, der vogelreichsten Region in ganz Unterfranken: 45 Vögel zählten die Gartenbesitzer hier im Schnitt. Auf Platz eins kam auch hier der Spatz, vor Kohlmeise, Blaumeise und Feldsperling.

    Die Ergebnisse für die einzelnen Bezirke und Landkreise gibt es unter www.stunde-der-wintervoegel.de

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